Kulturblitz | Energieexperte mag Anarchisten in der Landwirtschaft

Dr. Georg Gruber. Foto: privat

Vortrag in Großhartpenning

Wohin steuert Deutschland bei der Energiewende? Erst einmal muss die Politik aufwachen, meint der Wirtschaftswissenschaftler Georg Gruber. Denn sie habe das Thema „verschlafen“, so der Experte. Dennoch macht er den Deutschen Mut.

Erst wurde der Vortrag zur Energiewende von der Bergwachtmusi Bad Feilnbach stimmungsvoll eingespielt, dann mit der Kuhglocke eingeläutet und zum Schluss auch noch zünftig außigspuit – wie es das Publikum der Veranstaltungsreihe „Wissen & Klang von Mensch zu Mensch“ des Hartpenninger Hahnhof-Tausendsassas Schorsch Hahn schätzt. Das Thema hätte in Zeiten der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine nicht aktueller sein können, bekommt deren Auswirkungen auf die Energieversorgung neben den vielen Toten, Verletzten und verheerenden Zerstörungen doch die halbe Welt zu spüren.

Georg Gruber, der Referent des Abends, ist seit 40 Jahren global auf dem Gebiet alternativer Energieträger unterwegs. Besonders haben es ihm pflanzliche Öle für Mobilität, Landwirtschaft, Energiewende und Stromerzeugung angetan. In seinem Vortrag sprang der promovierte Wirtschaftswissenschaftler durch die Themen der Energiewende, mitunter purzelten seine Argumente munter durcheinander.
Eingangs hatte er der Agrarbranche, die im Energiebereich nach seiner Überzeugung noch viel mehr von Pflanzenölen profitieren könnte, augenzwinkernd mit dem Satz geschmeichelt: „Jeder Anarchist in der Landwirtschaft hat meine volle Unterstützung.“ Später bescheinigte er den Bauern aber auch Skepsis gegenüber Innovationen.

„Wir brauchen keine Verbrenner im Auto.“

Der einstigen Kanzlerin Angela Merkel warf er vor, durch die Steuer auf Pflanzenöle als Sprit über Nacht 600 Ölmühlen in Deutschland vernichtet zu haben. Die Bundesrepublik habe die Energiewende „verschlafen“, so Gruber. Schuld daran sei die Politik, weil sie sich der mächtigen Großindustrie nicht in den Weg stelle. Mehr noch: Viele Politiker seien mittlerweile selbst Lobbyisten der Erdöl- und Erdgasindustrie. So war Katherina Reiche (CDU) vor ihrer Ernennung zur Wirtschaftsministerin Geschäftsführerin des Tochterunternehmens Westenergie beim Energiekonzern E.ON.

Der Referent machte dennoch Mut. In der Photovoltaik gehöre, neben dem auf Dächern erzeugten Sonnenstrom, senkrecht ausgerichteten Modulen die Zukunft, die selbst im Winter Strom lieferten. Auf Hochhausfassaden seien sie in allen Farben herstellbar „praktisch unsichtbar“. Gruber: „Wir brauchen keine Verbrenner im Auto und keine Gas- und Ölheizungen mehr.“

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