Cecilia Bartoli

Ein Weltstar zu Gast in Miesbach

Gab ein umjubeltes Konzert in Miesbach: Cecilia Bartoli. Foto: Decca Classics, Uli Weber

Konzert in Miesbach

Sie war leibhaftig da, stand strahlend in ihrem apricotfarbenen Abendkleid im Festsaal des Waitzinger Keller und begeisterte ein gänzlich hingerissenes Publikum: Die große, unvergleichliche Cecilia Bartoli glänzte gemeinsam mit dem französischen Starpianisten David Fray in Miesbach bei einem Sonderkonzert im Rahmen des diesjährigen Internationalen Musikfestes am Tegernsee.

Schon vor Beginn des Konzerts war eine freudige, erwartungsvolle Anspannung im Foyer des Kulturzentrums zu spüren. Kenner, Liebhaberinnen und Fans der gefeierten Mezzosopranistin strömten sommerlich elegant gekleidet und angeregt plaudernd die Treppen hoch in den Saal. Voll besetzt war dieser und das Publikum bestens gelaunt. Auch Helge Augstein, der langjährige künstlerische Leiter des Musikfests, zeigte sich bei seiner Begrüßung hocherfreut und bat die Gäste, sich an die Regeln zu halten, das Smartphone aus und keine Fotos zu machen. Und das klappte auch wirklich.

Ausnahmekünstlerin

Helge Augstein war mit der Verpflichtung der ausgewiesenen Barock- und Belcanto-Spezialistin ein echter Coup gelungen. Seit mehr als 40 Jahren steht Cecilia Bartoli höchst erfolgreich auf allen großen Bühnen der Welt und erlebt eine atemberaubende, schier unglaubliche, von konstanter Qualität geprägte Karriere. Seit 2012 ist sie Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele und leitet seit 2023 die Oper in Monaco. Und nun gastierte diese Ausnahmekünstlerin in Miesbach. Wie sagte doch ein Herr auf der Treppe: „Und so jemand ist jetzt bei uns im Oberland.“

Canzoni d`Amore

Koloraturen gehen Cecilia Bartoli seit jeher mühelos über die Lippen. Durch ihren gewaltigen Stimmumfang von über zweieinhalb Oktaven begeistert sie mit ihrer dunklen, klaren Stimme und ihrem charakteristischen Timbre bei Opern, Konzerten, Liederabenden ihr Publikum. Gemeinsam mit David Fray, ihrem einfühlsamen Klavierpartner, der stets mit der Sängerin in Kontakt und passgenauer Abstimmung agierte, bot die Künstlerin unter dem Titel „Canzoni d`Amore“ ein Konzert der Extraklasse.

Stille und Applaus

Kurzen Liedern von Alessandro Scarlatti und Alessandro Parisotti folgte Tommaso Giordanis „Caro mio ben“. Sanft und zart haucht die gebürtige Römerin zunächst „Meine teure Geliebte, glaub mir zumindest, dass ohne dich mein Herz vergeht“, bevor sie entschlossen und sehnsuchtsvoll klagt: „Dein Getreuer seufzt fortwährend; hör auf, du Grausame, mit solcher Unnachgiebigkeit!“ Schließlich folgt im 1. Teil noch Georg Friedrich Händels berühmte Arie: „Lascia la spina“, die Cecilia Bartoli in höchsten Tönen und tief empfundenen Gefühlen singt: „Lass die Dornen, pflücke die Rose.“ David Fray begleitet sie sanft und betont langsam. Atemlose Stille im Saal. Dann tosender Applaus.

Ein Konzert der Extraklasse

Drei Solostücke spielt der Pianist während des Konzerts, und die Sängerin genießt diese auf einem bequemen Sofa auf der Bühne. Zu hören sind zwei Sonaten von Alessandro Scarlatti und später Franz Schuberts „Impromptu D 899“ (op.90 von 1827). Mit großem Gefühl und intensiver Hingabe versenkt sich David Fray in die Komposition und besticht mit seiner Virtuosität.
Immer wieder folgen Lieder von Gioachino Rossini. Da gibt es die drei temperamentvollen, ausdrucksstarken Lieder „La regata veneziano“ und das „Waisenmädchen aus Tirol“. Ohne Eltern fleht es einsam und arm den Passanten zitternd an. Die Sängerin gestaltet den Schmerz mit großer Gefühlsbreite, moduliert ihre Stimme und glänzt mit diversen Verzierungen. Das „spanische Liedchen“ lässt sie lebhaft dahinfließen bis sie zuletzt als Rosina aus dem Barbier von Sevilla (1816) mit „Una voce poco fa“ in Callas-Manier trällert, lockt und mit Koloraturen spielt, gurrt und lacht.

Standing Ovations

Das Publikum dankt der Primadonna assoluta des Belcanto mit Standing Ovations und rhythmischem Klatschen und wird mit drei wunderbar gestalteten Zugaben belohnt. So geht in Miesbach nach 90 Minuten ein ganz besonderer Abend mit einem Feuerwerk von Emotionen und Gesangskunst zu Ende.

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