Ning Ning, Andreas Knobl, Tierporträts, Kreissparkasse Miesbach

Ning Ning und Andreas Knobl: Tierisch gut!

Ning Ning und Andreas Knobl in der Kreissparkasse Miesbach. Foto: CS

Vernissage in Miesbach

Die Kreissparkasse Miesbach zeigt derzeit Werke des in Lenggries lebenden Malerpaares Ning Ning und Andreas Knobl. Beide teilen die Vorliebe für Tierporträts – und das Talent für malerische Finesse. 

Große dunkle Augen fixieren den Betrachter. Mit langen Wimpern, die mit ganz feinen Pinselstrichen gemalt sind. So fein, dass man sie, wenn sie echt wären, nicht mal mit einer Pinzette greifen könnte. Mit nahezu fotografischer Präzision malt die chinesische Künstlerin Ning Ning Porträts von Kühen, die, abgesehen von bewusst eingesetzten Verfremdungseffekten, so real wirken, als stünden sie vor einem auf der Weide.

Ning Ning, Ausstellung, Kreissparkasse Miesbach, 2026
Ning Ning: „Im Sessel“. Foto: CS

„Ich habe vor 15 Jahren mit Tierporträts angefangen“, sagt die gebürtige Chinesin aus Shenyang, die seit 2009 in Deutschland lebt. Gerade Kühe gehören zu ihren Kindheitserinnerungen, da ihr Großvater einen Großbetrieb mit über 20.000 Tieren hatte. Als studierte Veterinärmedizinerin kennt sie sich sowieso mit der Anatomie der Tiere aus. Aber das Interesse und auch ihr Talent, sie fast lebensecht zu malen, wurden ihr in die Wiege gelegt: „Ich komme aus einer Künstlerfamilie, meine Großmutter war Kunstprofessorin an der Uni“, erzählt sie. Die Technik etwa hätte sie von ihr gelernt.

Ning Ning: Elemente der naiven Malerei

Dennoch geht es Ning Ning nicht darum, technisch perfekt zu sein. Zwar fotografiere sie die Tiere, die sie in ihrer Wahlheimat Lenggries quasi vor der Haustür trifft, doch sie „richtig“ zu malen, gelänge ihr gar nicht: „Ich kriege beispielsweise das Fell gar nicht hin“, sagt sie. Das sei aber auch in Ordnung, denn sie wolle bewusst auch Elemente der naiven Malerei in ihre Arbeit belassen. „Akademisch geschulte Maler malen perfekt“, so die Künstlerin. Doch die akademische Malerei sei auch ein Korsett und verhindere das Intuitive bzw. sich wie ein Kind der Darstellung eines Motivs zu nähern.

Ning Ning, Andreas Knobl, Ausstellung, Kreissparkasse Miesbach, 2026
Ning Ning: „Die mim Huad di san guad“. Foto: CS

Um das Naive in ihrer Malerei zu akzentuieren, verwendet sie zusätzlich bestimmte Stilmittel und vermenschlicht die Tiere: So setzt sie ihnen Hüte mit Gamsbärten auf, platziert sie auf einem Thron, lässt sie auf einem Milchkarton trinken oder eine Zigarre rauchen. Zu ihrem tierischen Repertoire gehören aber nicht nur Kühe, sie malt auch Hirsche, Schafe und Ziegen in diesem Stil – und ihren Hund Coco, dem auch ein Bild in der Ausstellung gewidmet ist.

Lesetipp: Andreas Knobl – Menschliche Typen auf die andere Art

Ganz wichtig bei ihrer Umsetzung sei ihr immer, mit den Augen der Tiere zu beginnen. „Wenn ich damit nicht anfange, weiß ich gar nicht, in welche Richtung mein Bild geht“, sagt sie. Das unterscheide sie auch von der Kunst ihres Partners, Andreas Knobl, der immer mit den Details anfange.

Andreas Knobl: vom Porzellanmaler zur freien Malerei

Als gelernter Porzellanmaler, der in der Meißner Porzellanmanufaktur ausgebildet wurde und dort als Miniatur- und Landschaftsmaler arbeitete, beherrscht Andreas Knobl die Technik der gegenständlichen Malerei perfekt. Nach seiner Flucht aus der DDR heuerte er bei der Nymphenburger Porzellanmanufaktur an, gründete kurze Zeit später sein eigenes Atelier in Lenggries und fertigte eigene Kollektionen sowie Auftragsarbeiten für Porzellanmanufakturen und Schmuckdesigner an. Er veröffentlichte Bücher über die Porzellanmalerei und startete eine weltweite Unterrichtstätigkeit, die er auch heute noch in seinem Studio in Lenggries anbietet.

Der freien Malerei in großen Formaten widmet er sich aber schon seit 20 Jahren. Aktuell zeigt er etwa in der Galerie Orange in Tegernsee unter dem Titel „Welcome to the opera“ seine Vogelserie: in leuchtenden Farben gemalte Hühnervögel, deren Mimik und Posen eine erstaunliche Ausdruckskraft entfalten und Drama auf die Bildfläche zaubern – wie in der Oper eben.

Von Charakteren und Typen fasziniert

„Mit Tieren kann man so viel darstellen“, sagt der passionierte Maler, der von Charakteren und Typen fasziniert ist. Neben seinen Tierporträts will er künftig auch menschliche Porträts anfertigen: „Da bin ich aber noch auf der Suche nach anderen Darstellungsmöglichkeiten“, sagt er. Normale Porträts interessierten ihn in der Malerei nicht. Auch wenn er für seine Schmuckdesigns mit extrem feinen Pinselstrichen Miniatur-Porträts von König Ludwig oder Kaiserin Sissi auf acht Millimeter breite Porzellanmedaillons malt.

Andreas Knobl, Gegen den Strom, Kreissparkasse Miesbach, Ausstellung
Andreas Knobl: „Against the current“. Foto: CS

Ein sehr eindrückliches Bild in der Miesbacher Schau ist ein Fisch-Bild, das den Titel „Against the current“ trägt. Es zeigt einen großen roten Fisch, der gegen den Strom seiner Artgenossen schwimmt. „Es geht hier um die Stärke, so zu sein, wie man ist“, sagt Andreas Knobl über die inhaltliche Ebene seines Gemäldes.

Politisch gesehen hätte dieses Bild auch etwas Biografisches, bestätigt er: „Ich bin als junger Mensch aus der DDR geflüchtet, weil ich nicht wollte, dass ich mit 50 Jahren nicht meine Meinung frei sagen kann“, erzählt er. Umso schlimmer sei, dass die freie Meinungsäußerung heute wieder vielerorts massiv in Gefahr sei. „Das schockiert mich“, sagt er und regt den Betrachter zum Nachdenken an.

Die Schau mit den Werken von Ning Ning und Andreas Knobl ist noch bis zum 16. Oktober 2026 im ersten Stock der Kreissparkasse Miesbach zu den regulären Öffnungszeiten der Bank zu sehen. Mehr Info zu den beiden Künstlern unter www.knobl-art.com

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