Viktor Tertychnyy

Die Farben meiner Seele

Viktor Tertychnyy vor „Der Hauch des sonnigen Sommers“. Foto: MZ

Ausstellung in Holzkirchen

Mit der aktuellen Ausstellung im Foyer präsentiert das KULTUR im Oberbräu einen ukrainischen Künstler, der mit seinen Bildern Schönheit, Mut, Neuanfang und Optimismus verbreitet. Viktor Tertychnyy malt Natur und Blumen in lichten Farben und äußert damit seine Gefühle in der neuen Heimat.

Es ist die dritte, dann Viktor Tertychnyy floh bereits 2014 vor dem Krieg in der Ostukraine mit seiner Frau Olga Krupko aus Lugansk nach Charkiv. Der studierte Maschinenbauingenieur begann mit dem Zeichnen und Malen. Insbesondere ließ er sich von der Verdienten Volkskünstlerin der Ukraine Tamara Vakulenko die Petrykiwka-Malerei einführen, die von der UNESCO als immaterielles Erbe der Ukraine eingetragen ist. Ein Bild aus dieser Technik ist auch in Holzkirchen zu sehen.


„Feuervogel in Petrykivka-Blumen“. Foto: MZ

Als der Angriffskrieg Putins am 24. Februar 2022 begann und Charkiw bombardiert wurde, flüchtete das Ehepaar erneut. Beide Söhne hatten in Deutschland studiert und der ältere, Mykola, lebte mit seiner Familie in Otterfing, wo die Eltern zunächst unterkamen.

Jetzt begann Viktor Tertychnyy sich intensiv mit Malerei auseinander zu setzen und beteiligte sich an der jährlichen Otterfinger Kunstausstellung.

Lesetipp: Lugansk – Charkiv – Otterfing

Sie freue sich sehr, dass nun die Bilder des Otterfinger Malers im Kulturhaus gezeigt werden können, sagte Geschäftsführerin Veronika Leo und dankte Kuratorin Lizzie Hladik für die sorgfältige Auswahl und Hängung. „Blumen wirken aufhellend und stressreduzierend“, erklärte sie und die Farben gäben Antriebskraft. „In diesen Bildern sind viele Geschichten des Lebens enthalten“, betonte sie und die Ausstellung vermittle die Kraft der Kunst.


Viktor Tertychnyy mit Veronika Leo und Lizzie Hladik. Foto: MZ

Sohn Mykola Tertychnyy, ebenso Maschinenbauingenieur aus Otterfing, erzählte von seinen persönlichen Eindrücken, die die Bilder seines Vaters bei ihm auslösen. Sein normales Leben bestehe daraus, am Handy schnell von Bild zu Bild zu springen. Und dann komme er in ein ganz anderes Leben bei seinen Eltern. „Diese Bilder springen nicht“, sagte er. Er sei sehr dankbar, dass sein Vater den Weg in die Malerei gefunden habe, in Bilder, die nicht weglaufen und so hoffe er, dass sie auch die Betrachter, ebenso wie ihn, bereichern.


Mykola Tertychnyy. Foto: MZ

Viktor Tertychnyy erklärte, dass er in Otterfing eine neue Kultur kennengelernt und viel neue Ideen entdeckt habe. Er gehe am liebsten in die Natur und fotografiere. Anhand der Fotos male er dann in Acryl und Öl auf Leinwand und Karton. Diese Bilder drückten seine Gefühle aus.


„Seerosen: sonniger Tag“. Foto: MZ

Betritt man das Foyer, fällt sofort das Bild an der Stirnseite auf, „die Monet-Ecke“ nennt sie Lizzie Hladik. Und in der Tat erinnern die Bilder an die berühmten Seerosenbilder von Claude Monet. Und hier will sich auch Viktor Tertychniy fotografieren lassen.

Viktor Tertychnyy
„Blaue Proteen, ecrufarben Gerbera“ und „Blaue Schwerkraft“. Foto: MZ

Die meisten Bilder zeigen Blumen. Unterschiedliche Blumen, es sind Gerbera, Rosen, Hibiskus oder Sommerblumen. Sie alle sind von großer Zartheit und Verletzlichkeit. Der Künstler erklärt: „Sie blühen meist nur für eine kurze Dauer und im Winter vermissen wir ihre Farben und ihren Duft. Meine Bilder helfen, die Erinnerung an diese kostbaren Momente lebendig zu erhalten.“


„Farbige Meeresregatta“ und „Unter geleben Segeln“. Foto: MZ

Er malt aber auch Landschaften, wie den Blick aus seinem Zimmer oder Segelboote. Gleich am Eingang rechts ist ein Diptychon in dunkeln Farben zu sehen, das aus dem Rahmen fällt. Der „Abendcocktail“ zeigt eine Frau von hinten, die am Fenster mit einem Glas in die Ferne schaut.


„Abendcocktail“. Foto: MZ

Allen Bildern ist gemeinsam, dass sie mit feinsten Pinselstrichen gefertigt sind und somit durch Sujet, Farbe und Technik Zartheit vermitteln. Mit ihrer Leichtigkeit und Farbenkraft können sie dem Betrachter Lebensfreude geben, auch weil sie nicht wegwischbar sind.


Annemarie Hagn und Olga Krupko. Foto: MZ

Zur Vernissage gab es Musik, die viel mehr war als nur Untermalung. Ehefrau und studierte Pianistin Olga Krupko am Klavier und Lokalmatadorin Annemarie Hagn spielten Musik aus aller Welt. Als Motto könnte das von Annemarie Hagn gesungene Lied „Ich danke dem Leben“ dienen. Und bei „Que sera sera“ sangen und wippten alle mit, kleine Kinder tanzten. Zur Lebensfreude der Bilder gesellte sich die Lebensfreude der Musik. Am Ende sangen die ukrainischen Gäste voller Inbrunst heimatliche Lieder, bewegend.

Die Ausstellung ist im KULTUR im Oberbräu noch bis zum 24. September 2026 zu den Öffnungszeiten wie Theaterkasse: MI 10-12 Uhr, DO-FR 19-20 Uhr sowie während der Tages-/Abendkasse (1 Stunde vor Beginn der Veranstaltungen) zu sehen.

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