Verspielte Räume

Die Künstlerinnen Lina Zylla (Deutschland) und Judit Lilla Molnár (Ungarn) bei einer Soundperformance zur Ausstellungseröffnung im Schafhof – Europäisches Kunstforum Oberbayern. Foto: Dirk Daniel Mann

Ausstellung im Schafhof in Freising

Der Schafhof – Europäisches Kunstforum Oberbayern in Freising zeigt aktuell die Kunstschau „SpielRäume“. Sie ist als Tandemausstellung in Zusammenarbeit von Lina Zylla aus Oberbayern und Judit Lilla Molnár aus Ungarn entstanden – mal quietschbunt, mal philosophisch, doch auf allen Ebenen spielerisch.

Idyllisch und ein wenig versteckt am Stadtrand auf einem Hügel zwischen weitläufigen Ländereien gelegen, liegt das denkmalgeschützte Gebäude von 1819/20. Damals als Winterquartier für die Merinoschafherde von Max I. Joseph erbaut und zwischenzeitlich als landwirtschaftliches Versuchsgut der nahen Universität Weihenstephan sowie als Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums genutzt, weht seit 2005 ein etwas anderer Wind in Haus und Hof: In diesem Jahr erfolgte die Einweihung des Europäischen Kunstforums Oberbayern (damals noch Europäisches Künstlerhaus).


Der Freisinger Schafhof um 1850. Historische Abbildung aus dem Freisinger Stadtarchiv.. Foto: Stadtarchiv Freising

Zeitgenössische Kunst-Oase im Herzen von Oberbayern

Ein ehemaliger Schafhof umgeben von Natur als Ort für zeitgenössische Kunst, und auch noch international? Spätestens beim Eintreten in das Gebäude vergisst man die Schafe, befindet man sich doch inmitten der großzügigen und hellen Galerie des Europäischen Kunstforums. Bei der Sanierung und Renovierung des Hauses wurde höchst sorgsam vorgegangen. Alte Elemente wurden hervorgehoben anstatt sie „totzurenovieren“, sodass nun moderne, aber warm-einladende Räume zur Geltung kommen.


Seit 2005 ist der Schafhof ein Ort für zeitgenössische Kunst und kulturellen Austausch in idyllischer Lage. Foto: Zoltán Kerekes

Wohnen und Arbeiten im Museum – als Artist in Residence

Der Schafhof – Europäisches Kunstforum Oberbayern ist nicht nur eine museale Einrichtung des Bezirks Oberbayern, sondern bietet auch mit drei vollausgestatteten Kunstapartments eine ideale Infrastruktur für Kunstresidenzen (Art Residencies). Dabei kommen ausgewählte Gastkunstschaffende aus aktuell sechs Partnerinstitutionen in ganz Europa für einen ein- bis dreimonatigen Aufenthalt zum Schafhof, um dort ihre kreative Praxis weiterzuentwickeln, neue Techniken auszuprobieren und sich in der lokalen Kunstszene zu vernetzen. Gleichzeitig prämiert eine Fachjury oberbayerische Künstlerinnen und Künstler, die dann beruflich mit einem Stipendium in eines der Gastländer reisen können.


Auch Judit Lilla Molnár war 2023 als Artist in Residence am Europäischen Kunstforum zu Gast. Foto: Dirk Daniel Mann

It’s a match!

Zwei dieser Stipendiatinnen waren 2023 die ungarische Künstlerin Judit Lilla Molnár und 2024 Lina Zylla aus München, die als Artist in Residence zwei Monate beim Salzamt in Linz neue Erfahrungen sammeln durfte. Das Format der jährlichen Tandemausstellungen knüpft nun an das Residenzprogramm des Bezirks Oberbayern an, indem beide eingeladen wurden, mehrere Wochen am Schafhof zu verbringen und dabei zusammen eine Ausstellung zu konzipieren. Das Konzept glückt nun schon zum dritten Mal, wie Lina Zylla kommentiert: „Wir haben uns von Anfang an super verstanden, sowohl künstlerisch als auch zwischenmenschlich.“


Bearbeitetes Glas ist nur eines vieler interessanter Materialien der Installationen von Lina Zylla. Foto: Dirk Daniel Mann

Gemeinsame kreative Arbeit

Für die aktuelle Ausstellung ist die Fläche durch eine kreuzförmige Wandinstallation in vier Abschnitte gegliedert, sodass beide Künstlerinnen viel Raum für die eigene Arbeit einnehmen können. Die äußeren Wandabschnitte wurden hingegen zusammen „bespielt“. Eike Berg, Leiter des Kunstforums, erklärt: „Die Tandemausstellungen entstehen nicht allein als Präsentation fertiger Werke, sondern als gemeinsamer Prozess zur Vertiefung des europäischen Austauschs. Begegnungen mit Besuchenden – analog wie digital – sind dabei ausdrücklich Teil des Konzepts.“ Dies ist beispielsweise zur Finissage am 06. September 2026 um 16.00 Uhr möglich, wenn Judit Lilla Molnár und Lina Zylla bei einer Künstlerinnenführung im Dialog mit den Besuchenden ihre Werke präsentieren.


Akkurat: Molnár beim Ausstellungsaufbau. Foto: Isabel Sophie Oberländer

SpielRäume – Ein Konzept, das aufgeht

Die Ausstellung SpielRäume findet im Rahmen des Jahresthemas Spiel und Zufall statt. Der Fokus liegt auf spontanen, offenen und experimentellen Momenten, die im künstlerischen Austausch entstehen. Judit Lilla Molnár und Lina Zylla greifen diesen Gedanken auf unterschiedliche Weise auf und entwickeln daraus einen vielschichtigen Dialog zwischen Raum, Material, Wahrnehmung und gesellschaftlicher Reflexion. Es entsteht ein spannendes Wechselspiel, in dem sich die Kunstwerke gegenseitig ergänzen oder sogar ihre Wirkung untereinander verstärken. Viele der Elemente laden zum Mitmachen ein, etwa die glücksradhafte Drehscheibe mit Interpretationen zu Judit Lilla Molnars Kunstwerk Zero-sum game oder eine überdimensionale, gemeinsam von den Künstlerinnen gemalte Version des Snakes and Ladders-Spiel.


Die Künstlerinnen haben spontan mit Snakes and Ladders einen ganz eigenen SpielRaum für die Besuchenden geschaffen. Foto: Dirk Daniel Mann

Der Schafhof – Europäisches Kunstforum Oberbayern hat im Sommer immer mittwochs bis samstags von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Regelmäßig finden dort Veranstaltungen statt, etwa Open Studios mit den aktuellen Gastkünstlern des Residenzprogramms am Schafhof, Sotiris Ioannied (Zypern) und Danya Pilchen (Niederlande), am 19. Juli 2026 um 16.00 Uhr. Weitere Informationen sind auf der Homepage des Schafhofs abrufbar.

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