
Bayerischer Asterix in Aying
Der Kelte Peter Kratzer, der Interpret Alexander Brunner und Centurio Daniel Rasch (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn
Theater in Aying
Ein heiteres Spektakel mit Tiefgang schrieb und inszenierte Marcus Everding mit „Das Wirtshaus an der Via Julia“ für die Theatergruppe der Ayinger Gmoa Kultur, in der auch Schauspieler aus dem Landkreis Miesbach mitwirken. Die Premiere geriet zu einem großen Erfolg.

Die Wächterbuben begrüßen die Gäste. Foto: Petra Kurbjuhn
Mit einem riesigen Aufwand hatten die Ehrenamtlichen den Veranstaltungsort, den Brauereistadel in Aying, zu einem Kastell umgebaut. Vom Eingangstor mit den zwei Türmen begrüßten zwei jugendliche Turmwachen der AGK YoungStage die Gäste. Im Kastellgelände gab es reichlich Bewirtung an mehreren Ständen.
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Schon hier demonstrierten die Ayinger, was ein Dorf zusammenhält. Und genau das war auch eines der Themen der Komödie. Zunächst aber begrüßte 2. Vorstand Sophie Pacini alle Ehrengäste auf lateinisch und begründete, warum in diesem Jahr nach bisher sehr ernsten Themen eine Komödie zu sehen ist. „In unserer Zeit gibt es wenig Gelegenheit zum Lachen.“ Das Stück sei eine Zeitreise zurück zu Römern und Kelten, und „wir sind das Ergebnis unserer Geschichte“.

Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger. Foto: Petra Kurbjuhn
Das Thema gemeinschaftliches Engagement für die Kultur griff Schirmherr Thomas Schwarzenberger, Bezirkstagspräsident von Oberbayern in seinem Grußwort auf. „Kultur bringt Menschen zusammen und lebt von Menschen“, sagte er.
Ob es das Kastell bei Aying wirklich gegeben hat, ist noch nicht gesichert, wird aber anhand von Luftbildern vermutet. Belegt aber ist die Via Julia, die von Augsburg nach Salzburg führte. Dies war der Hintergrund für Marcus Everding, der seit 2004 für die Ayinger Gmoa Kultur Theaterstücke schreibt und inszeniert, immer verknüpft mit einer historischen Geschichte.

Autor und Regisseur Marcus Everding. Foto: Petra Kurbjuhn
Jetzt also lässt er Kelten und Römer an der Via Julia aufeinandertreffen, wie weiland die Gallier auf die Römer bei Asterix. In Bayern aber, so Marcus Everding, muss ein Wirtshaus im Mittelpunkt stehen. Und schon ist die Beziehung zur Gegenwart hergestellt, aber nicht nur über das Bier.
Denn heute gibt es dieselben Probleme wie damals, die Jugend wandert aus den Dörfern ab, der Nachwuchs fehlt, es gibt Intrigen, Machthunger, politische Spielchen, aber eben auch Liebe und Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft.

Alexander Brunner als Interpret. Foto: Petra Kurbjuhn
Aus all dem hat der Autor eine spannende und witzige Geschichte gestrickt, in der die Protagonisten psychologisch sehr unterschiedliche Charaktere vertreten und in der er immer wieder Bezüge zur Gegenwart herstellt, die das Publikum zu Lachstürmen hinreißt.
Dieses wird von Anfang an durch den Interpreten einbezogen und muss lautstark eine lateinische Begrüßung exerzieren. Alexander Brunner im Trachtenanzug versteht es, mit Charme, Witz und Eloquenz die Geschichte zusammenzuhalten und die Übergänge der Szenen zu erläutern.

Hubert Deflorin als Druide Mistelmo. Foto: Petra Kurbjuhn
So also geht es zunächst zu den Kelten. Zu den Problemen im Keltendorf äußert sich über die Anrufung der Götter der Druide Mistelmo. Der keltische Miraculix wird köstlich von Hubert Deflorin gespielt. Die Götter waren nicht gerade zimperlich und ließen ihn sagen: „Geheirat muss werden, gevögelt muss werden.“
Nur leider geht diese einfache Variante für Nachwuchs zu sorgen schief, der auserwählte Bursche will lieber Legionär als sesshaft werden. Und dann ist da noch der intrigante Wannikant, überzeugend in seiner List und Geschäftemacherei Peter Kratzer.

Bei den Römern. Foto: Petra Kurbjuhn
Aber nicht nur bei den Kelten, auch bei den Römern knirscht es. Von Erpressung und Menschenhandel, von Geldgeschäften bis zu Grundstücksmauscheleien geht es und der Interpret verkündet folgerichtig: „Die Kostüme ändern sich, aber nicht die Menschen.“ Da braut sich also ein ordentlicher Konflikt zusammen.
Ein Sündenbabel?
In einer dritten Ebene tauchen nun drei römische Touristen auf, zwei Frauen und ein Reiseschriftsteller, die es in die Provinz verschlagen hat und die Quartier bei den Kelten nehmen. Was es mit dem uralten Fluch auf sich hat, ob das vorbereitete Zimmer zur Nachwuchssorge einen Erfolg haben wird und ob aus dem Dorf nun wirklich mit dem Wirtshaus ein Sündenbabel entsteht, so wie Guadsamma Regina Deflorin D’Souza vermutet, das wird vor der Pause nicht geklärt.
Die elf Kelten mit ganz wundersamen Namen und die sechs Römer spielen ihre Rollen voller Engagement und Leidenschaft, die Inszenierung ist flott und voller unterhaltsamer Momente. Dazu dient sowohl der vom Interpreten immer passend auf- und zugezogene Vorhang ebenso wie eingestreute Lieder, etwa nach der italienischen Melodie „Finiculi, Funicula.“

Daniel Rasch als Centurio. Foto: Petra Kurbjuhn
Nachdem die Geschichte mit der Krise spannungsreich aufgeladen ist, kann der Centurio in der zweiten Hälfte seinen Plan, ein Kastell zu bauen, umsetzen. Ganz genau plant Daniel Rasch in seiner Rüstung etwa wo die Latrine hinkommen soll, exakt ins Publikum hinein.

Szene bei den Kelten. Foto: Petra Kurbjuhn
Ob und wie sich die Verwicklungen bei den Römern und Kelten auflösen und ob ein Happy End auch in Sachen Liebe und Nachwuchs für das Dorf zu erwarten ist, ob die Wirtsleute ihr Wirtshaus und Brauerei bekommen, das soll nicht verraten werden. Nur so viel, dass das Spektakel nicht nur einen heiteren Abend mit Witz und Spannung sowie vielen gelungenen Details verspricht, sondern dass mit dem Stück und allen so leidenschaftlich agierenden Mitwirkenden ein mögliches Stück Geschichte von Marcus Everding auf die Bühne gebracht wurde.

Schlussapplaus. Foto: Petra Kurbjuhn
Die Premiere endete mit verdienten Standing Ovations, denn die Inszenierung begeisterte von der ersten bis zur letzten Minute.
Neben den bereits genannten Mitwirkenden waren folgende Laienschauspieler auf der Bühne: Paula Stadler, Erich Leiter, Marinus Eder, Melanie Wolke, Johanna Straßmair, Markus Stahuber, Martin Neumair, Daniela Scheuenstuhl, Lisa Huber, Martin Buschmeier, Patrick Messow und Alexander Kloß.