Uta trifft Nina im Naumburger Dom

Jürgen Sieker: „Uta trifft Nina“. Foto: Petra Kurbjuhn

Unterwegs im Osten Deutschlands, Teil 4

Im vierten und letzten Teil unserer Reisereportage nehmen wir Sie wieder zu überraschenden Entdeckungen mit, im Kloster Lehnin und im Naumburger Dom. Und wir sind uns sicher, die Kultur im Osten Deutschlands ist nicht nur in der Vergangenheit, sondern ebenso in der Gegenwart eine Reise wert.

Lesetipp: „Die Stadt des Anstosses“

Auch wenn wir am Klostersee Lehnin tagelang einfach nur hätten dasitzen können, raffen wir uns auf und gehen am See durch Kiefernwälder entlang zum Kloster. Wir finden eine große Anlage aus alten und neuen Gebäuden vor, in denen Leben herrscht.

Kloster Lehnin
Ein FrauenOrt: Kloster Lehnin. Foto: Petra Kurbjuhn

Das 1180 gegründete Zistersienserkloster ist heute fest in der Hand von Frauen. Seit fast 100 Jahren ist es ein Mutterhaus der Diakonissinnen und diese nutzen die Anlage heute in vielfältiger sozialer Weise.

Romanisch-gotische Backstein-Baukunst

Die Vergangenheit indes bietet sich uns hier in Form der romanisch-gotischen Backstein-Baukunst in wahrlich überwältigender Art dar. Klosterkirche, Königshaus und Kornspeicher sind die gut erhaltenen Zeugnisse der mittelalterlichen Architektur.

Kloster Lehnin
Im Hof von Kloster Lehnin. Foto: Petra Kurbjuhn

Im barocken Amtshaus ist das Museum untergebracht. Zeitgenössische Kunst wird dem Besucher durch das Institut für Kunst und Kultur e.V. geboten, das nicht nur eine Galerie betreibt, sondern auch einen Skulpturenpark ähnlich wie TOBELs Skulptur Lichtung eingerichtet hat.

Lesetipp: Eintritt in eine andere Welt

Theodor Fontane widmet dem Kloster Lehnin in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg einen längeren Text und spricht davon, dass es eigentlich eine gotische Stadt gewesen sei. Bei seinem Besuch 1863 allerdings bot sich ihm nach der Zerstörung ein trauriges Bild. Und doch schreibt der Dichter von Poesie, von Verbindung von Altem und Neuen, von Kultur und Natur.

Bei Albert Einstein zu Gast

Bevor wir das Havelland Richtung Süden verlassen, müssen wir noch Caputh einen Besuch abstatten. Das alte Fischerdorf ist nicht nur durch Schloss und Kirche sehenswert, sondern auch, weil hier Albert Einstein sein Sommerhaus hatte. Vier Jahre lang konnte er es nutzen. Nach der Machtergreifung Hitlers aber kehrte der jüdische Physiker nicht von einer USA-Reise nach Deutschland zurück. Das Haus ist seit 2005 renoviert und kann besichtigt werden.

Naumburg Markt
Marktplatz von Naumburg. Foto: Petra Kurbjuhn

Wir haben erfahren, dass seit wenigen Tagen der Naumburger Dom wieder für Besucher geöffnet hat. Seit über 40 Jahren war ich nicht hier und würde gern Erinnerungen bei Uta und Ekkehard auffrischen. So fahren wir vom Berliner Ring stracks die Autobahn nach Süden.

Naumburger Dom
Buchpult im Ostchor. Foto: Petra Kurbjuhn

Mit strikten Anweisungen infolge Corona dürfen wir den Dom, ein UNESCO-Welterbestätte, betreten. Durch das Hauptportal gelangen wir in die Krypta mit dem romanischen Kruzifix und in den Ostchor mit den Buchpulten und den riesigen Chorbuch-Faksimile.

Ekkehard und Uta
Die Stifterfiguren Ekkehard und Uta. Foto: Petra Kurbjuhn

Durch das Langhaus mit der Lutherfigur an der Kanzel kommen wir zum Westchor, wo die weltberühmten 12 Stifterfiguren aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zu bewundern sind. Der namentlich unbekannte Naumburger Meister schuf die naturalistischen Skulpturen aus Sandstein. Bemerkenswert ist, dass jede Figur eine unverwechselbare Identität besitzt, Uta streng, Reglindis lächelnd.

Uta trifft Nina
Jürgen Sieker: Armin Müller-Stahl im Dialog. Foto: Petra Kurbjuhn

Beeindruckt gehen wir durch den Kreuzgang, schenken uns den Domschatz und wollen die Marienkirche, die Winterkirche der Gemeinde passieren, als wir auf eine fantastische Ausstellung stoßen. Hier hat der Fotograf Jürgen Sieker einen Dialog von Alt und Neu inszeniert.

Uta trifft Nina
Jürgen Sieker: Michail Gorbatschow im Austausch. Foto: Petra Kurbjuhn

Er konfrontiert fotografische Porträts der Stifterfiguren mit Prominentenporträts der heutigen Zeit. Dabei verdeutlicht er die Lebendigkeit der Menschen der damaligen Zeit und setzt diese ins Verhältnis zu heute. Die Ähnlichkeit von Gestik und Mimik ist verblüffend.

Uta trifft Nina
Jürgen Sieker: Robert Habeck im Dialog. Foto: Petra Kurbjuhn

Wenn also Uta Nina Hagen trifft. Oder Bud Spencer Reglindis. Auch Armin-Müller-Stahl, Willy Brandt, Michail Gorbatschow; Naomi Campbell oder Robert Habeck treffen auf mittelalterliche Gesichter und demonstrieren die Wesensmerkmale des Menschseins. Daran hat sich in vielen Jahrhunderten nichts geändert.

Uta trifft Nina
Jürgen Sieker: Willy Brandt im Austausch. Foto: Petra Kurbjuhn

Die Ausstellung ist der Höhepunkt unserer Reise, unerwartet, zufällig entdeckt. Die Erkenntnis ist klar: Im Osten Deutschlands tut sich eine Menge in Sachen Kultur, neben der Historie ist die moderne Kultur allerorten mehr als sehenswert.


Die Rudelsburg. Foto: Petra Kurbjuhn

Wir beschließen diese Entdeckungsreise mit einer Fahrt durch die Weinregion Saale-Unstrut in Bad Kösen, trinken einen Gutedel, eine alte Rebsorte, und werfen einen Blick auf die Burgen im Saaletal, Burg Saaleck und die Rudelsburg. Hierher sollte man noch einmal zurückkehren.

DDR-Reiseatlas
Die Reiseunterlagen sind parat. Foto: Petra Kurbjuhn

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