Ferien für die Ohren

Wer nach Italien reist (hier der Strand von Saubaudia, Latium), der sollte auch die Klassiker des italienischen Schlagers hören, so unsere Musiktipps: Vom Blau des Himmels singt etwa Adriano Celentano in „Azzurro“. Foto: Andreas Wolkenstein

Musiktipps unserer Autorinnen und Autoren

Essentiell für eine erfolgreiche Urlaubsreise ist gute Musik. Sie macht lange Autofahrten erträglich und liefert die akustische Untermalung lauer Sommerabende. KulturVision stellt hier die ultimative Playlist (nicht nur) für den nächsten Urlaub zusammen.

Ganz viele Menschen nutzen die Zeit um Pfingsten, um eine Urlaubsreise anzutreten. Nicht selten ist es die erste größere Reise im Jahr, häufig geht es dabei gen Süden. Vielleicht ergeht es da dem ein oder der anderen so ähnlich wie dem Autor dieser Zeilen: Essentiell für einen erfolgreichen Urlaub ist gute Musik, egal ob zum Mitsingen auf langen Autofahrten oder für entspannte Sommerabende tief im Süden. Wie grundsätzlich Musik das Leben in allen Lagen begleitet, ergänzt, vertieft, ausdrückt. Hier kommen Tipps für die KulturVision-Playlist, die (nicht nur) beim nächsten Urlaub nicht fehlen darf – zusammengestellt von unseren Autorinnen und Autoren.

Italienische Schlager als Musiktipps

Für Verena Wolf geht nichts über italienische Musik. „Italienische Musik“, schreibt sie, „das ist für mich ein wahres Lebenselixier. Tatsächlich hat diese Liebe mit Conny Froboess und dem an sich unsäglichen Schlager ‚Zwei kleine Italiener‘ angefangen. Da war ich etwa sieben Jahre alt, aber es gab da diese eine Zeile ‚Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein, doch zwei kleine Italiener möchten gern zu Hause sein‘, und das hat mich gepackt, das war ich. Ich wollte auch in Italien zu Hause sein!
‚Schuld‘ daran waren meine Eltern: Jedes Jahr waren wir im Sommer an die Adria. Wir haben in Cesenatico im schönen Hotel Lido gewohnt – direkt am Strand und bis heute ein innerer Sehnsuchtsort. Denn das Hotel gibt es längst nicht mehr, das Meer ist auch durch Wellenbrecher gezähmt, und ich – bin erwachsen geworden.
Ganz verloren aber ist das Kindheitsparadies nicht. Ich habe einen Stick, auf dem ich meine Lieblingsschlager gesammelt habe: Rita Pavone, Patty Bravo, Gianna Nannini, Zucchero, Adriano Celentano, Toto Cutugno, Umberto Tozzi, Alice, Ricchi e Poveri, Eros Ramazotti und viele mehr. Dazu passen für mich perfekt U2 & Luciano Pavarotti (Miss Sarajevo; Spotify), Angelo Branduardi, ein paar wenige Opernarien und etwas Volksmusik.
Letztes Jahr bin ich zufällig in Jesi (Marken) in eine Aufführung von ‚La Bohème‘ im dortigen Teatro Pergolesi geraten und so habe ich etwas entdeckt. Es gibt in Italiens kleineren Orten wunderbare Opernhäuer aus dem 18. Jahrhundert, in denen man mit viel Herzblut, fanatischer Spielfreude und unverbrauchten Stimmen das Leben feiert.“

Einzigartige Musik

Unsere Autorin Ines Wagner brennt darauf, so schreibt sie, die beiden Alben zu empfehlen, die sie durch alle Jahreszeiten tragen: „Ich möchte den Leserinnen und Lesern die beiden hochspannenden Alben ‚Nozomi‘ (2025; Spotify) und ‚MMMMh‘ (2022; Spotify) von Masako Ohta und Matthias Lindermayr ans Herz legen. Die Pianistin und den Jazztrompeter vereint die Lust am Improvisieren. Und sie haben mit ihrem gemeinsamen Projekt wahre Klangwunder erschaffen, von denen man sich durch Zeit und Raum tragen lassen und träumen kann. Beide Alben haben zahlreiche Preise eingeheimst, unter anderem wurde „MMMMh“ unter die „Top Ten der besten Jazz-Alben 2022“ aufgenommen und „NOZOMI“ erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie „Grenzgänge“ – worüber ich mich sehr gefreut habe. Quer durch Deutschland und Japan ist das kongeniale Duo getourt – auch am Tannerhof haben sie gespielt, beim ersten Album sogar das Pre-Release-Konzert, wo ich erstmals diese einzigartige Musik hörte. Sie begleitet mich bis heute.

