Michael Ende und sein Sehnsuchtsort Valley

VKT-Gild

Anja Gild liest die Ballade vom Seiltänzer. Foto: Ramona Meisl

Valleyer Kulturtage 2019

Mit der Eröffnungsveranstaltung der 6. Valleyer Kulturtage bewiesen die Organisatoren ein gutes Gespür. Die Besucher in der Zollinger Halle erlebten das diesjährige Schwerpunktthema wissenschaftlich, literarisch und musikalisch. Bildende Kunst kam bei der Ausstellung im Schlossbräu hinzu und formte ein Gesamtkunstwerk.

„Unsere Kulturtage vereinen alle Sparten der Kultur, Jung und Alt, Hiesige und Zugeroaste“, sagte Bürgermeister Andreas Hallmannsecker, der neben seinen Bürgermeisterkollegen aus Warngau, Weyarn und Irschenberg auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner begrüßen konnte. So setze Valley ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und zeige der Welt, dass es anders gehe als man derzeit überall erleben müsse.

VKT-Politik
Bernhard Wolf, Ilse Aigner und Andreas Hallamannsecker (v.l.). Foto: Ramona Meisl

Anja Gild und Bernhard Wolf, federführend für ein engagiertes Organisationsteam, hatten ein Jahr lang diese Kulturtage geplant, die ganz Michael Ende gewidmet sind, der im November 90 Jahre alt geworden wäre und der 1966 mit seiner Frau Ingeborg Hoffmann das Alte Schloss Valley kaufte.

Lesetipp: 6. Valleyer Kulturtage

Mit Professorin Birgit Dankert und Professor Sven Hanuschek konnten sie zwei Literaturwissenschaftler gewinnen, die ihr Expertenwissen nicht nur in die Planung einbrachten, sondern auch die Eröffnung gestalteten. Im Gespräch rollten sie Michal Endes Leben in Valley auf und stellten es in den Zusammenhang seines Werkes.

Annemarie Hagn
Annemarie Hagn. Foto: Ramona Meisl

Gekonnt und sensibel unterstützten sie dabei die Valleyer Musikanten Annemarie Hagn sowie Bernhard Adelsberger und Freddy Jaschke (Bär&Er) mit Welturaufführungen. Sie hatten zu Texten von Michael Ende Kompositionen verfasst, die die Zuhörer in die nicht so bekannte Welt des Lyrikers entführten.

Bär&Er
Bernhard Adelsberger und Freddy Jaschke. Foto: Ramona Meisl

So hatten Bär&Er einfühlsam „Das Mädchen aus Papier“ vertont und Annemarie Hagn in ihrer unnachahmlichen Art die Valleyer Künstler im „Schnurpsenkonzert“ aufmarschieren lassen.

Valley erinnert sich

Anja Gild steuerte die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil bei, der unermüdlich für die Erfüllung seiner Träume kämpft.

Michael Ende hatte den Traum, das Alte Schloss in Valley zu sanieren und hier einen Sehnsuchtsort zu finden, aber es fiel ihm schwer, es bewohnbar zu machen und so verkaufte er es 1971 wieder. In dem Film „Valley erinnert sich“ erzählen Zeitzeugen, was sie mit dem berühmten Dichter erlebten. Er wird am heutigen Sonntag um 15 und 17 Uhr im Schloss Bräu gezeigt.

1988 kam Michael Ende noch einmal zur Eröffnung des nunmehr von Sixtus Lampl und seiner Frau restaurierten Schlosses zurück. Dabei erzählte er Inge Lampl, dass der Speicher des Schlosses als Vorbild für den Speicher in der „Unendlichen Geschichte“ diente.

Eine von Valleyer Künstlern gestaltet Plakette wird nun am Schloss angebracht, um an sein Leben in Valley zu erinnern. In dieser Zeit, so erzählten die beiden Wissenschaftler, sei er auf dem Sprung zum Welterfolg gewesen.

Zeitloser Michael Ende

Sein berühmtes Schnurpsenbuch sei hier entstanden und sicher habe Valley zu seinem Erfolg beigetragen. Was aber mache ihn zeitlos? Zum einen die archetypischen Situationen, die er so darstelle, dass der Leser eine Projektionsfläche für seine Probleme finde. Zum anderen arbeite er mit der Heldenreise zur Sinnfindung des Einzelnen.

VKT Professoren
Michael Ende Experten Birgit Dankert und Sven Hanuschek. Foto: Ramona Meisl

Letztlich aber, so mussten beide Wissenschaftler einräumen, bleibe der Autor Michael Ende ein Rätsel. Dieses versinnbildlichte die Projektion, die Michael Ende als eine Art Matrjoschka-Figur darstellte, der man nicht auf den Grund gehen könne.

24 Künstler im Schloss Bräu

Die Überleitung zur Ausstellung im Schloss Bräu kann Michael Endes Vater, der surrealistische Maler Edgar Ende, liefern. Die 24 Valleyer Künstler indes zeigen eine große Bandbreite in ihrem Schaffen, sowohl von ihrem Stil her als auch inhaltlich. Barbara Bertram organisierte die Ausstellung und schuf mit dem Katalog „Who is who“ eine beeindruckende Zusammenstellung der Valleyer Künstler.

Manfred Lehner Zeitdiebe
„Mit den Zeitdieben unterwegs“ Foto: Manfred Lehner

Stellvertretend sollen einige genannt werden. Da ist die zauberhafte Installation von Ada Bertram zum Gedicht „Das Mädchen aus Papier“. Da ist die Fotoserie von Manfred Lehner „Mit den Zeitdieben unterwegs“. Er habe die grauen Männer aus „Momo“ fotografieren wollen, erzählte er zur Vernissage, aber festgestellt, dass sich heute diese in die rechteckigen kleinen Kästchen verwandelt hätten.

Geheimnisvoll-fantastisch kommen sowohl die Schwarzweißen Acrylbilder von Markus Seidling als auch die farbintensiven Geschichten erzählenden Bilder von Gabriel Wulfers daher.

Michael Ende Gabriel Wulfers
Ein fantastisches Werk von Gabriel Wulfers. Foto: MZ

Eine Besonderheit ist im Treppenhaus des Schloss Bräu zu sehen. Hier hat Herbert Schmid Bilder des vor einem Jahr verstorbenen Pater Nikolai ausgestellt und dazu zwei eigene Werke gesellt: Pater Nikolai und Fronleichnam, „weil er dieses Fest gehasst hat“, sagt der Künstler.

Michael Ende Fuchur
Installation von Ralf Lorenzer. Foto: MZ

Für die Präsentation von Arbeiten der Kinder der Valleyer Schule hat Ralf Lorenzer eigens einen Fuchur gebaut. Die Ausstellung ist am heutigen Sonntag noch bis 18 Uhr und bis Mittwoch, 16. Oktober geöffnet. Zudem ist das interaktive Projekt „The day after“ oder „Umgang mit schlechten Nachrichten“ bis 17 Uhr zu sehen. Die weiteren Veranstaltungen am heutigen Tag entnehmen sie bitte dem Programm.

Die ausstellenden Künstler sind: Jan Ahlborn, Ada, Clara und Barbara Bertram, Sabine Drösler, Marcus Grossmann, Sven Horn, Lotte Koch, Monika und Manfred Lehner, Susanne und Ralf Lorenzer, Nani Mahlo, Mirtha Monge, Herbert Schmid, Reinhold Schmid, Markus Seidling, Michaela Urban, Gabriel Wulfers, Steffi Zwerschke.

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