„Anders wachsen“ Finale: Gib und Nimm

Wirkstatt . 1000 Brotbeutel zur Müllvermeidung

Aktion „1000 Brotbeutel gegen die Wegwerfgesellschaft“ der Wirkstatt: Maria Dietl und Katharina Fichtner (v.l.). Foto: IW

Abschlussveranstaltung Anders wachsen in Holzkirchen

Beim „Markt der Ideen“ ging es fröhlich und äußerst kreativ zu. Die Abschlussveranstaltung des zweiten Zyklus von „Anders wachsen – Alternativen für das Oberland“ hatte vielfältige Programmpunkte parat: vom musikalischen Frühstück über eine Kunstausstellung und Modenschau bis zum quirligen-bunten Ideenmarkt.

Unterschiedliche Akteure waren dem Aufruf von KulturVision gefolgt, die Abschlussveranstaltung der diesjährigen „Anders wachsen“-Projektreihe mit Ihren Ideen zu bereichern. Alle sind sich einig im Ziel, das Leben im Oberland noch lebenswerter zu gestalten – im Hinblick auf einen dringend nötigen Wandel in der Gesellschaft, einem Umdenken hin zu einer „enkeltauglichen Zukunft“.


Gib & Nimm-Stand von Birgit Hacklinger (1.v.l.) und der „Wirkstatt“. Foto: Frank Strathmann

KulturVision bündelt gemeinsam mit den Partnern Katholisches Bildungswerk e.V., dem KULTUR im Oberbräu Holzkirchen, dem Waitzinger Keller in Miesbach und der Bürgerstiftung Holzkirchen die unterschiedlichen Initiativen und Projekte im Oberland. Das Themenspektrum ist vielfältig – von Energie über Umwelt und Soziales zu Bildung und Religion – stets unter dem Zeichen der Kultur, die die Bereiche verbindet. Denn, so betont Monika Ziegler, die Initiatorin des Projektes, „Kunst und Kultur öffnen andere Wahrnehmungskanäle“.

Begegnung, Gespräche, Ideen: Bernd Villwok von der Wirkstatt
Begegnung, Gespräche, Ideen: Bernd Villwock von der „Wirkstatt“. Foto: Petra Kurbjuhn

Gleich früh am Samstagmorgen startete Annemarie Hagn mit Gitarre und „Ziach“ ein musikalisches Frühstück auf dem Platz vor dem KULTUR im Oberbräu Holzkirchen. Derweil ging es an den Ständen schon turbulent zu. Insgesamt 14 Initiativen und Projektgruppen stellten einfallsreich Ihre Ideen vor – mitmachen, nachmachen und fotografieren ausdrücklich erlaubt. So machten beispielsweise die „Lebensmittelretter“ aus der „Wirkstatt“ darauf aufmerksam, wie viele Lebensmittel täglich weggeworfen werden, um damit zum Nach- und Umdenken anzuregen – und das auf kreative, spielerische Weise.

Anschi Hacklinger und
„Wirkstatt“-Gründerin Anschi Hacklinger (li.) und  Kick von Walbeck verkaufen selbstgenähte Brotbeutel und biologische Kosmetika. Foto: IW

Die „Freibeutler“ aus der „Wirkstatt“ waren bereits wochenlang zuvor fleißig gewesen und hatten stapelweise Brotbeutel aus alten Stoffen und Hemden genäht. Die Botschaft: nicht für jedes Brot, das man kauft, braucht man eine neue Papiertüte – und nicht jedes Hemd, dessen Kragen schäbig geworden ist, muss man daraufhin gleich wegwerfen. Dabei ist über die Näherei eine wunderbare Gemeinschaft entstanden, die weit über die Wirkstatt hinaus geht. Beim Gib & Nimm-Tisch konnten die Besucher Gegenstände abgeben, die sie nicht mehr brauchten – um etwas anderes, für sie Nützliches, dagegen einzutauschen.

Wirkstatt: Wunderartenwerkstatt
Frisches Kräutersalz selbst gemacht in der Wundergartenwerkstatt der „Wirkstatt“: Fränze Stein mit Birgit Hacklinger (v.l.). Foto: IW

Die „Wirkstatt“ wurde vor etwa einem Jahr von der Musikerin Anschi Hacklinger gemeinsam mit Monika Ziegler von KulturVision im Rahmen von Anders wachsen gegründet. Sie vereint Menschen, die nicht nur reden, sondern aktiv etwas tun wollen. Zu ihren Ständen gehörte auch eine „Wundergartenwerkstatt“, in der beispielsweise frisches Kräutersalz hergestellt und mit Pflanzen gedruckt wurde.

Angelika Hubner näht ein 50 Quadratmeter großes banner
Angelika Hubner näht ein 50 Quadratmeter großes Banner aus Plastiktüten. Foto: IW

Wolfgang Matheusch aus Weyarn erntete große Begeisterung mit seinen aus Paletten hergestellten Möbeln – die keineswegs spleißig, aber äußerst bequem daherkommen. Seine Sitzgruppe wurde folglich zum beliebtesten Ort der Begegnung innerhalb des Marktes. Angelika Hubner aus Schliersee wiederum verblüffte die Besucher mit einem etwa 50 Quadratmeter großen genähten Banner aus einzelnen Plastiktüten. Die Botschaft: ein großes SOS für den Status Quo unserer Gesellschaft. Die Bürgerstiftung Holzkirchen bot indes auf Ihrem Stand einen Mitmach-Workshop „KulturLab 18“ an, bei dem sich Kreative und Kulturschaffende vernetzen konnten.

