Ein Herz, kalt wie der See im Winter

Weihnachtsgeschichte - Liesl Weapon und Andreas Bittl als kogniales Erzählpaar

Liesl Weapon und Andreas Bittl als kongeniales Erzählpaar. Foto: Karin Sommer

Szenischer Abend in Tegernsee

Die Kabarettistin Liesl Weapon und der Schauspieler Andreas Bittl haben es gewagt, einen Klassiker der Theaterwelt in einen szenischen Abend mit Musik umzuwandeln. Ihre bayrischen Version der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens überzeugte die Zuschauer im Ludwig-Thoma-Saal in Tegernsee.

Während die weltbekannte Erzählung „A Christmas Carol“ von Charles Dickens im ehrwürdigen London des 19. Jahrhunderts spielt, verbringt der Geizkragen Gschaftl sein freudloses Dasein in München. Sein Herz, „kalt wie der Tegernsee im Winter“ ist nicht bereit, sich für ein seiner Meinung nach nutzloses Weihnachtsfest zu öffnen. Weder für seinen Neffen Franz, noch für die Armen, die Spenden nötig hätten, ja sogar die Blindenhunde machen einen großen Bogen um den griesgrämigen Geschäftsmann.

Internationale Besetzung

Sein auf Sparflamme gehaltener Angestellter heißt im Falle der bayrischen Geschichte „Nonsaldo“ und ernährt seine vielköpfige sizilianische Familie mehr recht als schlecht mit dem Hungerlohn, den er von Gschaftl erhält. Wie in der Originalversion tritt der ehemalige Geschäftspartner, in unserem Fall der verstorbene Huber, auf, um Gschaftl vor einem bitteren, einsamen Lebensende zu warnen.

Verwandlungskünstler Liesl Weapon und Andreas Bittl
Verwandlungskünstler Liesl Weapon und Andreas Bittl. Foto: Karin Sommer

Mithilfe dreier Geister zeigt er ihm die Schatten der Vergangenheit, die Versäumnisse der Gegenwart sowie ein mögliches einsames, sinnentleertes Ende eines vergeudeten Lebens.

Mehr als eine Geschichte erzählen

Liesl Weapon und Andreas Bittl erzählen die Geschichte an einem einfachen Holztisch sitzend. Sie im Dirndl, er im einfachen Trachtengewand. Auf dem Tisch ein paar Gläser, daneben ein kleineres sowie ein größeres Akkordeon, am Ständer eine Gitarre.

Lesetipp: Der Klassiker „A Christmas Carol“ – FoolsEnsemble Holzkirchen

Völlig selbstverständlich wechseln sie zwischen den unterschiedlichen Rollen hin und her. Gerade noch war Liesl Weapon die leidenschaftliche Erzählerin, schon schlüpft sie in die Rolle des Gschaftl, um im nächsten Satz den fränkischen Geist zu interpretieren, der den jetzt neben ihr sitzenden Gschaftl in seine Vergangenheit entführt. Ihr Kollege Andreas Bittl steht ihr um nichts nach. Er versteht den Wiener Dialekt als zweiter Geist genauso wie die menschliche Seele und überzeugt mit seiner Gabe, auch die abscheulichen Seiten eines Menschen so darzustellen, dass man ihn irgendwie immer noch mag.

Der Held wehrt sich

Wie in jeder guten Geschichte verändert sich der Held nur sehr langsam, wehrt sich dagegen, als Mensch zu wachsen und möchte lieber dort bleiben, wo er sich selbst und die Welt bereits kennt.

Sich perfekt ergänzend: Liesl Weapon und Andreas Bittl
Sich perfekt ergänzend: Liesl Weapon und Andreas Bittl. Foto: Karin Sommer

Wie in jedem guten Stück sind alle Emotionen vorhanden. Beide Darsteller haben die Fähigkeit, ganz tief in der Kiste der ungeliebten Gefühle zu graben, um dann wieder aufzutauchen und lieblich an der Oberfläche dahin zu tanzen. Sie scheuen nicht vor deftigen Scherzen zurück und geben bitterbösen Kommentaren die Möglichkeit, das Weihnachtsfest in den Boden zu stampfen.

Fröhlich und andächtig

Nehmen Lieder wie „Last Christmas“ aufs Korn und spielen dann andächtig „Maria durch ein Dornwald ging“ auf ihren Akkordeons. Tauchen ganz tief in die Geschichte ein, wenn sie sich beim Weihnachtsessen als sizilianische Ehepaar kurz und leidenschaftlich streiten und kehren dann wieder zum einfachen Erzählen der Geschichte zurück. Bringen die Menschen zum Nachdenken, Staunen und immer wieder auch dazu, herzhaft zu lachen.

Spendenaktion für Menschen in Not von Liesl Weapon und Andreas Bittl
Spendenaktion für Menschen in Not von Liesl Weapon und Andreas Bittl. Foto: Karin Sommer

Dadurch, dass die beiden Verwandlungskünstler mit so viel Verständnis und Humor an das harte Herz des Helden herangehen, kann der am Ende gar nicht anders, als eben dieses zu öffnen. Dem Publikum ergeht es gleich. „Es wird scho glei dumpa“ singen alle gemeinsam und viele kaufen die Holzsterne, die am Ausgang dargeboten werden. Mit ihrem Erlös unterstützen Liesl Weapon und Andreas Bittl die Münchner Tafel e.V. und das Projekt KulturKinder des Kulturraum München e.V.

Zwar nicht am Tegernsee, aber an anderen Orten gibt es noch einige Male die Chance, den lustig-besinnlichen Abend zu erleben: Hier geht es zu den Terminen auf der Website von Liesl Weapon.

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