
„Nichts bleibt, alles wandelt sich“
Bernd Zimmer und Andreas Kuhnlein. Foto: Petra Kurbjuhn
Ausstellung in München
Mit diesen Worten beendete Laudatorin Katja Sebald ihre Einführung in eine außergewöhnliche Ausstellung zweier hochkarätiger Künstler. Maler Bernd Zimmer und Bildhauer Andreas Kuhnlein haben beim oberflächlichen Hinschauen keine Gemeinsamkeiten in ihrem Werk, diese offenbaren sich erst beim genauen Hinschauen.
Dies ist in dem feinen, kleinen Atelier Wild in München möglich, das von Corina Becker und Hans Leeb geführt wird. Es ist das Haus des Künstlers Ernst Wild, dessen Werk im Obergeschoss besichtigt werden kann, während in den Räumen des Erdgeschosses Wechselausstellungen stattfinden.

Bernd Zimmer, Andreas Kuhnlein, Hans Leeb und Corina Becker (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn
Die Kunsthistorikerin und Journalistin hatte sich im ehemaligen Atelier neben der „Laudatorin“ von Andreas Kuhnlein platziert und arbeitete zunächst Parallelen und Unterschiede im Leben der beiden Künstler heraus. Andreas Kuhnlein, der beim Bundesgrenzschutz an der innerdeutschen Grenze tätig war und Bernd Zimmer, der im geteilten Berlin die Kunstszene mit den Jungen Wilden aufmischte.
Während der Maler intensiv die Welt bereiste, blieb indes der Bildhauer liebend gern in seinem Unterwössen am Lindenbichl. Dort ist er mit seiner Kettensäge am Werk, um seine einzigartigen Holzskulpturen zu fertigen.

Dreibein und Reflexion über Starfall IV. Foto: Petra Kurbjuhn
Sie erzählen von Streben und Scheitern, Schein und Sein, Leben und Tod, Macht und Ohnmacht, immer von der Verletzlichkeit des Menschen, der Vergänglichkeit und letztlich davon, was den Menschen ausmacht.
Im Atelier Wild begrüßt die Besuchenden die Arbeit „Erwartung“, eine Schwangere, sowie „Einblick“, der Blick in den Spiegel. In selbstverliebter Pose kommt „Narziß“ daher, während der „Stellvertreter“ Macht und Vergänglichkeit gleichermaßen symbolisiert.

Insel. Onega. Spiegelung II und Einblick. Foto: Petra Kurbjuhn
Der „Held“ im Atelier weist links, wo das Herz ist, ein großes Loch auf, ihm schräg gegenüber hat der Künstler einen Christuskopf platziert. Auch der „Sieger“ im Garten zeigt Spuren der Verletzbarkeit trotz seiner knieenden Siegespose mit Pokal.
Andreas Kuhnlein würde sein Innerstes nach außen kehren, betonte Katja Sebald, während Bernd Zimmer von sich sage, dass er bei seiner Arbeit auf sich zurückgeworfen werde. Er male, was er liebe, fremde Kulturen und die Natur.

Sieger. Foto: Petra Kurbjuhn
Im Atelier Wild, wo er bereits zum dritten Mal ausstellt, zeigt er eingangs zwei Bilder in Gelbtönen, aus den die flirrende Wüstenhitze herausströmt, in denen aber auch in Schwarz Bäume angedeutet sind.
Die Bäume seien es, so sagt Andreas Kuhnlein, die ihn in den Bildern von Bernd Zimmer so angesprochen hätten. „Wir haben dasselbe Thema“ meint er, die Verneigung vor der Schöpfung, nennt es Katja Sebald.

Narziß, Zwischen Bäumen (3), Unter Bäumen (6) und macht und Vergänglichkeit – Stellvertreter. Foto: Petra Kurbjuhn
Bernd Zimmer male Bäume als Alter Ego des Menschen, Bäume wie sie miteinander kommunizieren. In seiner Serie „Wandel“, die den Hauptteil der Ausstellung ausmacht, zeige der Künstler, was von Malerei übrigbleibt, wenn eine Landschaft immer wieder übermalt werde, mit Orange. Zunächst sind die grünen Blätter und Stämme noch auszumachen, dann aber verschwinden das Grün und das Braun immer mehr bis am Ende nur noch ein dünnes Ästchen, wie ein Riss, übrigbleibt. In jedem Bild sei der Kreislauf von der Geburt bis zum Tod nachvollziehbar, sagt die Laudatorin.

Wandel (7), Held, Ast über…, Wandel 4, Laudatorin. Foto: Petra Kurbjuhn
Im Übrigen habe Bernd Zimmer selbst die Landschaft verändert, indem er die Künstlersäulenhalle STOA 169 initiierte, an der über 100 Künstler aus aller Welt beteiligt sind, erwähnte Katja Sebald.

Laudatorin Katja Bebald und „Laudatorin“. Foto: Petra Kurbjuhn
Der Reiz der Begegnung der beiden Künstler liege darin, dass auch in Andreas Kuhnleins Schaffen der Baum im Zentrum stehe. Allerdings der tote Baum, denn der Bildhauer verwendet ausschließlich Totholz für seine Skulpturen. Er sagt, dass der Baum viele Parallelen zum Menschen zeige. Eine Baumscheibe weise die guten und schlechten Jahre im Leben des Baums auf, ebenso habe der Mensch gute und schlechte Tage, also symbolisiere der Baum die Verletzbarkeit des Menschen und seinen Anfang und sein Ende. „Nichts bleibt, alles wandelt sich.“
Zum Weiterlesen: Andreas Kuhnlein in der 45. Ausgabe der KulturBegegnungen, Seite 23