Zwei große Lieben – der Künstler Stephan Mundi

Atelierbesuch bei Stephan Mundi- abtrakte Maler in seinem Ostiner Atelier

Stephan Mundi in seinem Atelier in Ostin. Foto: IW

Künstlerporträt

Das heutige Los fiel auf einen Atelierbesuch in Ostin. Stephan Mundi hat das künstlerische Erbe seiner Ungarisch-Münchener Familie angetreten. Nach einem intensiven Viertel Jahrhundert in der Musik malt er jetzt wie ein Besessener. So, als ob es um sein Leben ginge. Und es geht ja auch um sein Leben. 

Auch 25 Jahre Schmerzen sind Teil seines Lebens. Einer der Gründe, warum er die Musikkarriere an den Nagel hängte. Und schließlich der Grund, warum er 2017 mit dem Malen begonnen hat. Seine Frau Ute, eine Grafikerin, war es, die ihn zum Malen ermutigte. Wenn sie spontan „wow!“ sagt, weiß er: Das Bild ist fertig. Wenn sie hingegen „Mm…“ macht, fühlt er sich bestätigt in seinem Gefühl: Da fehlt noch was, das ist es noch nicht.

Erschöpfender, glücklicher Prozess

Er malt sein Leben in die Bilder hinein, die sich wie Tagebücher lesen. Malt und übermalt vielfach in einem Prozess des Erschaffens und Zerstörens. „Ich will etwas Helles malen und es wird etwas Dunkles draus – und umgekehrt“, sagt er. „Die Bilder sprechen in mir, ich kann nicht aufhören bis alles passt“. Dass er dann klitschnass geschwitzt ist und vollkommen erschöpft, merkt er erst in dem Moment, wenn er den Pinsel aus der Hand legt. Es ist ein glückliches, produktives, zufriedenes Erschöpftsein.

Stehan Mundi "Old boat"
Eines der frühen Bilder: „Old boat“. Foto: Stephan Mundi

Die ersten Bilderserien waren überwiegend düster. Die Titel sprachen aus, was er hineingearbeitet hat: „Schmerz“ und „Pein“. Heute, zweieinhalb Jahre und knapp 500 Bilder später, leuchten sie in starken Farben, vorwiegend Türkis, kräftiges Rot oder Grün. Die Arbeiten von Stephan Mundi strahlen eine enorme Kraft aus, Lebensbejahung und Zuversicht. Sie zeigen in ihrer Chronologie einen beharrlichen Weg vom Dunkel ans Licht. Die Malerei hat ihm geholfen, die Schmerzen zu bannen. In nur kurzer Zeit hat er eine eigene, markante Handschrift entwickelt, die klar wiedererkennbar ist, egal, ob er rein abstrakt malt oder sich Gesichter und Figuren in den Vordergrund schieben.

Beim Atelierbesuch lernt man Stephan Mundis Bilder kennen, hier: "Fiddler on the roof"
„Fiddler on the roof“. Foto: Stephan Mundi

Schnell wurde eine große künstlerische Sicherheit sichtbar. Sie erlaubt dem Betrachter, in die Gefühlswelt des Malers einzutauchen und zugleich seinen eigenen Standpunkt zu dem Bild zu finden. Bald stellte sich auch Erfolg ein. Stephan Mundis Arbeiten waren inzwischen zwei Mal in New York zu sehen, in Agatharied, Bayrischzell. Er war Finalist bei den „Global Art Awards“ 2018 in Dubai in der Kategorie „Newcomer“ und nominiert für die „Palm Art Awards“ 2019. In Rom nahm er an zwei Gruppenausstellungen renommierter Künstler aus der ganzen Welt teil. Stephan Mundi „nel mondo“. Und im Juni wird er in Florenz ausstellen. Mit der Malerei ist der Gmunder in der Kunst angekommen, er fühlt sich in seinem Element, mehr als er es je zuvor mit der Musik war.

Lesetipp: Bilder wie Tagebücher – Stephan Mundi in Agatharied

Stephan Mundi Stephan Mundi_"untitled V/XX II"_2020
„untitled V/XX II“, 2020. Foto: Stephan Mundi

Zurück in die Kindheit: Mit dem Großvater Bela Mundi, einem bekannten Musiker und Landschaftsmaler, war er mit Beginn der Schulzeit von München an den Tegernsee gezogen. Dieser erkannte die Begabung des 12-Jährigen für die abstrakte Malerei: „Du hast Talent!“ Aber das Abstrakte war dem Jungen mit Blick auf Picassos Kaltnadelradierung „Weinende Frau“, die in der großelterlichen Wohnung ging, unheimlich. Er entschied sich damals für die zweite künstlerische Begabung der Mundis: Musik. Mit fünf hatte er bereits die erste Kindergeige, dann Klavierunterricht bekommen und schließlich konzentrierte er sich auf Gesang. Er, „der letzte Mundi“, wollte die musikalische Familientradition fortführen – quasi ein Auftrag.

In der Malerei angekommen

Über 25 Jahre war die Musik sein Lebensmittelpunkt. Er tourte als Leadsänger mit eigenen Bands, komponierte und arrangierte Stücke. Dann der Ausstieg aus der Musik gesundheitsbedingt und „weil es genug war“. Ein paar Jahre Pause. Als die Zeit gekommen war, sich wieder etwas Neuem zu widmen, fuhr er kurzerhand zu Boesner, deckte sich mit Malutensilien ein und legte los. Als er das erste Mal den Pinsel in die Hand nahm, durchfuhr es ihn wie ein Blitz: “Endlich bin ich da.“ Seine Malerei ist so facettenreich wie seine Stimme, weder in der Musik noch in der Kunst will er sich festlegen lassen. „Ein Bild muss schwingen und vibrieren, genauso wie der Bass in der Musik“, ist seine Überzeugung.

Stephan Mundi: Galahad
Das Bild „Galahad“ kann man auf der Webseite der Offenen Ateliertage ersteigern. Foto: Stephan Mundi

Bei dem gelernten Typografen ergänzen sich heute die Malerei und seine selbständige Arbeit als Webdesigner, sie fließen perfekt ineinander wie Zahnräder. Auch die Musik wird wieder dazu fließen. Sie schlummert in seiner Brust, weil jetzt die Malerei seine größte Liebe ist, aber Musik ist ein Teil seines Lebens und wird nie ganz verschwinden.

Lesetipp: Offene Ateliertage verschoben auf 2021

Stephan Mundi nimmt als Künstler an den Offenen Ateliertagen 2020/21 teil. Mit Mundi Media hat er die Webseite der Offenen Ateliertage gestaltet und gespendet.

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