Solidarische Landwirtschaft Holzkirchen
Die Akteure der Solidarischen Landwirtschaft Holzkirchen, in der Mitte Initiator Martin Johannes Sappl. Foto: IW

Unterstützer und Mitstreitende sucht übrigens die Solidarische Landwirtschaft Holzkirchen. Martin Johannes Sappl hat mit Gleichgesinnten einen Hektar Land gepachtet, auf dem vor allem Biodiversität gezeigt werden soll und dass man auch in unserer Klimazone das ganze Jahr über etwas Essbares ernten kann. Sie bauen auf der Fläche zwischen Holzkirchen und Rogersdorf gemeinsam Heukartoffeln an, Obst, Beeren und auch Wintergemüse. Hochbeete wechseln sich ab mit Wiese und Hecken, die auch Insekten und Vögeln Unterschlupf bieten. Ihr Ziel ist, dass sich dort jeder, der möchte, langfristig sein Bio-Obst und -gemüse selbst anbauen kann. Biobauer Harro Colshorn und Siggi Cordes stellten die Gemeinwohlökonomie Regionalgruppe Mangfalltal vor.

Erneuerbare Energien – Ziel für Oberland

Langfristig wirkt auch die Bürgerstiftung Energiewende Oberland – für erneuerbare Energien und Energieeinsparung. Auf ihrem Stand vermittelten Josef Kellner und Wolfgang Kieslich praxisnah und anschaulich, wie man alternative Energie erzeugen und sie einsparen kann. Dafür sorgten beispielsweise eine solarbetriebene Carrerabahn und ein Energie-Fahrrad. Auf letzterem konnten sich die Besucher persönlich abstrampeln und mit der erzeugten Energie wahlweise ein Radio, einen Wasserkocher, eine normale Glühlampe oder eine Energiesparlampe betreiben. Die großen Unterschiede im Energieverbrauch waren unmittelbar am Tretaufwand zu spüren. Ihr Ziel: Im Jahr 2035 versorgt sich das Oberland selbst vollständig mit erneuerbaren Energien.

Modenschau des BRK Ladens - Second Hand statt wegwerfen
Modenschau des BRK Ladens – Second Hand statt wegwerfen. Im Hintergrund das Schild von Künstler Peter Kees, der mit seinem „Raum für Öffentliches Nichtstun“ aufrütteln möchte. Foto: Monika Ziegler

Ein Höhepunkt des „Markt der Ideen“ war indes die Modenschau des BRK Kleiderladen. Models zwischen 20 und 87 Jahren führten die tollsten Stücke vor. Auch hier das Zeichen: Weiterverwenden statt entsorgen, Langlebigkeit statt Wegwerfmentalität. Second Hand Mode zu tragen hilft den irrsinnigen Energieaufwand vermeiden, der bei der Herstellung von Bekleidung notwendig ist.

Begleitende Ausstellung beeindruckte

Die ganze Veranstaltung wurde außerdem von der Ausstellung „Andere Kunst“ begleitet. Die außergewöhnlichen Kronleuchter aus recycleten Plastikflaschen von Benedikt Stumpf beeindruckten beispielsweise die Gäste ebenso wie die Fotos zweier Landkreiskünstler. Nani Mahlo stellte Fotografien von Tatorten aus, die sie Jahre nach dem Verbrechen aufnahm und zeigte, wie ein Verbrechen einen Ort verändert. Denis Bald thematisierte indes mit seiner Serie „Flaschensammler“ die Armut in unserer Gesellschaft. Der Künstler Peter Kees aus dem Landkreis Ebersberg schuf einen „Raum für öffentliches Nichtstun“, der darauf aufmerksam macht, dass wir viel Zeit mit überflüssigem, gar schädlichen Tun verbringen und fordert auf, das zu unterlassen.

Gemeinschaft für den gesellschaftlichen Wandel

Basisdemokratisch und vielfältig wurde hier gemeinsam bewiesen, was Einzelne oder Initiativen im Kleinen und Großen bewegen können – resümierten dementsprechend die Mitwirkenden am Ende des Tages. Ihre Beispiele sollen zum Mitmachen einladen – oder zumindest zum Umdenken anregen. Denn ein Wandel beginnt immer erst einmal bei jedem selbst – und da lässt sich schon viel bewegen.

Hier lesen Sie den Beitrag über die „Konferenz der Kinder“, die im Rahmen vom „Markt der Ideen“ stattfand:

KulturVision startet den dritten Zyklus von „Anders wachsen – Alternativen für das Oberland“ im September mit einer Reihe aus etwa 40 Einzelveranstaltungen. Wer beispielsweise bei der Solidarischen Landwirtschaft Holzkirchen mitwirken möchte, meldet sich per Email: martinjohannes@googlemail.com. Für weitere Fragen steht KulturVison zur Verfügung: mz@kulturvision-aktuell.de. Der dritte Zyklus „Anders wachsen“ beginnt übrigens am 29. September im KULTUR im Oberbräu mit einer Integrationsveranstaltung.

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