Festival der ARD-Preisträger

Beim Konzert der Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD musizierten junge Nachwuchsmusiker am Beginn ihrer Karriere, hier Liya Wang am Klavier und Samueol Park (Bariton). Foto: Marcus Vitolo

In der Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ traten im Seeforum in Rottach-Egern Elad Navon (Klarinette), Samueol Park (Bariton), Liya Wang (Klavier), Ionel Ungureanu (Viola) und Alexander Warenberg (Violoncello) auf. Diese fünf jungen Musiker, am Beginn ihrer Karriere und Preisträger des internationalen Musikwettbewerbs der ARD, spielten ein wohlklingendes Programm durch verschiedene Zeiten der Musikgeschichte.

Charme des mozartschen Trios

Klarinette, Viola und Klavier ließen die friedliche Atmosphäre Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) „Kegelstatt“-Trio Es-Dur, KV 498 erklingen. Elad Navon, Liya Wang und Ionel Ungureanu tauchten in die Klänge dieses delikaten, eher heiteren, wenn auch mal ernsten Werkes sensibel ein, durchlebten die raschen Empfindungswechsel und brachten dem Publikum die besondere Klangkombination ihres Ensembles raffiniert nahe. Ob bei freundschaftlichem Beisammensein in Gesprächen oder beim Kegel- und oder Billardspiel entstanden, ist nicht sicher nachzuweisen, doch ein Band der Freundschaft leuchtet durch diese gelöste, intime Musik in jedem Fall.

ARD-Preisträgerkonzert: Vergessene Lieder, wiederentdeckte Kleinode

Von Wiens großer Liedtradition geprägt, schrieb Hans Gál (1890–1987) schon als Jugendlicher etwa 100 Lieder, die er aber später alle vernichtete. Nach 1910 schuf er zahlreiche weitere Werke, welche, die fünf Lieder aus op. 33 ausgenommen, lange Zeit nicht veröffentlicht wurden. Gál, von den Nazis verfolgt und geflohen, entwickelte eine ganz eigene Sprache, die sich von der Beschäftigung mit der Wiener Klassik, angereichert mit Ausdruck und auch kontrapunktischer Arbeit, herleitet, und welche die Linie des Kunstliedes von Franz Schubert und Robert Schumann über Johannes Brahms und Hugo Wolf verlängert. Liya Wang, Klavier und Samueol Park, Bariton widmeten sich mit Einfühlsamkeit und großer Musikalität den Fünf Melodien für Bariton und Klavier (op. 33): „Vergängliches“, „Der Wiesenbach“, „Vöglein Schwermut“,“Drei Prinzessinnen“ und „Abend auf dem Fluss“. Der Klavierpart schmiegte sich um die Gesangsstimme herum und gemeinsam loteten die beiden Musiker Gáls an Richard Strauss erinnernde Farben und Nuancen sensibel aus.


Die Preisträgerinnen und Preisträger aus dem Jahr 2025 (v.l.n.r.): Hongyi Jiang, Raphaël Horrach, Elias Ackerley, Elad Navon, Liya Wang, Robin Paillet, Sandro Hirsch, Jiwon Yang, Lev Zhuravskii. Foto: Daniel Delang

Zu selten gehörte Komponistinnen

Als Tochter einer jüdischen Mutter erhielt Henriette Bosmans (1895-1952) im Mai 1940 ein Berufs- und Auftrittsverbot und konnte in den besetzten Niederlanden nur noch heimlich auftreten. Unter ihren Kompositionen finden sich Orchesterwerke, Konzerte, Lieder, Kammer-, Cello- und Klaviermusik. Von der niederländischen Komponistin erklangen mit Alexander Warenberg am Violoncello und Liya Wang am Klavier zwei der „Trois Impressions“. Magisch dahingleitend „Nuit calme“, eine Musik in der man das Zirpen der Zikaden, die laue Luft und den sternenklaren Himmel zu spüren schien. Noch mediterraner wurde es mit dem bewegteren „En Espagne“, mit brillantem Klavierspiel und vitalem, sprühenden Cello-Einsatz.

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Brillante Meisterwerke

Rebecca Clarke (1886-1979) geboren im britischen Harrow und in New York gestorben, war eine Viola-Virtuosin und eine begabte Komponistin. Ihr Oeuvre ist mit 90 Werken schmal, doch fast alle Stücke sind brillant und temperamentvoll. Herausragend ihr Piano Trio und ihre Viola Sonata, die inzwischen als Meisterwerke gelten. Eines ihrer letzten Werke, das Prelude, Allegro und Pastorale für Klarinette und Viola, spielten Elad Navon und Ionel Ungureanu. Den hier vorherrschenden friedlichen Charakter, von nachdenklich bis spielerisch wild, hervorhebend und die Zweisamkeit der Instrumentenfarben gestalteten sie treffend.

Schuberts klingende Weisung

Sein mahnendes Lied „Grenzen der Menschheit“ beeindruckte mit Liya Wang (Klavier) und Samueol Park (Bariton). Eindringlich und feierlich würdevoll nahmen sie den Anfang, begleiteten in lyrischer Fülle klanglich treffend die Worte Johann Wolfang von Goethes, den Ehrgeiz der Menschen in gute Wege zu leiten und warnend auf die Kürze des Lebens hinweisend.


Elad Navon (Klarinette), Liya Wang (Klavier) und Alexander Warenberg (Cello) spielen Alexander von Zemlinskys Trio d-Moll op. 3. Foto: Marcus Vitolo

Zemlinsky Gefühlsbrausen

Nach sanftem Beginn von Klarinette und Cello kontrastiert das Klavier scharf – das ist der Einstieg in den ersten Satz von Alexander von Zemlinskys Trio d-Moll op.3. Die sich nun immer dramatischer steigernde Musik kulminiert in fast orchestralem Klang. Elad Navon, Liya Wang und Alexander Warenberg folgten den Emotionsstürmen, entspannten im chromatischen Melos des Andante und seiner warmherzigen Klangschönheit, und erfreuten sich des kapriziös perlenden, flott bewegten Finale Allegro.

Das nächste Konzert in der Reihe „Podium für junge Solisten“ findet am Sonntag, den 21. Juni 2026 im Barocksaal im Gymnasium Tegernsee statt. Beginn ist um 19.00 Uhr.

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