
Nicht in Opferrolle verharren
Sophie Obermüller bei ihrer Fastenpredigt. Foto: Becky Köhl
Fastenpredigt in Holzkirchen
Mit ihrer bewegenden Rede über den Verlust von Haus und Hof beendete Sophie Obermüller die diesjährige Reihe der Fastenpredigten in der Kapelle der Heiligen Familie in Holzkirchen zum Thema „Verlust“. Wie ihre drei Vorgänger setzte auch sie am Ende ein Zeichen der Hoffnung. Gemeinsam mit dem zahlreichen Publikum sangen der „Oberstoaleitengsang“ das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Sie wolle in Zeiten der täglichen Schreckensnachrichten und Scheinwelten eine echte Geschichte von Menschen erzählen, begann Sophie Obermüller ihre Fastenpredigt. Und sie wolle ein Beispiel dafür geben, wie man eine zunächst aussichtslose Lage bewältige und einen Gewinn an Erfahrung und Gemeinschaft bekomme.
Es brennt!
Der 12. Dezember 2014 sei ein ganz normaler Tag auf ihrem Hof in Kreuth mit Milchkühen, Kälbern und Hühnern gewesen, sagte sie. Aber dann der Ruf der Nachbarn: „Es brennt!“. Meterhohe Flammen seien ihr schon aus Tenne und Stall entgegengeschlagen. Sie öffneten die Tore und die Kühe liefen hinaus. „Das war ihre Lebensrettung, sie waren Weidehaltung gewohnt und sind auf der Weide geblieben“, erklärte die Bäuerin.
Bis in die Nacht hinein waren 30 Fahrzeuge der Feuerwehr aus dem ganzen Landkreis und mehr als hundert Einsatzkräfte vor Ort. „Eine großartige Leistung, wie sie selbstlos geholfen haben“, betont Sophie Obermüller, da sei ihr der Wert des Ehrenamtes bewusst geworden. Aber auch die Dorfgemeinschaft habe funktioniert, sie habe sich vom sozialen Gefüge getragen gefühlt.

Sophie Obermüller illustrierte mit Fotos das Geschehen. Foto: MZ
Die Kreuther Landwirte verteilten das Jungvieh auf elf Ställe und das große Problem der Milchkühe, die gemolken werden müssen, löste ein Landwirt aus Finsterwald, der gerade seinen Stall aufgegeben hatte und alle 16 Milchkühe aufnahm.
Es folgten Stunden der Ungewissheit, dann wurde klar, es habe nur kontrolliert abgebrannt werden können. Kreuther Landwirte holten brennendes Heu und verteilten es auf die Wiesen. „An Schlaf war nicht zu denken und früh um 6 Uhr standen wir vor den Ruinen unserer Existenz“, sagte die Rednerin.
Neben Hilfsbereitschaft auch Sensationsgier
„Aber wir haben alle überlebt.“ Sie und ihr Mann Peter, die Schwiegereltern und die drei Kinder. Der Hof sei ein gelebter Generationenvertrag. Die Zeit danach sei enorm kräftezehrend gewesen, denn man habe seit 2010 umfassend saniert und investiert, aber auch mit viel Herzblut Eigenleistung erbracht, und das war nun alles zerstört. „Man darf nicht in der Opferrolle verharren“, konstatiert Sophie Obermüller.
Sie zog Vergleiche zwischen der Ambivalenz des Feuers und der Reaktion ihres Umfeldes. Feuer könne erwärmen und zerstören und Menschen leisteten Hilfe, aber es habe auch viel Sensationslust gegeben und Tratscherei über die Brandursache. Diese konnte letztlich einem technischen Defekt zugeschrieben werden.
Und mit Vertrauen in die göttliche Vorsehung habe die Familie die Situation durchgestanden. Sie habe sich bewusst dafür entschieden, auch Freude beispielsweise über einen Sonnaufgang am See zu empfinden.

Der „Oberstoaleitengsang“ mit Annalena Kapfhammer, Monika Obermüller und Sarah Fendl, sowie Magdalena Poensgen, geboren Obermüller an der Harfe. Foto: Becky Köhl
Aus Überzeugung entschied sich die Familie, den Stall wieder an Ort und Stelle und nicht auf der grünen Wiese zu errichten. „Die Landwirtschaft ist eine sinnerfüllte Arbeit“, konstatierte die Bäuerin, auch jahrelang Vorstandsvorsitzende der Käsereigenossenschaft Naturkäserei.
Sie verglich diese Jahre, die sie als zähesten Abschnitt bezeichnete, mit einer Bergtour. „Der Gipfel ist da, aber nebelverhangen.“ Der Schaden war in immenser Höhe, es habe sieben Monate gedauert, bis die Versicherung die Schadensanalyse abschloss. In dieser Zeit gab es kein richtiges Einkommen für den siebenköpfigen Haushalt. Aber der Zusammenhalt in der Familie habe Hoffnung gegeben und mit Hilfe toller Handwerker habe man den Stall wieder aufbauen können.
Botschaft der Hoffnung
Sie wolle aus dieser Erfahrung einiges weitergeben, sagte Sophie Obermüller. Man möge jeden Tag dankbar sein für das, was man habe, etwa eine gute Partnerschaft und Gesundheit, und man solle hinterfragen, was man wirklich brauche und bewusst einkaufen.
Sie sei froh, dass alle drei Kinder diese Zeit meisterten, dass sie Resilienz fähig seien. Echte Freundschaften seien wichtig, aber man habe auf dieser Bergtour auch Kameraden wegen Neid zurücklassen müssen.
Und so sprach sie den Wunsch aus, man möge genügsam sein, keine üble Nachrede führen, Respekt vor der nächsten Generation haben und sie wolle mit dem abschließenden gemeinsam gesungenen Lied eine Botschaft der Hoffnung geben. „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das Lied nach dem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer war der berührende Abschluss einer bewegenden Fastenpredigt.
Der „Oberstoaleitengsang“ hatte den Vortrag mehrfach mit instrumentalen Beiträgen und mit Gesangstücken bereichert. Annalena Kapfhammer, Monika Obermüller und Sarah Fendl bilden das Gesangstrio, während Magdalena Poensgen, geboren Obermüller die Harfe spielte.

Moderator Markus Bogner. Foto: Becky Köhl
Am Ende sprach Markus Bogner seine Bewunderung für diese vorbildhafte Familie aus, die trotz des schweren Verlustes eine positive Ausstrahlung habe.
Er hatte ein Buch zur Hand. „Die Kunst des spielerischen Scheiterns“, geschrieben von Clown Michael Stuhlmiller. Er zitierte den Unterschied von Müssen und Wollen. „Wollen heißt agieren, müssen bedeutet reagieren.“ Wenn es denn eine positive Sichtweise aus einem schmerzlichen Verlust gebe, dann sei es, ins Wollen zu kommen und mit Freude und Heiterkeit in der Gemeinschaft zu agieren.
Zum Weiterlesen: Die zwei Leben des Claus Angerbauer