
Existenzielle Mystik
Sonja Bort zeigt in ihrer Ausstellung „Silence“ Fotografien, die existenzielle Mystik ausdrücken. Foto: Name
Ausstellung in Tegernsee
In der Galerie Orange in Tegernsee sind derzeit Fotografien von Sonja Bort zu sehen. Gefühlvoll fängt die Fischbachauer Künstlerin Stimmungen ein, wie sie an den Randzeiten des Tages, also morgens und abends, an Seeufern zu spüren sind. Dass ihre Werke in Tegernsee ausgestellt werden, hat einen besonderen Grund.
Seelenruhig liegt die Fischerhütte im aufkommenden Nebel über dem Ammersee. So zeigt es das Foto „BEYOND“ der Fischbachauer Fotografin Sonja Bort. Der schmale Steg, der zur Hütte führt, lenkt den Blick der Betrachterin hinaus auf den See. Hinter der Fischerhütte verschwimmen die Grenzen zwischen Wasser, Nebel und Himmel. Es ist ein Blick, der weitaus mehr enthält als die abgebildete Szenerie. Denn was die Bildkomposition samt Inhalt und Farbe andeutet, ist ein geradezu existentieller Gedanke: Das Geworfensein des Menschen in das Leben, das in seiner materiellen Begrenztheit genauso vor dem Horizont der Unendlichkeit steht wie die Fischerhütte vor dem alles vereinheitlichenden Nebel.

„BEYOND“ drückt eine existenzielle Dimensionen aus. Foto: Sonja Bort
Und könnte der Steg nicht auch mit Martin Heideggers Idee des Holzwegs in Verbindung gebracht werden, schon alleine aufgrund seiner Beschaffenheit? Der deutsche Philosoph drückte mit dieser Idee die Offenheit des Denkens aus, bei dem letztlich nicht gewiss ist, wo man endet. Genauso, wie sich ja hinter der Fischerhütte nicht mehr erkennen lässt, wohin der Weg führt.
Morgenstimmung und Einsamkeit
Sonja Bort hat im vergangenen Jahr den Weg in die Selbständigkeit als Fotografin gewagt, erzählt sie im Gespräch. Und damit verbindet sich ihr Werk mit dem eigenen Lebensweg, ist die berufliche Selbstständigkeit ja durchaus auch ein Weg mit offenem Ende. Seit ihrer Kindheit sei sie fasziniert vom Fotografieren, berichtet sie – und nun stellt sie einen Teil ihrer Fotografien in Peggy Neumanns Galerie Orange in Tegernsee aus. „Ich habe meine Kamera eigentlich immer dabei gehabt.“ Das sei auch heute noch so, ergänzt Sonja Bort und lacht. Angetan hat es ihr die Naturfotografie und hier besonders das Wasser. „Ich mag die Stimmung an Ufern am Morgen total gern“, erzählt die gebürtige Hessin. Und was sie auch mag: die Einsamkeit in der Natur. Deshalb ist sie gerne alleine oder nur mit ihrem Mann zusammen unterwegs. „Es ist hier bei uns in der Gegend einfach wunderbar, man lebt, wo andere Urlaub machen“, freut sich die Fotografin aus Fischbachau.

Mystik in „FADE“. Foto: Sonja Bort
Stimmungen einfangen
Sonja Borts Fotografien zeigen von dieser Gegend, sie spüren aber besondere Aspekte auf. Es ist nicht das kitschig wirkende Bergpanorama, das sie interessiert. Es sind vielmehr die Orte, die auf nahezu mysteriöse Weise Ruhe ausstrahlen. „Silence“ ist daher der passende Titel für die Ausstellung. Oft gehe sie bei niedrigen Temperaturen und zu früher Stunde an Seen, um zu fotografieren, berichtet Sonja Bort. Dann trifft sie auf Szenerien, bei denen sie sofort weiß: Das wird eingefangen. Sie fühle das Bild, bevor sie es im Kopf zusammensetzt, erklärt Sonja Bort den Entstehungsprozess ihrer Werke. Daheim am Rechner hoffe sie dann, dass das Gefühl nicht falsch lag.

„BETWEEN LIGHTS“ wurde abends mit Langzeitbelichtung am Walchensee aufgenommen. Foto: Sonja Bort
Einfach reinspaziert
Wenn sie von der Qualität des Fotos überzeugt ist, wird ein Abzug erstellt, der auf eine Dibond-Platte aus Aluminium gelegt wird. Abgerundet wird das Kunstwerk dann mit mattem Acryl-Glas. So wirken die Fotos mitunter wie Malerein. Auch Peggy Neumann, Inhaberin der Galerie Orange in Tegernsee, ist begeistert von Sonja Borts Werken. Wie kamen diese denn in die Galerie? Peggy Neumann lacht: „Das war ganz einfach: Sonja kam einfach reinspaziert und hat gefragt.“ Es muss gefunkt haben, denn obwohl die Plätze an der Galeriewand eigentlich zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind, ergab sich für diesen Herbst ein Zeitfenster für „Silence“. So hängen Sonja Borts Fotografien nun noch bis zum 14. November 2026 in der Galerie Orange in Tegernsee. Genug Zeit, sich in der existentiellen Mystik ihrer Fotografien zu verlieren.