
Der Kunstpreis Artus und die Freiheit der Kunst
Katrin Hoerner (links) mit den drei Gewinnerinnen des Artus Kunstpreises (Mitte), der von der Münchner Künstlerin Anni Rieck gestaltet wurde: Eva Lensing (Platz 2), Anne Winkler (Platz 1) und Gerlinde Mair-Heinschink (Platz 3). Foto: Kunstakademie EigenArt
Akademiefest und Kunstpreisverleihung in Bad Heilbrunn
Am 1. Mai feierte die Akademie EigenArt in Bad Heilbrunn ihr 15-jähriges Bestehen und die Verleihung des Kunstpreises Artus. Bei schönstem Wetter versammelten sich zahlreiche Kunstinteressierte und Kunstschaffende in der historischen Parkvilla im Kurpark, um den Feierlichkeiten beizuwohnen – und die ausgestellten Werke der Dozentinnen und Dozenten zu sehen.
Kunst an den Wänden, auf Sockeln, Tischen und Staffeleien. Beim Akademiefest am ersten Mai zeigte die Akademie EigenArt in ihren Räumlichkeiten der Parkvilla in Bad Heilbrunn die ganze künstlerische Bandbreite ihrer Dozentinnen und Dozenten: abstrakte, farbstarke Gemälde von Petra Schott, skulpturale Objekte von Ines Seidel, Drahtarbeiten und Skulpturen von Anni Rieck, Drucke von Gabriele Lampadius, Stillleben von Elina Deberdeeva, Urban Sketches von Hans-Christian Sanladerer bis hin zu Landschafts-Aquarellen von Michael Bajer. „Unsere Dozentinnen und Dozenten stehen für künstlerische Qualität, fachliche Vielfalt und langjährige Erfahrung in der Lehre“, sagt Akademiebetreiberin Katrin Hoerner gegenüber KulturVision.

Die Akademie EigenArt zeigte anlässlich der Feierlichkeiten auch die Werke ihrer Dozentinnen und Dozenten: Im Bild die Skulptur der Münchner Künstlerin Anni Rieck (Mitte) und ein großformatiges Gemälde von Angelika Sieger (rechts). Foto: CS
Schönere Räumlichkeiten könnten sich weder die Lehrenden der Akademie noch die Kursteilnehmer wünschen. Die historische Parkvilla auf dem Hügel mitten im Ort wurde vom berühmten Münchner Architekten Gabriel von Seidl ursprünglich als privates Landhaus für einen Kunstschlosser erbaut. Es war eines seiner letzten Projekte, das erst nach seinem Tod 1914 fertiggestellt wurde. Die hohen, lichtdurchfluteten Räume mit den großen Fenstern im ersten Stock bieten ideale Bedingungen für Kunstschaffende. Unbezahlbar und eine Quelle der Inspiration: der Ausblick über den Kurpark und in die Bayerischen Voralpen.
Gründung der Akademie EigenArt vor 15 Jahren
Doch trotz dieser sagenhaften Location war es nicht einfach, die Kunstakademie aufzubauen. „Vor 15 Jahren fanden hier die ersten Kurse statt und alles begann auch damals mit einem Fest, zu dem etwa 30 Besucher kamen“, blickt Katrin Hoerner bei ihrer Ansprache zurück. Viele Kurse musste sie anfänglich mangels Belegung wieder absagen. „Wirtschaftlich gesehen war dieser Beginn ein kompletter Reinfall“, erzählt die studierte Kunsthistorikerin, die lange bei einem großen Münchner Verlag in leitender Funktion angestellt war. „Aber es hat mir und den wenigen Teilnehmer, die dabei waren, soviel Spaß gemacht, dass ich weitergemacht habe“, sagt sie.

