
Kulturblitz | aktuelles Angebot Demenz-Simulator bei SOPHIA
Alltagstätigkeiten. Foto: Marion.Siblewski
Besuch im Demenz-Simulator
Wie fühlt es sich an, wenn das vertraute Leben plötzlich nicht mehr funktioniert? Dieser Frage habe ich mich in einem ungewöhnlichen Experiment gestellt: dem Besuch eines Demenz-Simulators. Dabei konnte ich erleben, wie schwierig alltägliche Situationen werden können, wenn man an Demenz erkrankt ist.
Schon das morgendliche Anziehen und die Zubereitung des Frühstücks stellen ungewohnte Herausforderungen dar. Wie bewältige ich den Einkauf im Supermarkt mit einer befremdlichen Einkaufsliste? Wie gelingen Kochen und Backen, die Zubereitung des Mittagessens oder die Hausarbeit? Auch die Teilnahme am Straßenverkehr, das Autofahren, das Beachten der Verkehrsregeln, die Orientierung in der Stadt, Bürotätigkeiten und selbst die Freizeitgestaltung können plötzlich zu unüberwindbaren Hürden werden. Und am Ende des Tages bleibt vielleicht das irritierende Gefühl, sich auf einem fremden Stern zu befinden.
Wie fühlt sich das an?
Eindringlich habe ich erfahren, in welch schwierige Situationen man geraten kann, wenn der eigene Körper und die Wahrnehmung nicht mehr zuverlässig funktionieren: Wenn die Gelenke schmerzen, die Finger fast taub sind und kaum greifen können, wenn die Augen durch Grauen oder Grünen Star die Umgebung nur verschwommen und unklar wahrnehmen und wenn einem immer wieder die passenden Wörter nicht einfallen. Eine unglaubliche Frustration und Hilflosigkeit machen sich breit. Situationen lassen sich kaum noch einschätzen. Denken, Erinnern und das Umsetzen von Handlungen werden mühsam und zeitraubend.
Diese Erfahrungen haben in mir viele Erinnerungen und Bilder wachgerufen, die mich auch traurig gemacht haben. Gleichzeitig hat mir der Demenz-Simulator eine neue Perspektive eröffnet: Ich kann nun besser nachvollziehen, wie sich Menschen mit Demenz im Alltag fühlen und welchen Herausforderungen sie begegnen.
Was für Menschen mit Demenz besonders wichtig ist, sind Einfühlsamkeit, Verständnis und Ruhe. Es geht darum, ihnen mit Geduld zu begegnen, sie ernst zu nehmen und Situationen auch einmal so bestehen zu lassen, wie sie sich gerade zeigen – ohne zu korrigieren, zu drängen oder zu überfordern.
Demenz kann jeden von uns treffen. Diese Krankheit geht uns alle an. Niemand weiß, ob er nicht eines Tages selbst betroffen sein wird.
Zusätzlich informiert die Alzheimer Gesellschaft Oberland am 9. November 2026 von 15 bis 17 Uhr in einem Vortrag über die Demenzerkrankung.