
Einsam ist man sehr alleine…
Einsamkeit bei Jugendlichen. Foto: pixabay
Veranstaltung in Holzkirchen
Einsamkeit ist ein relevantes gesellschaftliches Thema und betrifft alle Altersgruppen und soziale Schichten. Der 2. Holzkirchner Salon am kommenden Donnerstag widmet sich dem Thema. Das Impulsreferat hält die ehrenamtliche Seelsorgerin Ina Otto.
Denkt man an Einsamkeit, hat man das Bild der alten Frau am Fenster vor Augen. Sicher ist Alterseinsamkeit ein wichtiges Thema, aber auch Jugendliche sind betroffen. „Wir wissen noch nicht viel darüber“, sagt Maike Luhmann, Psychologin und Hochschullehrerin aus Bochum, die auch die Bundesregierung zum Thema berät, im Podcast „einfach ganz leben“ mit Jutta Ribbrock.
Dieser Podcast habe sie auf das Thema Einsamkeit aufmerksam gemacht, erzählt Ina Otto und sie habe das Buch von Maike Luhmann gelesen. In ihrem Impulsvortrag werde sie eine Grundlage für die Diskussion schaffen. Die studierte Apothekerin ist alleinerziehende Mutter. „Ich bin allein, aber nicht einsam“, betont sie.

Alleinsein kann sich gut anfühlen. Foto: pixabay
Diesen Unterschied bekräftigt auch Maike Luhmann. Alleinsein, das sei eine objektive Tatsache, wenn gerade keine Menschen um einen herum sind, „und das kann sich gut anfühlen“. Einsamkeit hingegen sei ein subjektives schmerzhaftes Gefühl, wenn man keine sozialen Kontakte habe, sie sich aber wünsche.
Sie werde die Gefährdungsfaktoren, die in Einsamkeit führen, vorstellen, sagt Ina Otto. Das seien insbesondere das Fehlen an Zeit, Geld und Energie. Armut sei ein wesentliches Hindernis, um soziale Kontakte zu pflegen, etwa in Veranstaltungen zu gehen oder sich im Café zu treffen, Reisen zu unternehmen und überall neue soziale Kontakte zu knüpfen.
Lesetipp: 1. Holzkirchner Salon zum Thema „Armut“
Aber auch wenn die Zeit und auch die Energie aufgrund eines anstrengenden Jobs fehle, wenn man alleinerziehend sei oder Angehörige zu pflegen habe, so zählt Maike Luhmann im Podcast auf, blieben die sozialen Kontakte auf der Strecke.

Einsam unter vielen Menschen. Foto: pixabay
Hinzu komme Ausgeschlossensein aufgrund von Krankheit, Behinderung oder auch Diskriminierung.
Ein wesentlicher Faktor sei die Digitalisierung, sagt die Psychologin, dies aber in kontroversem Sinne, wobei die Pandemie eine zusätzliche Zäsur gewesen sei. „Jugendliche treffen sich seltener. Zudem schaffe die weltpolitische Lage Unsicherheit, „sie fühlen sich nicht mehr beschützt“.
Andererseits aber schaffe die Digitalisierung durch Social Media auch Verbindungen. Ina Otto erzählt dazu das Beispiel ihrer Mutter, die sich über WhatsApp mit der Familie vernetzt. „Die Enkel schicken ihr Bilder und so kann sie immer Kontakt halten.“

Ina Otto mit dem Buch „Einsamkeit“ von Maike Luhmann. Foto: Uli Henking
Eindeutig sei die Handynutzung und Einsamkeit nicht definiert, sagt Maike Luhmann. „War man zuerst einsam und hat dann das Handy mehr benutzt oder war zuerst eine Handysucht da und das führte zu Einsamkeit?“
Generell aber brauche es niederschwellige Begegnungsorte, wo es kostenlose attraktive Angebote gibt. Ina Otto hat aus dem Buch „Einsamkeit“ herausgefunden, dass das Einsamkeitsempfinden global sehr unterschiedlich sei. „Es kommt darauf an, wo ich wohne.“ So sei es etwa im Rheinland viel geringer als im Nordosten Deutschlands. Auch der Unterschied Stadt – Land spiele eine Rolle.
Lieblingsmenschen
„Ich brauche zuverlässige Menschen, ich nenne sie Lieblingsmenschen“, sagt Maike Luhmann im Podcast. Und dazu sei es hilfreich sich schon präventiv für Familie und Freunde Zeit zu nehmen.
Fühle man sich schon einsam, dann sei das ein Indikator dafür, etwas zu unternehmen. „Einsamkeit ist keine Krankheit, sondern ein Bedürfnis wie Hunger und Durst“, betont sie. Wenn dieses Bedürfnis aber nicht gestillt werde, dann könne es krank machen. Das passiere oft dann, wenn der Versuch, soziale Kontakte aufzubauen, fehlschlage. „Dann gerät man in eine Negativspirale, die Psyche kommt in einen Stresszustand und in eine verzerrte Wahrnehmung.“

Einsamkeit zu zweit. Foto: pixabay
Einsam kann man sich auch fühlen, wenn man nicht allein ist. Erich Kästner hat das in seinem Gedicht „Kleines Solo“ so ausgedrückt:
Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine. Kennst das Leben.
Weißt Bescheid. Einsam bist du sehr alleine –
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Im 2. Holzkirchner Salon zum Thema „Einsamkeit“ wollen wir gemeinsam überlegen, was wir in der Marktgemeinde tun können, um der Einsamkeit zu begegnen.