Masako Ohta und Matthias Lindermayr
Musik, die begeistert, begleitet einen mitunter lange Zeit. So hat es Ines Wagner mit dem Duo Masako Ohta (links) und Matthias Lindermayr erlebt, hier 2025 im Tannerhof. Foto: Ines Wagner

Udo Lindenberg

Einen runden Geburtstag nimmt Volker Camehn zum Anlass für seinen Musiktipp: „Weil er ja gerade 80 wurde: Udo Lindenbergs Texte und Kompositionen sind, gerade was sein Frühwerk betrifft, gar nicht hoch genug einzuschätzen. Geschichten erzählen, in einfacher Sprache und gerade deshalb so berührend und anregend. Das, was da so locker-leicht rüberkommt, ist große Wortkunst, während der Gesang in charmanter Art rhythmisch, geschult an seinem Instrument, dem Schlagzeug, daherkommt. Verse scheinbar ohne Maß und deshalb immer auf dem Punkt. Diese Songs zu schreiben – das müssen Kraftakte gewesen sein, so unakademisch-präzise sie daherkommen. Meine Alben-Tipps: ‚Alles klar auf der Andrea Doria‘ (Spotify), ‚Ball Pompös‘ (Spotify) und ‚Votan Wahnwitz‘ (Spotify). Der Rest ist Achterbahn.“

Spannende Mischung

Playlists bestechen dadurch, dass sie eine Vielzahl an unterschiedlichen Künstlern und Genres ermöglichen. Hier hat die Möglichkeit des Streamens eine deutliche Vielfalt und Flexibilität ins Musikhören gebracht, egal, was man sonst davon halten will. Unsere Autorin Kerstin Brandes nutzt dies, um ganz verschiedene Stile auf die Playlist zu packen: „Müsste ich mich beschränken – das klassische Beispiel: Aufenthalt auf einer einsamen Insel – dann wäre Bach und das „Wohltemperierte Klavier“ (Spotify) sowie Radiohead (‚Amnesiac‘ – vermutlich mein liebstes Album, neben ‚A Moon Shaped Pool‘; Spotify) auf jeden Fall im Gepäck. Die gehen irgendwie immer, egal, ob als Hintergrundmusik oder ganz bewusst mit Kopfhörer. Sie helfen mir beim Entspannen, beim Konzentrieren und sind inspirierend.
Zum Arbeiten, in meinem Fall Malen & Zeichnen, höre ich immer mal wieder gerne Musik. Früher war das meist etwas von Sting oder Queen und vor allem Mozarts Requiem. In letzter Zeit habe ich jedoch Chilly Gonzales mit ‚Solo Piano‘ (Spotify) im Ohr, ein Album von 2004 (!). Habe es jetzt erst entdeckt – welch Glück! Warum? Reinhören! Auch Kruder & Dorfmeister ‚1995‘ höre ich gern (Spotify) – wie akustische Meditation für mich. Im September sind die beiden für zwei Konzerte in München und mein Ticket ist bereits gesichert, samt der Vorfreude. Und schließlich höre ich Rob Simonsen ‚The Whale‘ (Spotify) – ist zwar ‚nur‘ Filmmusik, stellenweise unsagbar düster und theatralisch, aber schön zum Eintauchen & Abtauchen.

Das Leben genießen

KulturVision-Chefin Monika Ziegler hat für ihren Musiktipp ein besonderes Lied im Kopf – und das passt, schreibt sie, gut zu ihrer aktuellen Stimmung: „‚Le temps de vivre‘ von Georges Moustaki (Spotify). ‚Nous prendrons le temps de vivre‘ und ’sans projets et sans habitudes, nous pourrons rêver notre vie‘. Vor etwa 35 Jahren haben mich Schülerinnen zu einem Konzert von Georges Moustaki eingeladen, schon damals liebte ich dieses Lied und auch andere von ihm und wir standen am Bühnenrand und waren hingerissen von ihm.“ Und jetzt werde es Zeit, die Botschaft in die Tat umzusetzen, schreibt Monika Ziegler – aus dem Urlaub.

