Klaus Rohrmoser

Langeweile gehört zur Liebe dazu

Klaus Rohrmoser als Anne-Marie. Foto: MZ

Theater in Pürbach/NÖ

Mit dem bekannten österreichischen Schauspieler Klaus Rohrmoser verbindet KulturVision eine überaus gelungene gemeinsame Veranstaltung, in der er Franz Kafkas „Bericht an eine Akademie“ vortrug. Jetzt durften wir ihn in „Anne-Marie die Schönheit“ von Yasmina Reza erleben.


Klaus Rohrmoser 2015 in der Kulturbrücke Fratres. Foto: Isabella Krobisch

Es war vor elf Jahren, als KulturVision in der Kulturbrücke Fratres den Thementag „Kunst und Naturwissenschaft“ gestaltete und Klaus Rohrmoser mit dem Kafka-Monolog den Glanzpunkt aufsetzte.

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Auch jetzt war er in einem eineinhalbstündigen Monolog auf der Bühne des Wald4tler Hoftheaters in Pürbach zu sehen. Aber nicht als Affe, wie bei Kafka, sondern als Frau, als alternde, wenig erfolgreiche Schauspielerin Anne-Marie, die manchmal auf der Bühne auch Anne-Marie die Schönheit war.

Yasmina Reza bestand darauf, dass die Rolle von einem Mann gespielt wird und Klaus Rohrmoser ist die Idealbesetzung. Er kommt langsam auf die Bühne, in Kostüm, Seidenbluse, Perlenkette. Vor einem Spiegel steckt er sich das lange weiße Haar hoch und geht tastend zum Stuhl, das Knie halt frisch operiert, aber alles wie neu, wie der Arzt sagt.

Klaus Rohrmoser
Eine Lebensbilanz. Foto: MZ

Ein Tisch mit Kaffeetasse ist das einzige Requisit, dazu die imaginäre Interviewerin, der Anne-Marie ihr Leben erzählt. „Da wo ich herkomme“, fällt mehrfach, wohl einfache Verhältnisse, die Mutter nahm sich zuweilen das Leben, aber immer so, dass sie rechtzeitig aufgefunden wurde. Der Vater machte sich Richtung Südfrankreich davon. Sie hatte Pickel und einen Mittelscheitel.

Und den Traum, Schauspielerin zu werden, sie schaffte es auch, aber nur im Vorstadttheater oder im Schatten von Giselle, die alle großen Rollen abräumte.

Klaus Rohrmoser spielt die Lebensbilanz dieser liebenswerten, erfolglosen Frau mit ungeheurerer Tiefe, mit Selbstironie und nie larmoyant, dafür immer wieder auch humorvoll. „Ich langweilte mich mit meinem Mann, aber Sie wissen ja, Langeweile gehört zur Liebe dazu.“


Klaus Rohrmoser in der Frauenrolle. Foto: MZ

Während Giselle ihre Verehrer mit der selbst gerührten Schönheitsmaske empfing und sich in „universeller Gelassenheit“ zeigte, lebte sie in Angst und Schrecken mit ihrem von Ordnungswut besessenen Mann und dem Sohn, der nur zu ihr kommt, um die Nachrichten zu sehen.

Klaus Rohrmoser ist diese Anne-Marie, es gelingt ihm, ohne große Maske, völlig in die Frauenrolle zu schlüpfen. Seine Gesten, seine Mimik, alles weiblich, aber nie transvestitisch überzogen, natürlich und echt, eine alte Frau, die „beunruhigende Anzeichen an den Tag legt“, etwa die Brille in den Mülleimer wirft.

Eindringlichkeit und Heiterkeit

Giselle bekam die großen Rollen, „sie spielte schlecht“, „ich hätte es besser gekonnt“, der Schauspieler kann dieses verpasste Leben von Anne-Marie in Eindringlichkeit und Heiterkeit Revue passieren lassen.

„Kann man das Glück in der Liebe finden?“ Als Antwort berichtet Anne-Marie, wie sie nach vielen Jahren die erfolgreiche Giselle wiedertrifft, von ihr umarmt wird. „Ich war glücklich, dass sie mich erkannt hat.“ Und sie kann getrüffelte Cashew-Nüsse genießen, obwohl sie eigentlich abnehmen soll.

Wie Altern gelingen kann

Yasmina Reza hat mit „Anne-Marie die Schönheit“ das Leben an sich, mit seinen Abgründen, Höhen und Tiefen, mit Humor und fern jeder Sentimentalität beschrieben, ein Stück, das eine Liebeserklärung an das Theater ist und eine Vorlage, wie Altern gelingen kann. Mit Offenheit, Ehrlichkeit und Zufriedenheit.

Diese Zufriedenheit mit einem erfolglosen Leben, das aber Momente des Glücks beinhaltete, kann Klaus Rohrmoser mit feinem Lächeln berührend transportieren.

Alain Delon kam nicht

„Es heißt, die glücklichsten Leben sind diejenigen, in denen nicht viel passiert“, stellt Anne-Marie fest und denkt darüber nach, eine Urne zu kaufen, eine schöne. Denn Anne-Marie resümiert zwar: „Ich hatte ein glückliches Leben“, aber auch „Es bleibt keine Spur, von niemandem“. Auch zu Giselles Beerdigung kamen die Großen nicht, nicht Alain Delon.

Von Anne-Marie bleiben zumindest die Schuhe auf der Bühne, während sie ihre Haare auflöst und entschwindet.


Was bleibt? Foto: MZ

Und so geht das Licht aus für eine Frau, die sich ihre Würde bewahrt hat. Ein großartiger Theaterabend mit einem fantastischen Schauspieler, der am Ende einen begeisterten Applaus entgegennimmt.

Klaus Rohrmoser
Bravorufe für Klaus Rohrmoser. Foto: MZ

Das Programm des Wald4tler Hoftheaters finden Sie auf der Webseite.

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