Achim Sperber

Kurzgeschichten in Schwarz-Weiß

London 1975, Auf der Bank. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in Gmund

Eine bemerkenswerte Ausstellung ist derzeit im Jagerhaus in Gmund noch bis zum 3. August zu sehen. Der renommierte Hamburger Fotograf Achim Sperber zeigt Streetphotographie aus den Metropolen dieser Welt und erzählt damit berührende Geschichten der Menschen.

Es ist Uwe Göbel zu verdanken, dem Künstler und Designer aus Rottach-Egern, der als Professor für Visuelle Kommunikation an der Uni Bielefeld lehrte und sich nach seiner Emeritierung als Beirat bei den Heimatfreunden Gmund engagiert, dass Achim Sperber seine Arbeiten in Gmund präsentiert.

Lesetipp: Uwe Göbel in der 44. Ausgabe der KulturBegegnungen

Sie sind ein Zeitzeugnis aus 50 Jahren Streetphotographie und zugleich ein Beispiel für ein Genre, das es so aus rechtlichen Gründen heute nicht mehr gibt.

Schade, umso mehr Bedeutung haben diese 44 Arbeiten, die Achim Sperber in New York, London, Paris, Shanghai, Havanna, Dubai, Sydney und Stränden in den USA und der Ostsee fertigte. Sie führen den Betrachtenden spiegelbildlich in die Veränderungen der vergangenen fünfzig Jahre. Ob Architektur, Mode, Arbeit, Freizeitverhalten oder Verhalten im öffentlichen Raum, der Fotoarchivar erzählt Geschichte und Geschichten gleichermaßen.

Mosaik von China

Achim Sperber hat seine Ausstellung in sechs Kategorien entsprechend der Räumlichkeiten im Jagerhaus eingeteilt und startet mit „In der Bahn“. Humorvoll das „Warten auf Weihnachten“: Eine junge Frau in Nikolauskostüm mit Geige und Hula-Hupp-Reifen. Mobiltelefon und Buch halten sich die Waage beim Interesse der Reisenden in der New Yorker Bahn.

Ein Mosaikbild fertigt Achim Sperber von China, wo der den dick beladenen Wanderarbeiter ebenso wie den pausierenden Arbeiter, auf den Säcken fläzend beobachtet hat. Oder strahlende Gesichter beim Tangotanzen sowie verordnetes Lachen bei der Maidemonstration gegenüberstellt. Ob Frühstück, Kochen oder Haarewaschen, das alles spielt sich in Shanghai auf der Straße ab. Und die Oma wird im Kinderwagen transportiert, während das Kind nebenherläuft.

Achim Sperber
Havanna 2015. Es lebe die Partei. Foto: Petra Kurbjuhn

In Havanna traf Achim Sperber die eleganten weißen Witwen neben den eher uneleganten Prostituierten. Der satirische Titel „Es lebe die Partei“ passt so gar nicht zu dem ärmlichen ausgemergelten Paar. Lustig indes, wie Kinder einen Palmwedel als Spielgerät benutzen und wie Doppelgänger von Fidel Castro salutiert.

Dubai zeichnet der Fotograf in seinen Gegensätzen. Zum einen die drei Frauen in schwarzer Kleidung mit ihrem weiß gewandeten Herrn, zum anderen den armen Straßenfeger im Sand vor den Wolkenkratzern.


New York 1977. o.T.. Foto: Petra Kurbjuhn

In New York gelang Achim Sperber eine Momentaufnahme: Ein alter Mann mit einem Gehgestell trifft auf einen Mann mit Krückstock exakt vor einem Schuhgeschäft. Bei der berühmten Steubenparade fotografiert er einen müden Veteranen mit Zigarette und trifft auf eine Gang vor einem brennenden Abfallkorb.


London, 1978. Hirschmensch. Foto: Petra Kurbjuhn

Witzig ist der Mann mit dem Hirschkopf, der durch London spaziert. Und in Großformat die beiden Frauen mit ihren Schoßhündchen auf der Bank, 1975 entdeckt und an der hochgetürmten Frisur und der Sonnenbrille der rechten deutlich erkennbar, während die linke, eher unscheinbare, wohl gern ein Gespräch eröffnen würde, sich aber nicht recht traut.

Achim Sperber
Havanna 2015. Foto: Petra Kurbjuhn

Frederic Chopin in Bronze trifft in Havanna auf einen eher an dem Komponisten uninteressierten Mann, vielleicht ein Tourist, während Chopin schon auf ein Gespräch aus wäre.


Paris 2002. o.T. Foto: Petra Kurbjuhn

Ob das ältere Paar auf der Bank in Paris verheiratet ist, wird nicht klar. Sie sitzen in großem Abstand auf der Bank, jeder ist in seine Zeitung vertieft, Interesse aneinander scheint nicht zu bestehen. Die Serie „Auf der Bank“ ist im Flur zu sehen und zeigt die vielen Möglichkeiten, wie sich Menschen auf einer Bank begegnen können.

Richtiger Blick zur richtigen Zeit

Achim Sperber ergänzt seine Beobachtungen und Dokumentationen in den Metropolen dieser Welt mit Fotografie am Strand und hat auch hier Typisches eingefangen. Da ist die Familie Neptun mit Dreizack auf Coney Island, eine am Strand ruhende Gesellschaft, eine Badende mit Badekappe, die eine Dusche in Gang setzen will, oder der Nackte von hinten am FKK-Strand der Ostsee.

Es macht große Freude, diese Ausstellung zu betrachten, die dahinter liegenden Geschichten zu entdecken und weiterzuspinnen. Da gibt es keinen Voyeurismus, sondern es ist reine Dokumentation gepaart mit dem richtigen Blick zur richtigen Zeit.

Die Ausstellung „Achim Sperber Streetphotography 1975-2025″ im Jagerhaus Gmund ist bis zum 3. August freitags, sonntags und montags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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