Geldgier und verbotene Liebe

Harpagon (Jochen Geipel), Titelheld der Komödie „Der Geizige“ von Molière, als fieser Geizkragen. Foto: Marc Tügel

Theater im Valleyer Schlossbräu

Ein ekelhafter Pfennigfuchser, zwei Liebespaare, ein vergrabener Schatz und ein Familiengeheimnis sind die Zutaten, aus denen Molières Komödie „Der Geizige“ zusammengemixt ist. Viel Wortwitz und liebevoll inszenierte Slapstick-Einlagen sorgten bei der Premiere für Lachsalven im Publikum.

Geiz ist geil! – Den Werbespruch einer Elektronikfirma könnte schon Molière im Kopf gehabt haben, als er vor über 350 Jahren seine Komödie „Der Geizige“ zu Papier brachte und damit den Sparfüchsen in der Pariser Gesellschaft einen wunderbar ironischen Spiegel vorhielt. Viel hat sich seitdem nicht geändert, und so konnte sich die Theatergruppe Dramadama, die das Stück nun im Saal des Valleyer Schlossbräu aufführt, weitgehend an die Originalvorlage halten. Dass die Inszenierung dennoch alles andere als verstaubt wirkt, ist in erster Linie der liebevollen Detailarbeit der Regisseurin Lydia Starkulla zu verdanken.


Die unglücklich verliebten Geschwister Cléante (Florian Gutberlet) und Elise (Katharina Antonin). Foto: Marc Tügel

Schon die Idee zum „Bühnenbild“ ist originell: Eine Bühne gibt es nicht, das Publikum sitzt rundum entlang der Wände, und ein paar Requisiten, die an einzelne Zuschauer verteilt werden, reichen, um das Szenario darzustellen. Ein paar Blumen deuten den Rosengarten an, ein Apfel in Zuschauerhand kann später vom Baum gepflückt werden, und – wichtig für den Fortgang der Handlung – ein Stück Stoff unter dem Stuhl eines großgewachsenen Zuschauers wird zur Erde zwischen den Wurzeln einer Eiche, in der Harpagon seinen Geldschatz vergräbt.

Vergrabener Schatz unterm Zuschauerstuhl

Die Handlung ist schnell erklärt: Der krankhaft sparsame Harpagon (Jochen Geipel als überzeugender Miesepeter) hat einen Sohn und eine Tochter, beide verliebt, aber chancenlos, vom Vater eine Heiratseinwilligung zu bekommen, denn für den zählt nur, dass er seiner Elise (Katharina Antonin) keine Mitgift spendieren muss und sein Sohn Cléante (Florian Gutberlet) mit der Hochzeit natürlich ein möglichst großes Vermögen ins Haus bringt.


La Flèche (Anja Erbricht), der pfiffige Diener und Räuber des vergrabenen Schatzes. Foto: Marc Tügel

Auch die Angestellten leiden unter dem irrwitzigen Sparzwang des Hausherrn. Valère (Korbinian Kloiber), der Geliebte von Elise, der sich als Diener eingeschlichen hat, wird ständig verdächtigt, im Haus etwas gestohlen zu haben, und die Kutscherin (Andrea Beier), die zwecks Personaleinsparung auch noch als Köchin arbeiten und damit ständig die Kostüme wechseln muss, darf nicht einmal den Pferden genügend Futter geben.


Auf Schmusekurs mit Harpagon: die Heiratsvermittlerin Frosine (Veronika Leo). Foto: Marc Tügel

Mit im Spiel sind noch das arme Mädchen Marianne (Anna Zuckermaier, herrlich schmachtend), die Geliebte von Cléante, auf die Harpagon aber selbst ein Auge geworfen hat, der reiche Geschäftsmann Anselme (Michael Werner mit überzeugendem Wandel vom steifen Geschäftsmann zum liebenden Vater), dem Harpagon gerne seine Tochter zur Frau geben würde, die Heiratsvermittlerin Frosine (Veronika Leo, die fürs Geschäft alle Register zieht) verkauft ihre Seele für eine Provision, und La Flèche (Anja Erbricht, komödiantisches Supertalent in einer Hosenrolle), Cléantes Diener, der seinem Herrn helfen will, den Geldschatz unter der Eichenwurzel stiehlt und nur zur Rückgabe bereit ist, wenn Harpagon die Heiratswünsche seiner Kinder erfüllt.


Tot geglaubt und wieder vereint: Anselme (Michael Werner, Mitte) mit seinen Kindern Marianne (Anna Zuckermaier, links) und Valére (Korbinian Kloiber). Foto: Marc Tügel

Als der wütende Harpagon und La Flèche aufeinander losgehen, erscheint Anselme, und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Eine an Wunder grenzende Familienzusammenführung und ein spendabler Sponsor der anstehenden Hochzeiten machen sogar den raffgierigen Harpagon noch zufrieden. Riesiger Schlussapplaus!

Taschenspielertricks mit einem Apfel

So launig das Stück schon vom Text her ist, das große Verdienst dieser Inszenierung liegt in der Feinarbeit der Regie mit den durchweg überzeugenden Darstellern. Wenn La Flèche den Apfel vom Baum stiehlt und ihn bei der anschließenden Durchsuchung von Harpagon mit Taschenspielertricks so lange verschwinden lässt, bis der Geizhals die Geduld verliert, wenn der verzweifelte Hausherr beim Festmahl versucht, jeden Zugriff der Gäste auf die leckeren Speisen zu verhindern und die Köchin/Kutscherin ihn mit ihren gänzlich unnötigen Kostümwechseln zur Weißglut bringt, dann jubelt das Publikum, und die jüngsten Zuschauer sind kaum auf den Sitzen zu halten.
Und ganz nebenbei darf jeder im Saal auch noch ungeachtet der verrückten Wendungen in dem Stück einen Blick auf sich selbst werfen. Denn wenn Harpagon den Theaterabend mit den Worten „Ich liebe Dich, mein Geld“ beendet, dann hat das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Weitere Vorstellungen finden am 12., 17., 18., 19. 24. und 27. Juli statt, an den Werktagen jeweils um 20.00 Uhr, sonntags um 18.00 Uhr. Karten können per E-Mail (karten@dramadama.de) oder telefonisch unter 0177 57 43 123 bestellt werden. Mehr Details sind auf der Homepage von Dramadama zu finden (Link).

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