
Großartiges Konzert für eine gute Sache
Thomas Siffling (l.) und die International Rotary Big Band. Foto: Petra Kurbjuhn
Konzert in Gmund
Mit Standing Ovations ging ein außergewöhnliches Konzert im Rahmen des Internationalen Musikfestes am Tegernsee zu Ende. Die International Rotary Big Band unter Leitung des renommierten Jazztrompeters Thomas Siffling und mit der großartigen Sängerin Nicole Metzger riss das Publikum zu tosendem Beifall hin. Und nicht nur das.
Denn Thomas Siffling verstand es mit seiner mitreißenden Moderation sogar, einige wenige Zuhörende zum Tanzen zu bewegen, Mitwippen indes war nach kürzester Zeit im ganzen Saal der Tenne in Gut Kaltenbrunn zu beobachten. Jazz, so sagte der Dirigent und Trompeter, sei eine emotionale Sache und alles, was heute im Saal geschehe, bleibe im Saal. Man dürfe und solle durchaus „Yeah“ oder „Alright“ rufen.
Das Gastkonzert des Rotary Clubs Tegernsee als Benefizveranstaltung brachte neue Klänge in das Musikfest. Präsident Jörg Blume erklärte, es sei eine Premiere für seinen Club, ein Konzert auszurichten. Die 2018 gegründete Band mit Musikern aus aller Herren Länder würden ehrenamtlich auftreten. Der Erlös ginge an die Musikschule Tegernseer Tal, dessen Leiter Erich Kogler unter den Gästen saß. Dafür sollten Leihinstrumente für Kinder angeschafft werden, die keine eigenen Instrumente zur Verfügung haben.

Die vier Saxofonisten in „In a Mellow Tone“. Foto: Petra Kurbjuhn
Schon mit ihrem ersten Titel „One More Once“ von Michel Camilo zeigte die International Rotary Big Band, wohin die Reise ging. Im ersten Teil waren es insbesondere klassische Big Band-Arrangements aus den dreißiger und vierziger Jahren, die von den Musikerinnen und Musikern in echtem amerikanischen Sound und in brillantem Zusammenspiel mit Soli der Bläser, aber auch Drums dargeboten wurden.
Hommage an Richetta Manager
Im zweiten Stück „In a Mellow Tone“ kam der originale Duke Ellington-Sound zum Tragen und vier Saxofonisten begeisterten mit ihrer Soloeinlage.
Mit einer Uraufführung und einem musikalischen Nachruf gedachte die Band an Richetta Manager. Die Hommage an die verstorbene Opern- und Jazzsängerin sollte zeigen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sei. Die Eigenkomposition, zunächst getragen, dann aber sehr rhythmisch, leitete über zur neuen Sängerin.

Nicole Metzger. Foto: Petra Kurbjuhn
Mit Nicole Metzger hat die Band eine Jazzsängerin der ersten Liga aufzuweisen. Ihre warme, melodische und modulationsfähige Stimme hüllt das Publikum nachgerade ein. Wenn sie „Schau mich bitte nicht so an“ singt, dann überzeugt sie nicht nur durch die Perfektion ihres Gesangs, sondern auch durch ihre Ausstrahlung. Nicole Metzger beherrscht den Liedvortrag ebenso gekonnt wie den Scat-Gesang. Ihre Stimme, auch in „I wish You“ von Gloria Estefan, wird zum Instrument und sie tritt in den Dialog mit den Bandmitglieder.

Jazztrompeter Thomas Siffling. Foto: Petra Kurbjuhn
Jetzt greift auch Thomas Siffling zur Trompete. Er gilt als einer der besten Jazztrompeter Deutschlands, ist ein ebenso begnadeter Entertainer und fordert jetzt das Publikum zum Tanzen auf, wenn die Band einen Cha-Cha-Cha spielt. Und tatsächlich, einige wenige trauen sich. „In der Pause springen wir alle in den Tegernsee“ schlägt Thomas Siffing vor und fragt nach der Pause „Wie ist die Stimmung?“, ist allerdings erst im dritten Anlauf mit der Lautstärke zufrieden.
Mit „One by One“ von Wyne Shorter und “Ms Garvey” geht es jetzt mehr in Richtung moderner grooviger Arrangements. Ein Dialog zwischen Posaunistin und Saxofon führt zu begeistertem Mitklatschen des Publikums.

Posaunistin und Saxofonist. Foto: Petra Kurbjuhne
Seine musikalische Exzellenz beweist Jazztrompeter Thomas Siffling in „Walking Tiptoe“. Nur im Dialog mit dem Drummer startet das Stück und die band gesellt sich erst in der zweiten Hälfte dazu. Virtuos, brillant der Trompeter und mit starkem Beifall belohnt.
Auch im zweiten Teil des Abends begeistert Nicole Metzger mit ihrer Stimme und Ausstrahlung. Ob Scat-Gesang oder Hildegard Knef, die Sängerin reißt das Publikum zu Riesenapplaus und Fußgetrampel hin. Und alle wippen mit bei Cole Porters „Let‘s Do It“ oder “Sei mal verliebt“.

Nicole Metzger mit starkem Ausdruck. Foto: Petra Kurbjuhn
Bevor sich die International Rotary Big Band mit „Feeling Good“ verabschiedet, betont Thomas Siffling, dass sie gern wieder an den Tegernsee kommen und er sagt: „Kultur ist ein zartes Pflänzchen, das erhalten werden muss.“ Er forderte dazu auf, immer wieder Live-Veranstaltungen zu erleben und Emotionen zu spüren, Kultur in aller Vielfalt zu pflegen.
Natürlich entließ das Publikum die Musikerinnen und Musiker nicht ohne Zugabe. Und so gab es den Knef-Song „Für mich soll’s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten.“ Und das Publikum sang mit.

. Schlussapplaus. Foto: Petra Kurbjuhn
„Fever“ war letztlich der Rausschmeißer, von Nicole Metzger leidenschaftlich und bravourös interpretiert.
Zum Weiterlesen: Cecilia Bartoli beim 37. Internationalen Musikfest