Sind wir nicht alle gerade auf Expedition?

Arktis

Begeisterung für die Arktis: Birgit Lutz. Foto: Thomas Ulrich

Online-Gespräch in Schliersee

Erstaunliche Parallelen zwischen dem Leben in Coronazeiten und arktischen Expeditionen zeigte Birgit Lutz in einem Online-Gespräch auf, das sie am Mittwochabend mit Ann-Katrin Ranft führte. Die Zuschauer erfuhren aber auch, wie man sich vor Kälte schützt und wie Mut mit Dummheit zusammenhängt.

Birgit Lutz aus Schliersee ist hart von Corona betroffen. Keine Vorträge, keine Expeditionen. Ebenso ausgebremst ist das medius – medizinische fitness Studio von den Einschränkungen. Ann-Katrin Ranft von medius war begeistert, als sie das erste Buch von Birgit Lutz in die Hände bekam, obwohl sie, wie sie sagte, mit Schnee, Kälte und Arktis-Einsamkeit nicht so viel am Hut hätte.

Jetzt also taten sich die beiden zusammen und erzählten unter dem Titel „Stark im Schnee – oder sind wir nicht alle gerade auf Expedition?“ in lockerer Atmosphäre über ihre Erfahrungen. Denn auch Ann-Katrin Ranft war schon unterwegs, allerdings nicht im Eis, sondern in der Wüste. Aber ebenso wie Birgit Lutz „Unterwegs mit wilden Kerlen“, so der Titel eines der erfolgreichen Bücher der Arktisreisenden.

In der Arktis
Auf dem Weg zum Nordpol. Foto: Birgit Lutz

Woher kommt die Begeisterung für die Arktis bei der Journalistin der Süddeutschen Zeitung Birgit Lutz? Christoph Ransmayers Buch „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ war der Auslöser. Die Beschreibung der Payer-Weyprecht-Expedition zum Nordpol habe sie gereizt, sich intensiv mit dem Thema zu befassen und habe den Wunsch geweckt, selbst aufzubrechen.

Zudem, so erzählte Birgit Lutz habe sie das Drumherum interessiert, wie bereitet man sich vor, was nimmt man mit, um eine lange Zeit im Eis verbringen zu können. Letztlich sei es ihr gelungen, bei einer Eisbrecherfahrt mitzufahren.

Am Nordpol
Das Eis, das Licht. Foto: Birgit Lutz

„Das war der Hammer, eine komplett neue Welt, das Eis, das Licht“, sagt sie. Mit dem Schweizer Abenteurer Thomas Ulrich ging sie dann los. „Es war mein tiefstes Anliegen, dort zu stehen, wo Amundsen und die anderen Nordpolforscher waren.“

Aufgrund ihrer Reportage interessierte sich ein Verlag für ihre Erfahrungen und Birgit Lutz schrieb ihr erstes Buch, dem weitere folgten. Inzwischen ist sie gefragte Referentin und Expeditionsleiterin.

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Von Thomas Ulrich lernte sie, wie eine Tour zu planen ist. Das müsse äußerst gewissenhaft vorbereitet werden und auch die Zusammensetzung der Gruppe müsse stimmen. Bei einer Tour wurde es problematisch, weil ein Teilnehmer zu langsam war und ein zweiter Angst hatte. Kein Wunder, denn das Eis ist ständig in Bewegung und die Eisdicke nahm in den vergangenen Jahren beträchtlich ab. Die beiden wurden dann am vierten Tag der Tour ausgeflogen.

In der Arktis
Die Herausforderung der Arktis. Foto: Birgit Lutz

Birgit Lutz zeigt ein Video, wie sie sich mit ihrem Schlitten durch die Eiswüste kämpft, auch aufgetürmte Eismassen und Spalten müssen überwunden werden. Wenn dazu noch Sturm kommt, wird es sehr ungemütlich.

Aber sie sei gut vorbereitet, antwortet sie auf eine Frage von Ann-Katrin Ranft. Mit umfangreichem Training meisterte sie die Herausforderung. Am wichtigsten dabei sei, dass man den Willen habe, das Ziel zu erreichen. Dass sie eine Frau sei, spiele dabei keine Rolle. „Jeder muss dasselbe machen, Schlitten ziehen, Zelt bauen.“

Zelt in der Arktis
Zelt bauen im Eis. Foto: Birgit Lutz

Der Kälte begegne man am besten ganz aufrecht, nicht geduckt. „Es geht um die Einstellung.“ Und um die Vorbereitung. Sie kenne den Satz: „Zwischen Mut und Dummheit besteht ein Zusammenhang“, den wolle sie umformulieren. Für sie bestehe der Zusammenhang zwischen Mut und Vorbereitung.

Am Ende des Gesprächs zeigt sie die vier Paar Handschuhe, die sie übereinander zieht, die Schuhe, den Schlitten, die Skier, alles muss passen.

Bei ihrer Expedition quer durch Grönland indes habe sie Fehler gemacht. Zum einen habe sie die Länge der Tour unterschätzt und zum zweiten, dass sie ohne Expeditionsleiter mit einem Freund unterwegs war und alles selbst verantworten musste.

Spuren in der Arktis
Spuren im Eis. Foto: Birgit Lutz

Inzwischen hat Birgit Lutz ein neues Projekt gestartet. Der in der Arktis ankommende Plastikmüll beschäftigt sie. Gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven sammelt sie in der Arktis Müll, zählt, wiegt und klassifiziert ihn. Mit diesem Projekt ist sie insbesondere an Schulen unterwegs und zeigt Fotos von Bären und Robben, gefangen in Müll.

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Insgesamt aber sei für sie die Leidenschaft für das Eis ungebrochen. „Man ist in einer Dimension, ohne Ablenkung, die Sinne werden schärfer, man muss immer ganz wach sein.“ Bei einer Expedition sei man in einem geschlossenen System, wo man nicht auskomme. Und so habe sie auch Corona empfunden.

Auch in der Zeit des Lock-down sei man auf sich selbst zurückgeworfen, in einem geschlossenen System, mit wenig Ablenkungen und mit denselben Menschen. „Das ist anspruchsvoll, da kann man auch mal überreagieren“, sagt sie.

Erfolgreich sei beides dann, wenn man eine Struktur habe. „Ich bin gespannt, was diese Erfahrung mit uns machen wird.“

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