
„Ansichtssache“ im Heustadl
Die Initiatoren des Kunstprojektes Agnes Wieser, Felix Walter „Chief Motley“ (links) und Sandro „Antik“ Thomas. Foto: Marc Tügel
Ausstellung in Kleinhöhenkirchen
Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Wahrnehmungswelt. Aber ist das, was wir mit eigenen Sinnen aufnehmen, wirklich immer die Wahrheit? Mit der Ausstellung „Ansichtssache“ wollen uns die 13 beteiligten Künstler für den schmalen Grad zwischen absoluter und relativer Realität sensibilisieren.
„Das habe ich mit eigenen Augen gesehen“ – so versichert man gerne, um zu betonen, dass man die absolute Wahrheit sagt. Aber reicht die eigene Wahrnehmung aus, um eine absolute Wahrheit festzustellen? Und selbst wenn man etwas für wahr hält, ist es dann für alle anderen genauso Realität?
Solche Fragen gingen vor einem Jahr der Künstlerin Agnes Wieser durch den Kopf, die in dem Dorf Kleinhöhenkirchen wohnt und arbeitet. Aus den Gedanken, die gut in unsere Zeit der Fake News und Desinformation passen, wuchs die Idee zu einer Kunstausstellung.
Heustadl von den Eltern
Sie erzählte zwei Freunden davon, dem Bildhauer und Street Art-Künstler Sandro „Antik“ Thomas und dem Architekten, Bauträger und Rapper Felix Walter „Chief Motley“. Beide sagten sofort begeistert ihre Mitarbeit zu, und auch eine passende Location war schnell gefunden: Die Eltern von Agnes Wieser hatten kurz zuvor ihren Bauernhof aufgegeben, die letzten Nutztiere weggegeben und gaben dem Drängen der Tochter nach, den ehemaligen Heustadl für das Projekt zur Verfügung zu stellen.
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Rätselhafte Botschaft, gestaltet von Bernd Engelhardt, hinterm Lichtvorhang. Foto: Marc Tügel
Das ehrwürdige Gebäude im Ortskern öffnet nun, am 12. September (Vernissage ab 18 Uhr), sein schweres Tor in buchstäblich ganz neuem Licht. Die Besucher werden von einer glitzernden Spiegel-Nana empfangen, durchlaufen dann eine Art „Geburtskanal“ aus schwarzen Molton-Vorhängen – und schon ist nichts mehr so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Bilder, mal mit Schwarzlicht, mal von pulsierenden Scheinwerfern oder wechselnden Farben beleuchtet, verändern Ausdruck und Inhalt, Objekte erscheinen dreidimensional, sind aber nicht zu greifen, Texte, mal gesprayt, mal Kalligraphie, dokumentieren Widersprüche.

Bilderschau zwischen historischen Dachbalken. Foto: Marc Tügel
Dann öffnet sich der Raum wieder zur Heustadl-Dimension, und die mächtigen Balken des jahrhundertealten Dachstuhls werden zu gigantischen Bilderrahmen. Ein riesiger Drachen schlägt seine Krallen beim Erklimmen der Seitenwand in das Holz, es gibt eine virtuelle Ballonfahrt, und als Hommage an den früheren Zweck des Gebäudes erscheint in einem tiefen Loch im Boden ein goldenes Kalb – mehr soll nicht verraten werden, um den hoffentlich zahlreichen Besuchern die Überraschungseffekte nicht vorwegzunehmen.

Drachen (Plastik von Barbara Bertram) an der Stadlwand. Foto: Marc Tügel
Insgesamt 13 Künstler, fast alle aus der nächsten Umgebung, haben sich an der großartigen Performance beteiligt.
Vielfältiges Kulturprogramm
Ergänzt wird die Ausstellung von einem Kulturprogramm bis zum 4. Oktober, das mit Musik, Vorträgen, Kabarett und einem Schreibprojekt die Thematik unter immer neuen Aspekten aufgreift. Alle Details dazu stehen in einem Flyer, der von der Website der Initiatorin als PDF heruntergeladen werden kann.
Am Ausgang der Ausstellung hat die Künstlerin einen großen Spiegel aufgestellt und erklärt dazu: „Wenn unsere Besucher sich dort buchstäblich von Angesicht zu Angesicht begegnen und dabei fragen: Wer bin eigentlich ICH? Und wie gehe ich mit der Wahrheit mir selbst und anderen gegenüber um? Dann hat unser Projekt hier seinen Sinn ganz und gar erfüllt.“
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