
Sie ist wieder da
Jessica Iwanson stellt bei den Lenggrieser Kunstwochen eigene Arbeiten aus. Zudem ist ihre chorepografische Miniatur „Bewegte Bilder“ zu sehen. Foto: Nils Schwarz
Jessica Iwanson bei den Lenggrieser Kunstwochen
Am kommenden Freitag beginnen die Lenggrieser Kunstwochen. Mit dabei ist in diesem Jahr Jessica Iwanson, die weltbekannte schwedische Tänzerin, Choreografin und Künstlerin. Im Interview spricht sie über Schweden, Tanzkunst – und woher sie die Inspiration zu Ihrer Arbeit nimmt.
Geboren in Schweden lebt Jessica Iwanson seit über 50 Jahren in Bayern, zeitweise auch in Weyarn. In München gründete die 78-jährige die Iwanson Dance Company und die Tanz-Akademie Iwanson International. Ehemalige Schüler sind heute in der ganzen Welt als Tänzer unterwegs oder haben eigene Tanzschulen. Jessica Iwanson gilt als eine der prägenden Figuren der Tanzkunst, wofür ihr die Stadt München mehrere Preise verlieh. Heute ist sie als Malerin tätig und arbeitet zugleich als Gastchoreographin an Häusern in Dänemark und Finnland, als Balettdirektorin in Norwegen und als künstlerische Leiterin am Riksteatern in Schweden. Mit ihrem Mann Stefan Sixt leitet sie die Iwanson-Sixt-Stiftung, die begabte Tänzer fördert.
Tanzkunst aus Schweden und Bayern
KulturVision:
In der Ankündigung der Lenggrieser Kunstwochen lesen wir, dass Jessica Iwanson wieder da sei. Wo waren Sie denn davor?
Jessica Iwanson:
(lacht) Ich teile meine Zeit zwischen Schweden und Deutschland auf und lebe mehrere Monate im Jahr auf der Schäreninsel Sandhamn bei Stockholm. Da ist es wunderschön und wild, viele meiner Bilder beschäftigen sich mit der dortigen Natur. Als meine Heimat empfinde ich aber Bayern, wo ich mit meinem Mann lebe und auch etwas mehr Zeit als in Schweden verbringe. Zudem ist die Tanzszene hier ist sehr vielfältig. Man kennt sich, es ist wie eine große Familie. Für die Kunstwochen in Lenggries habe ich wieder eine Choreografie entwickelt und freue mich, sie aufzuführen.
Kulturvision:
Sie gelten als eine der prägenden Figuren der Tanzkunst in Deutschland. Was ist Tanzkunst eigentlich?
Jessica Iwanson:
Es ist Kunst in Bewegung. Deshalb heißt mein Stück für die Kunstwochen ja auch „Bewegte Bilder“. Früher gab es eigentlich nur das klassische Ballett. Als ich 1973 nach München kam, brachte ich dann aus Schweden und aus New York den „Modern Dance“ nach München und Deutschland. Das war damals nicht so leicht, das zu etablieren. Heute sagen wir „zeitgenössischer Tanz“, aber wie gesagt, es ist einfach Kunst in der Bewegung. Wenn man sonst von Tanz spricht, meint man meist Gesellschaftstanz, Discotanz und dergleichen. Aber der künstlerische Bühnentanz ist, wie früher beim Ballett, eine inszenierte Aufführung, bei der jeder Schritt, jede Bewegung inszeniert und festgelegt ist.
(Bewegte) Bilder in Lenggries
KulturVision:
Neben ihrer Arbeit als Choreografin sind Sie auch als Malerin und Filmemacherin tätig. Woher stammen die Ideen zu Ihren Arbeiten?
Jessica Iwanson:
Viel Inspiration zu meinen Bildern ziehe ich aus der schwedischen Natur. In den Bildern, die in Lenggries zu sehen sind, ist daher viel schwedisches Licht. Ideen finde ich tatsächlich auch in alltäglichen Begegnungen, wenn Menschen sich treffen und wieder verabschieden. Da gibt es Energie, die ich in meiner Choreografie umsetze. In dem Filmprojekt, das auch in Lenggries gezeigt wird, werden Personen aus Edward Hoppers Bildern lebendig, sie treten aus den Bildern heraus. Der Film wurde für das schwedische Fernsehen gemacht und ist auch auf Arte und 3Sat gelaufen.
KulturVision:
Und was erwartet die Besucher der Kunstwochen bei ihrer Choreografie, die den Titel „Bewegte Bilder“ trägt?
Jessica Iwanson:
Es handelt sich um acht szenische Bilder, kurze Szenen von etwa drei Minuten. Dabei geht es poetisch zu, auch lustig, es gibt viel Energie und Bewegung. Die vier Tänzer werden alle von der Iwanson-Sixt-Stiftung gefördert und machen das wunderbar. Es geht mir darum, Menschen den Zugang zur Tanzkunst zu ermöglichen, die sonst vielleicht wenig Berührung damit haben. Das war immer mein Ansatz, auch in der Zeit, als ich in München die Schulen leitete und etwa am Marienplatz Aufführungen gemacht habe.