Musiktipps als Inspirationsquelle

Verlass in Sachen Inspiration sei auf Jakob Collier, ist sich Autorin Karin Sommer bei ihren Musiktipps sicher. „Nicht nur, weil er ein begnadeter Musiker ist und ganze Stadien zum Singen bringt, sondern weil er so immens viel Freude ausstrahlt, egal an welchem Fleck der Welt er gerade Musik macht. Besonders schön: „Fix you“ mit Chris Martin 2024 in London (Youtube).
Für die Momente, in denen alles zuviel und gleichzeitig zu wenig erscheint, empfehle ich „Surreal AI Film, The House that waited for us“ (Youtube). Es erinnert mich an meinen ganz eigenen inneren Rhythmus und an die Möglichkeit, irgendwann einmal zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückzublicken.“

Klangstürme – im Auto und live

Musik auf Playlists bei langen Autofahrten zu hören ist eine wunderschöne Sache. Nicht weniger schön ist es freilich, die Musik selbst live bei einem Konzert zu erleben. Doch warum nicht beides? Autorin Isabella Krobisch hat einen passenden Tipp: „Als Solistin auf der Diskant-, Alt- und Basszither erkundet Sarah Luisa Wurmer (*2002) Verbindungen zwischen Alter und Neuer Musik. Die Fanny Mendelssohn Förderpreisträgerin 2025 studiert derzeit an der Hochschule für Musik und Theater München und erweiterte ihr Repertoire bei einem Auslandssemester um die mongolische Wölbbrettzither ‚Yatga‘. Ihr Spiel bewegt sich zwischen Tradition, Zeitgeist und transkulturellen Klangwelten. Die phänomenalen Klangstürme auf der Zither sind zu hören auf der CD ‚INTIMACY‘, erschienen bei C2 Hamburg, mit Werken von Johann Sebastian Bach, Dorothea Hofmann, Leon Zmelty, Eva Kuhn, Julius von Lorentz und Steve Reich. Live zu erleben ist Sarah Luisa Wurmer am 23. Oktober 2026 um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Waitzinger Keller in Miesbach, wenn sie gemeinsam mit Eva Kuhn, Alexander F. Hooper und Lisa Schöttl das Konzert ‚Traum der eignen Tage‘ im Rahmen des Projektes ‚zeitgelöst‘ gibt.“


Sarah Luisa Wurmer spielt im Oktober 2026 im Waitzinger Keller. Foto: CD-Cover, Isabella Krobisch

Live im Netz

Livemusik findet auch Fotografin Petra Kurbjuhn spannend – und genießt die Möglichkeit, Konzerte im Internet anschauen zu können: „Immer wieder freue ich mich, Videos von Auftritten ‚meiner‘ beliebten Musik-Genres- und Künstler auf Youtube anzuschauen. Zu sehen, wie das Publikum mitgeht gibt eine besondere Atmosphäre und vermittelt ein ‚Dabeisein‘. Ich mag Carol King sehr (etwa ‚You`ve Got a Friend‘ oder ‚Will you Still Love me Tomorrow‘), deshalb habe ich ein Video zu ihr ausgewählt, auch weil einmal mehr die großartige Aretha Franklin als ‚Ehrende‘ am Flügel sitzt. Sensationell! Sie singt ‚You Make Me Feel Like‘ (Youtube) als herzliche Hommage an Carol King bei den ‚Kennedy Center Honors 2015‘. Die Kennedy Center Honors sind eine der höchsten Auszeichnungen für darstellende Künste in den Vereinigten Staaten. Jährlich werden einige Künstler ausgewählt und für ihr Lebenswerk und ihren kulturellen Beitrag mit einer glanzvollen Gala geehrt.“

Musiktipps nicht nur für den Urlaub

Wer all diese Songs und Interpreten auf eine Playlist packt und anhört, kommt damit schon ganz schön weit. Der Autor dieser Zeilen ist aktuell selbst unterwegs auf dem Balkan, ist die Adria entlang weit in den Süden nach Montenegro gefahren. Mit dabei war – wie bei allen Urlauben – eine Familien-Urlaubsplaylist, die jedes Jahr neu zusammengestellt wird. Die Playlist ist stets bunt, von den Vorlieben aller Familienmitglieder geprägt und trägt die Mitreisenden durch die teils langen Autofahrten. Hört man nach den Urlauben dann eines dieser Lieder im Radio, kommt sofort das Urlaubsgefühl wieder auf, ein schöner Post-Urlaubseffekt. Aufgrund des diesjährigen Reiseziels möchte der Autor zum Schluss Weltmusik empfehlen und dabei besonders die sagenhafte Musik vom Balkan. Die verbindet Elemente aus verschiedenen Kulturen und Zeiten und ist für jeden Anlass geeignet – für’s Tanzen genauso wie für’s Träumen, für glückliche Momente ebenso wie für traurige. Und als Weltmusik ist sie wiederum offen für andere Genres und Stile, bekannt ist etwa das Projekt BalkanBeat des bosnisch-deutschen Musiker Robert Soko. Wenn es ein konkreter Tipp sein soll, wie wäre es dann mit dem Berliner „Emigrantski Raggamuffin“-Projekt „Rotfront“ (am besten mit dem Stück „B-Style“)? Weltmusik vom allerfeinsten und vor allem mit äußerst tanzbarem Rhythmus. Unbedingt hörenswert!

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