Martin Walker

Bruno in der Bredouille – Martin Walker begeistert am Tegernsee

Martin Walker mit dem Originaltitel „An Enemy in the Village“. Foto: Marion Siblewski

Lesung in Rottach-Egern

„Kann es sein, dass Sie, Herr Walker, sich nicht ganz sicher sind, was Sie hier am Tegernsee erwartet?“ Mit dieser augenzwinkernden Frage eröffnete Sonja Still am vergangenen Freitagabend die Lesung „Bredouille“. Zugleich verwies sie nicht ohne Stolz auf die lange literarische Tradition der Region und die zahlreichen Kriminalromane, die rund um den Tegernsee entstanden sind.

Den bekannten schottischen Politik- und Wirtschaftsjournalisten sowie Bestsellerautor Martin Walker schien diese Frage nicht zu verunsichern. Der weitgereiste Schriftsteller, der zwischen Washington und dem malerischen Périgord im Südwesten Frankreichs lebt, ist Liebhaber besonderer Orte und kultureller Begegnungen. Dennoch zeigte er sich sichtlich beeindruckt vom stilvollen Ambiente des Hotels „Überfahrt“ am Malerwinkel in Rottach-Egern, wo rund 80 Gäste zur zweisprachigen Lesung erschienen waren.

Mit charmanter Selbstironie gewann Walker sein Publikum schnell für sich

Er erzählte, vor langer Zeit in der Schule Deutsch gelernt zu haben, schwärmte von Brechts „Dreigroschenoper“ und bekannte sich ebenso begeistert zu den „Toten Hosen“. Diese sympathisch-bodenständige Mischung aus Weltläufigkeit und Nahbarkeit öffnete sofort die Türen zu einem Abend, der Literatur, Atmosphäre und Persönlichkeit auf besondere Weise verband.

Die deutschen Textpassagen übernahm Caroline Ebner – Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und selbst Krimiautorin. Sie verlieh den Auszügen aus „Bredouille“ eine eindringliche Stimme, während Martin Walker im Wechsel aus dem englischen Original („An Enemy in the Village“) las, das 2025 in London erschien.

Martin Walker
Caroline Ebner und Martin Walker. Foto: Marion Siblewski

Beide entführten mit ruhiger Lebendigkeit ihr Publikum in die Welt des Périgord – in jene südwestfranzösische Region, die Walker seit Jahren literarisch inspiriert und in der Genuss und Geheimnisse oft dicht beieinander liegen. Dort spielt auch der neueste Fall seines beliebten Ermittlers Bruno, Chef de Police von Saint-Denis.

Im klirrend kalten Dezembermorgen des Vézère-Tals entdeckt Bruno auf einem Rastplatz an einem malerischen Aussichtspunkt einen geparkten Peugeot 508. Im Wagen sitzt Monique Duhamel – erfolgreiche Unternehmerin, angesehen und beliebt – tot auf dem Fahrersitz. Neben ihr liegen drei Abschiedsbriefe: adressiert an ihre Anwältin Maître Rebecca Weil, an ihre Geschäftspartnerin Laura Segret sowie an ihren Ehemann Dominic Ensingen.

Alles deutet zunächst auf Suizid hin. Doch Bruno, der sensible Dorfpolizist mit feinem Gespür für Zwischentöne, beginnt zu zweifeln. Warum war die Beifahrertür unverschlossen? Weshalb gerät eine selbstbewusste Frau nach einer Fehlgeburt in eine so tiefe Krise? Zu vieles scheint nicht zusammenzupassen.

Während Bruno diskret zu ermitteln beginnt, verändert sich zugleich die Stimmung in Saint-Denis. Innerhalb der Gendarmerie kursieren schwerwiegende Gerüchte, Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe stehen im Raum. Ein junger, überheblicher Polizist – zugleich Neffe eines einflussreichen Generals – gerät ins Zentrum der Vorwürfe. Für Bruno wird der Fall zunehmend zur persönlichen Belastungsprobe: Plötzlich steht sogar seine eigene Position auf dem Spiel.
Bruno steckt in der „Bredouille“ – oder auf Deutsch: in der Klemme.


Büchertisch See-Buchhandlung Rottach-Egern, Nördliche Hauptstraße 21, Rottach Egern. Foto: Marion Siblewski

Doch zum Glück steht ihm die kluge Verwaltungsassistentin Colette zur Seite. Und auch Laura Segret, Moniques Kollegin, bringt gemeinsam mit ihrer Basset-Hündin „George Sand“ Wärme und Leichtigkeit in die Geschichte. Zwischen ihr und Bruno entwickelt sich eine ebenso zarte wie glaubwürdige Liebesgeschichte.

Martin Walker bleibt sich mit seinem neuen Roman treu. Er erzählt nicht im rasenden Takt klassischer Spannungsliteratur, sondern in der entschleunigten, sensiblen Tonlage, die seine Bruno-Reihe seit 18 Jahren prägt. Das südfranzösische Dorfleben erscheint mit all seinen Verflechtungen, Konflikten, Verletzungen und menschlichen Interessen – und selbstverständlich kommt auch die kulinarische Eleganz nicht zu kurz.

Dass diese Leidenschaft authentisch ist, wurde an diesem Abend ebenfalls deutlich. Zum Abschied verriet Martin Walker, dass er begeisterter Koch ist und gute Lebensmittel für ihn dabei elementar sind. Wer seine Romane kennt, dürfte daran keinen Zweifel haben.

Martin Walker: Bredouille. Der achtzehnte Fall für Bruno Chef de Police, 2026 Diogenes, ISBN-13 978-3-257-07384-3. Vorschau – nächste Autorenlesung in der „Überfahrt“ mit Vea Kaiser aus ihrem Buch „Fabula Rasa“ am 28. September 2026 ab 17.30 h.

Zum Weiterlesen: „Der Tegernsee lebt noch in mir“

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