Gitarrenzauber

Ein letztes Mal Gitarrenzauber

Noch einmal tosender Applaus für Gitarrenzauber. Foto: Linus Suchowerskyj

Konzert in Holzkirchen-Großhartpenning

Das Machado-Gitarrenquartett verabschiedet sich nach 16 Jahren mit einem bewegenden Konzert voller Klangvielfalt, Anekdoten und Geschichten. Wie gelingen Anna und Bernhard Prüflinger, Perry Schack und Ingo Veit ein gelungener und emotionaler Abschied, der gleichzeitig so spielerisch wirkt?

Von wegen „Geheimkonzert“!

Sie sind „Global Music Award-Gewinner“, sie spielten in Kiew, München und New York. Doch der HahnHof, insbesondere durch die enge Verbindung zu Gastgeber Georg Hahn, wurde für das Ensemble zu einer künstlerischen Heimat. Hier entstand auch 2021 ihre letzte CD „#Maria“. Keine Werbung und trotzdem, der Saal ist rappelvoll. Bei dem eigentlichen „Geheimkonzert im kleinen Rahmen“ liegt von Beginn an eine besondere Spannung in der Luft. Wer hier ist, weiß, dass er einen seltenen Moment miterlebt. Machado gibt sein Abschiedskonzert – ausgerechnet an einem Ort, der über Jahre hinweg mehr als nur eine Bühne war.

16 Jahre auf musikalischer Weltreise

Was das Quartett auszeichnet, zeigt sich an diesem Nachmittag besonders eindrücklich: Ein charmanter Dialog zwischen den Instrumenten und unter ihren Spielenden. Doch wird nicht nur Gitarre gespielt, sondern auch geklopft, gestrichen, gestreift und gezupft, kurzum wird so viel aus jedem der vier Instrumente rausgeholt wie die Kreativität weit geht.

Stilistisch bewegen sich die vier mit spielerischer Leichtigkeit zwischen den Welten. Opernauszüge wie aus „Carmen“, Filmmusik aus „La La Land“ sowie spanische und lateinamerikanische Klänge verschmelzen zu einem Programm, das gleichermaßen freudig wie gefühlvoll ist. Es ist genau diese Mischung, die das Quartett über Jahre hinweg geprägt hat – und die ihren eigenen Stil, die „Guitarra Nueva“, so lebendig macht.

Musik, die Geschichten erzählt


Machado nochmal ganz in ihrem Element. Foto: Becky Köhl

Ein besonders intensiver Moment entsteht, als Bernhard Prüflinger sein Stück „Lebenslieder“ präsentiert. In vier Sätzen erzählt er die Geschichte der letzten vier Generationen aus der Familie seiner Frau, bis hin zu seiner eigenen Tochter: Von der tragischen Flucht aus der Sowjetunion, über unberechenbare Schicksalsschläge, zum Ankommen in Bayern.

Mit minimalen Mitteln entsteht ein Klangbild voller Tiefe und Emotion. Leise, innerlich friedliche Passagen wechseln sich mit kraftvollen, hoffnungsvollen Ausbrüchen ab. Dass die Vier diese vielen Ereignisse und Widrigkeiten so eindrücklich mit nur so wenigen Instrumenten und Hilfsmitteln darstellen, beweist mal wieder, warum sie als Gitarrenmagier auch weit über Bayern hinaus erfolgreich waren.

Abschied ohne Stillstand

In den Pausen wird, begleitet von Brotzeit und Kuchen, auch der Blick nach vorne gerichtet. Bernhard Prüflinger spricht von einem natürlichen Endpunkt: „Manchmal ist in der Kunst ein Moment erreicht, an dem eine Pause nötig ist.“ Sein Fokus wird künftig stärker bei seiner Familie liegen.

Anna Prüflingerkündigt eine bewusste Auszeit an – ohne konkrete Pläne, aber mit Raum für Neues.

Perry Schack verweist auf seine zahlreichen Projekte: Solokonzerte, Orchesterarbeit und Konzertlesungen im Duo mit Thomas Loibl. „Das Quartett war zuletzt nur noch ein kleiner Teil meiner Arbeit.“

Gitarrenzauber
Ingo Veit mit seinen Instrumenten. Foto: Becky Köhl

Auch Ingo Veit bleibt vielseitig aktiv – mit Ensembles und Projekten, insbesondere im italienischen und spanischen Repertoire.

Der Abschied wirkt dadurch nicht wie ein Ende, sondern eher wie eine gelungene, versöhnliche Weggabelung.

Ein letzter gemeinsamer Klang

Zum Abschluss kehrt noch einmal das Gefühl zurück, das den gesamten Nachmittag getragen hat: eine Mischung aus Melancholie und Dankbarkeit. Georg Hahn bringt es auf den Punkt: Traurig, dass etwas so Künstlerisches zu Ende geht, und zugleich schön, dass es genau hier noch einmal erlebt werden kann.

Das Publikum dankt mit Standing Ovations. Der Raum war so stark gefüllt, dass die Kunstschaffenden nicht einmal symbolisch rausgehen konnten, um für die mehreren Zugaben wieder reinzugehen. Das sagt alles darüber, wie sehr dieses Quartett geschätzt und geliebt wurde.

Und so endet ein Kapitel, das nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich gewachsen ist: Mit einem letzten Akkord nach 16 Jahren Gitarrenzauber.

Auch wenn das Quartett in dieser Form nicht mehr auftreten wird, bleiben Ingo Veit und Perry Schack weiterhin aktiv in verschiedenen Projekten und Ensembles.

Zum Weiterlesen: Welturaufführung #Maria

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