
Malefiz Donnerblitz
Das Ensemble beim Schlussapplaus. Foto: Ursel Gloor
Premiere im Schlierseer Bauerntheater
Wettermachen leicht gemacht. Oder doch nicht? Wenn Sonnenschein, Regen, Schnee und Hagel außer Kontrolle geraten! Am Pfingstsonntag war es wieder soweit. Das Schlierseer Bauerntheater feierte seine 2. Saison-Premiere. „Malefiz Donnerblitz“, ein 3-Akter aus der Feder von Ralph Wallner, dessen Stücke einen kurzweiligen amüsanten Abend versprechen.
Und so sollte es auch werden! Hans Schrädler seines Zeichen 1. Regisseur ist seit langem ein Garant für hochwertige und wohldurchdachte Inszenierungen. Bestes Beispiel ist seine Inszenierung der „Geierwally“ von 2017. Man konnte also einiges erwarten. Und die Zuschauer wurden nicht enttäuscht.

Hans Schrädler mit Conny Floßmann. Fotoa: Ursel Gloor
Gleichzeitig übernahm Schrädler die Hauptrolle des Schneider Zwirn, der mit allen Mitteln versucht die Verlobung seiner Tochter Seffa, gespielt von Magdalena Bartosch mit dem ungeliebten Hochzeiter Bene (Franz Manhart) zu verhindern. Nur wie löst man dieses Problem? Und die Lösung kommt in Form von zwei Wetterfeen, die sich einmal im Jahr treffen, um das tägliche Wetter für das nächste Jahr „auszukarteln“. Die in schwarz gekleidete Blitz Burgl, dargestellt von Carolin Schmid, sorgt für „graugreisligen“ Graupelschauer und die Sonnen Res für Sonnenschein, Morgenrot und Alpenglühn. Und wenn die Res dann sagt: “Jetzt hab i meinen Föhn vergessn“, will sie sich nicht die Haare trocknen! Im Gepäck haben die beiden fläschchenweise Wetter. Ob Sonnenschein, Morgenrot, Nieselnasseln oder Graupelschauer, die ganze Wetterpalette in einem Koffer.

Die Wetterfeen Sophia Pfisterer und Carolin Schmid. Foto: Ursel Gloor
Carolin Schmid und Sophia Pfisterer als Blitz Burgl und Sonnen Res inspirieren sich gegenseitig in ihrem Spiel, dass es eine Augenweide ist den beiden zuzusehen. Als Zwirn den beiden auf die Schliche kommt, ist die Lösung seines Problems nah. Zwirn stiehlt den beiden Wettermacherinnen die Taschen mitsamt den Wetterfläschen. Er muss die Verlobung mit allen Mitteln verhindern! Oder soll sie besser gesagt buchstäblich ins Wasser fallen? Bene ist der Inbegriff einer Schlaftablette, so einen Schwiegersohn, den kann und will er sich nicht vorstellen.

Gitti Engelhard und Marinus Ausfelder. Foto: Ursel Gloor
„Der hat so viel Energie wie eine ausgezuzelte Weißwurschthaut“ kommentiert er die Wahl seiner Tochter. Diese will aber endlich unter die Haube kommen. „I fang scho das Riechen an, so reif bin i“, beschwört sie verzweifelt ihrem Vater. Und dazu noch die Schwiegermutter! Für Gitte Engelhart als Fichtbäurin ist die überkanditelte Odeltür (Haute-Couture) Anhängerin wieder eine Paraderolle, in der sie die komplette Bandbreite ihres komödiantischen Könnens ausspielen kann. Mutter Lena (Conny Floßmann) hingegen würde ja lieber den Luca für ihre Tochter bevorzugen, einen bayerischen Knecht mit italienischen Wurzeln – quasi eine Mischung aus „Charivari und Stradivari“. Domenikus Wegmann tritt bei seinem Bühnendebüt in die Fußstapfen seines Vater Johannes Wegmann und überzeugt auf ganzer Linie.

Hans Schrädler mit Magdalena Bartosch und Franz Manhart. Foto: Ursel Gloor
Wer steht den noch zur Auswahl? Der ständig über das Wetter jammernde, ungepflegte Wuisler, ein eingeschworener Junggeselle, dem der Unterschied zwischen „Seifenduft und Leichengruft“ völlig unbekannt ist! Marinus Ausfelder „wuiselt“ sich gekonnt durchs Stück. Sonst ist Ausfelder immer in Rollen als findiger Knecht oder jugendlicher Liebhaber zu sehen, agiert er dieses Mal ganz gegen seinen Typ, dennoch perfekt besetzt.
Welches Flascherl nehm ma denn?
So, wie war das doch gleich? Flasche entkorken, Pulver auf die Hand und wegblasen. Fertig ist der Wetterzauber. Zirn kann sich nicht entscheiden. Nimmt die ganze Palette schlechten Wetters: Regen, Hagel, Graupel und ein bißchen Schnee darf auch nicht fehlen. Was er dadurch entfesselt, das hat er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Das Wetter spielt verrückt. Was kann jetzt noch helfen?
Ein „donnergewaltiges“ Stück das rasant Fahrt aufnimmt und dadurch mehr als kurzweilig ist. Das Publikum wird durch Wortwitz und der Situationskomik zu fast nicht enden wollenden Lachsalven getrieben. Und so ist es nicht zu verdenken, dass die Schauspieler ein scheinbar nicht aufzuhörende Applaus als wohlverdienten Lohn erhalten.
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