Die Siegerin des Kunstwettbewerbes Artus: Anne Winkler aus Berlin mit ihrem Bild „Frau mit kurzem Haar“. Foto: Kunstakademie EigenArt
Ihre Hartnäckigkeit und ihr Optimismus zahlten sich aus: Denn die Akademie wuchs zu einer festen Größe für Kunstinteressierte und -schaffende weit über die Grenzen der Region hinaus heran – mit über 70 Kursen pro Jahr und über 50 herausragenden Dozentinnen und Dozenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch die herben Rückschläge durch Corona brachten Katrin Hoerner nicht von ihrem Weg ab. „Ich wollte schon immer einen Ort schaffen, wo Menschen sich treffen und kreativ sind“, sagt sie. Einen Raum für echte Begegnungen in Zeiten, in denen das Handy für viele zum wichtigsten Partner geworden ist.
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Verleihung des Kunstpreises Artus in der Akademie EigenArt
Dass ihr dies gelungen ist, zeigt sich auch beim Höhepunkt des Akademiefestes: der Verleihung des Kunstpreises Artus, der in diesem Jahr unter dem Motto „Kunst ist Freiheit“ stand und für alle Hobbykünstler offen war. „Wir erhielten insgesamt 330 Einsendungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen und sogar Großbritannien“, freut sich Katrin Hoerner über die Resonanz. Die Jury, die aus vier Dozenten und Dozentinnen ihrer Akademie und ihr selbst bestand, wählte fünf Werke aus. „Wir setzten gemeinsame Kriterien fest, wie technische Umsetzung und Originalität“, erklärt sie. In Anschluss daran wurden über ein dreitägiges Voting auf Instagram die drei Sieger aus der Vorauswahl ermittelt.

Eva Lensing mit ihrem Bild „Shit, shit, shit oder der Tag, an dem ich nicht hätte morgens aufstehen sollen“ belegte Platz 3. Foto: Kunstakademie EigenArt
Auf Platz eins landete Anne Winkler aus Berlin mit ihrem Werk „Frau mit kurzem Haar“. Das Bild (100 x 120 Zentimeter), das sie mit Tinte, Kohle, Kreide und Acryl auf Leinwand gemalt hat, mache die menschliche Einzigartigkeit durch kräftige Farben und dynamische Gesten sichtbar, erläutert Katrin Hoerner. Sie drücke damit die Spannung zwischen Innen und Außen, Identität und sozialem Raum aus – ein Thema, mit dem sich die Künstlerin schon lange beschäftigt.
„Shit, shit, shit oder der Tag, an dem ich nicht hätte morgens aufstehen sollen“, so lautet der einprägsame Titel des zweitplatzierten Werkes (100 x 85 Zentimeter) von Eva Lensing aus Ascholding. Das Bild sei an einem Tag entstanden, an dem alles schiefgelaufen sei. Ihrem Werk sieht man das nicht an, denn auf Papier schuf sie mit Blei- und Kohlestift, Öl- und Acrylfarbe, eingearbeitetem Buntpapier und integriertem Passepartout eine stimmige Komposition. Das Interessante an Ihrem Werk: Es durchbreche gewohnte Sichtweisen und Regeln der Kunst, Linien und Flächen etwa seien frei gegeneinandergesetzt und Bildbegrenzungen missachtet, urteilt die Jury.

Die dritte Gewinnerin, Gerlinde Mair-Heinschink, mit ihrem Mixed-Media-Gemälde „I am many“. Foto: Kunstakademie EigenArt
Gerlinde Mair-Heinschink aus Puchenau in Österreich gewann mit ihrem Mixed-Media-Gemälde „I am many“ (80 x 80 Zentimeter) den dritten Platz. „Es zeigt eine Übereinanderlagerung und Verflechtung von Linien und Flächen und stehe im Spannungsfeld zwischen intuitivem Ausdruck und wohlüberlegter Gestaltung“, führt Katrin Hoerner aus.
Kreatives und intuitives Schreiben in der Akademie EigenArt
„Bei uns können kreative Menschen unbeschwert ihre schöpferische Kraft entfalten“, fasst sie das Grundprinzip ihrer Akademie zusammen. Neben Mal-, Zeichen-, Druck- und Objektkunst-Kursen stehen mittlerweile sogar Seminare für kreatives und intuitives Schreiben auf dem Programm, die sie selbst gibt. „Schreiben öffnet das Tor zur inneren Welt“, sagt sie und hat damit einen weiteren Raum für Begegnungen geschaffen – mit anderen und mit sich selbst.