
FoolsTheater wird zur Kammer des Schreckens
Annabella (Madita Weißenbacher), Gundis (Anna Kutter), Ethelbertha (Laura Kutter), Blaubart (Stephan Weisz) (v.l.n.r.). Foto: Klaus Offermann
Theater in Holzkirchen
Pünktlich zu Halloween bringt das Holzkirchner Team Theater die rabenschwarze Gespensterkomödie „Blaubarts Kammer“ unter der Regie von Margarete Kutter auf die Bretter des FoolsTheaters. Die Autorin Katrin Wiegand hat einen Stoff verarbeitet, der schon vom französischen Schriftsteller Charles Perrault 1697 in seiner Märchensammlung „Feenmärchen für die Jugend“ veröffentlicht wurde.
In einer Kammer in einem alten Schloss leben drei Frauen, die vor über 500 Jahren von Blaubart ermordet wurden. Sie sticken, trinken Tee und vertreiben sich so die Ewigkeit, derweil Blaubart seine Sünden im selben Schloss recht angenehm bei Spiegeleiern mit Speck büßt. Doch das Schloss soll verkauft und in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Für die Geister wird es jetzt eng.
Neben den drei verstorbenen Frauen Gundis (Anna Kutter), Annabella (Madita Weißenbacher) und Ethelbertha (Laura Kutter) gehört der kurz vor der Rente stehende Diener Anton, gespielt von Helmut Hermann, zur illustren Truppe. Im Auftrag seines Dienstherrn Blaubart (Stephan Weisz) schaut er ab und zu in der Kammer nach dem Rechten. Schlurfend schiebt er den Teewagen, bringt Ordnung auf den Tisch und ist immer für einen Plausch mit den Gespenstern bereit. Authentisch, komisch und in der realen Welt lebend, bildet er einen dramaturgisch gelungenen Gegenpol zu den längst verstorbenen Frauen.

Gundis (Anna Kutter), Ethelbertha (Laura Kutter), Anton (Helmut Hermann) (v.l.n.r.) Foto: Klaus Offermann
Der Alltag in der Kammer scheint ungetrübt. Doch die Nachricht, dass das Schloss verkauft und in Eigentumswohnungen umgebaut werden soll, verursacht Unruhe. Dies ist eine echte Herausforderung für Blaubart, der fest entschlossen ist, das zu verhindern und dazu erneut heiraten müsste. Nadine (Nora Gerds) besichtigt das Schloss als neue Eigentümerin. Blaubart versucht, Nadine zu seiner nächsten Ehefrau zu machen, um die Modernisierung zu verhindern. Die Geisterfrauen sind zunächst wenig begeistert von der Idee, dass Blaubart sich zur Geisterstunde in eine menschliche Gestalt zurückverwandeln will, um Nadine zu umwerben. Erst die Aussicht, künftig im Klo einer Neubauwohnung Tee schlürfen zu müssen, bringt sie dazu, Blaubarts Plan widerwillig zu unterstützen. Nadine kann die Gespensterfrauen nicht sehen, spürt aber, dass „es in der Kammer nicht mit rechten Dingen zugeht“. Misstrauisch fragt sie Blaubart, warum er sie in der heutigen Zeit immer mit „Ihr“ und „Euch“ anspricht. Diese ungewöhnliche Situation aller Akteure wird mit dem nötigen Gespür für feinen Humor dramaturgisch hervorragend umgesetzt und sorgt beim Publikum für entsprechende Belustigung.
Der Exorzist (Jonas Dengler) soll Blaubart von den Geistern seiner Vergangenheit befreien. Mit seiner Aurenspektralanalyse, die er für viel Geld anbietet, verspricht er die Lösung des Problems. Aufgrund des hohen Preises sind alle empört, was das Chaos nur noch verstärkt.

Der Exorzist (Jonas Dengler) kommt ins Spiel. Foto: Klaus Offermann
Als Geistertrio bringen die drei Ex-Ehefrauen Blaubarts dessen Vergangenheit immer wieder augenzwinkernd ins Spiel und setzen zahlreiche humorvolle Akzente. Stets präsent und eng in die Handlung eingebunden, verleihen die drei Frauen dem Stück Tempo und Leichtigkeit. Ihr präzises Zusammenspiel und die pointiert gesetzten Dialoge sorgen immer wieder für heitere Momente. Jede der Darstellerinnen verleiht ihrer Figur eine eigene Handschrift. Gundis setzt dabei schlagfertige Akzente, Annabella überzeugt durch ihre starke Bühnenpräsenz, während Ethelbertha mit natürlichem Spiel und feiner Abstimmung mit ihren Mitspielerinnen zum Gelingen des Ensembles beiträgt. Dem Publikum gefällt es und die Pointen bringen die Zuschauer immer wieder zum Lachen.
Obwohl Blaubart der Titelheld des Stücks ist, wird die Aufführung vor allem von den drei Gespensterfrauen getragen. Sie sind weit mehr als bloße Begleiterinnen der Handlung. Mit Witz und Spielfreude prägen sie das Bühnengeschehen von der ersten bis zur letzten Minute. Der Schlussapplaus zeigt, dass das Stück beim Publikum sehr gut angekommen ist.

Beim Schlussapplaus, aufgrund der Säulen fehlen leider Helmut Hermann und Jonas Dengler. Foto: Klaus Offermann