„Die jungen Wilden“ – Die goldene Kunst von Anne Spahmann

Anne Spahmann malte bisher nur für sich selbst. Mit ihrer eigenen Entwicklung veränderte sich mit der Zeit auch ihre Malerei. Foto: Selina Benda.

Künstlerportrait

Sie sind außergewöhnlich, kreativ und innovativ – in der Reihe „Die jungen Wilden“ stellt die KulturVision junge Kunst- und Kulturschaffende sowie Menschen mit tollen Ideen vor, die mit ihren Werken und Persönlichkeiten die Szene aufmischen und einen mit in ihre eigene Welt nehmen. Heute im Porträt: Die zauberhafte Anne Spahmann, deren Werke in die Welt der Emotionen entführen.

Auf der Suche nach jungen, talentierten Kulturschaffenden, ist so manche Plattform der sozialen Medien eine wahre Schatzkiste. Denn selbst wenn die Menschen sonst nicht an die Öffentlichkeit treten, haben sie dort den Mut, ihre eigenen Geschichten und Werke mit einem Publikum zu teilen. In der Wiege der Anonymität auf Instagram, fühlt sich auch die Frau hinter dem Account „aureum_acquarello“ geborgen.

Doch ihre dort gezeigten Werke sind so schön, dass sie einfach nicht in der überfüllten Welt des Internets untergehen dürfen. Deshalb haben wir die Frau dahinter aus dem Versteck gelockt und freuen uns, dass Anne Spahmann mit ihren Kunstwerken hier ins Licht der Öffentlichkeit tritt.

Ein Hauch von Bronze, Gold und Silber

„Dass ich male, wissen eigentlich nicht viele Menschen. Nur meine Familie und ein paar Freunde“, sagt die sympathische Waakirchnerin. Dabei ist die 26-Jährige keine Unbekannte im Landkreis – zumindest nicht in der politischen Szene. Denn als Landkreis-Sprecherin der Jusos und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Waakirchen engagiert sie sich aktiv in der Kommunalpolitik. Außerdem studiert sie in München Kommunikationswissenschaften und Soziologie. Ziel ist eigentlich die Radio- und Fernsehbranche. Man mag das kaum glauben, wenn die nette Blondine so introvertiert vor einem sitzt. Aber dies beweist nur wieder einmal, dass jeder Mensch eben so wahnsinnig vielseitig und damit einzigartig und spannend ist.

So souverän sie in ihrem politischen Engagement ist, so zurückhaltend spricht Anne Spahmann noch über ihre Kunst. Dabei muss sie sich dafür eigentlich nicht hinter dem sorgfältig gewählten Instagram-Namen verstecken. Aureum – lateinisch für Gold – ist nämlich ihr Markenzeichen. Auf fast jedem ihrer Bilder findet sich ein Strich, Punkt oder Klecks von Blattgold wieder. Ist es nicht Gold, dann zumindest Silber oder Bronze. „Etwas Metallic ist immer dabei, das macht es einfach besonders“, erklärt die 26-Jährige.

Der zweite Teil ihres Künstlernamens ist acquarellum und steht für die Maltechnik, mit der sie bereits im Teenageralter ihr ersten Werke schuf. „Ich habe mir mit 15 Jahren zu Weihnachten ein Aquarell-Set gewünscht“, erinnert sie sich. Doch die anfängliche Begeisterung hielt nicht lange an. Denn obwohl ihr die Effekte der zarten Farben und Pinselstriche gefielen, war sie nicht zufrieden mit ihren ersten Bildern. „Das hat mich so frustriert, dass ich danach erst einmal jahrelang aufgehört habe zu malen“, lacht sie heute über ihren damaligen Perfektionismus.

Manchmal braucht es erst eine Zeit der persönlichen Entwicklung, bevor die Kunst so fließen kann, wie es einem selbst gefällt. Und so brauchte es bei der Waakirchnerin sogar fast zehn Jahre, bis sie die Pinsel wieder in die Hand nahm.

Anne Spahmann 2Mit Aquarellen begann die 26-Jährige ihre Kunstlinie. Gefällt ihr ein Motiv, malt sie es auch mehrmals. Immer mit auf dem Bild – ein Hauch von Metallic. Foto: Selina Benda

Kräftige Farben und echte Emotionen

Zum Beginn der Corona-Pandemie zog Anne wieder nach Hause zurück. Nach ihrem anfänglichen Soziologie-Studium in Frankfurt, wollte die Waakirchnerin wieder in ihre Heimat und dort fand sie in den Tiefen ihres Schrankes tatsächlich ihr altes Aquarell-Malset wieder. „Das war zu dieser Zeit meine Zuflucht“, erzählt sie. Und die Liebe zum Malen flammte tatsächlich wieder auf und wurde für die sensible Frau ein wichtiger Kanal, um ihre Emotionen verarbeiten und ausdrücken zu können. Seitdem ist dies ihr liebstes Hobby und auch eine Art der Selbsttherapie für sie geworden. Ein markantes Merkmal neben den Metallic-Elementen sind die kräftigen Farben, die Spahmann benutzt. Sogar die zart gemalten Aquarelle springen einem mit bunter Colour sofort ins Auge.

Zu Beginn hatten es der Waakirchnerin deshalb auch Obst und Gemüse als Modelle angetan. „Da gibt es so viele tolle Farben, das musste ich einfach malen“, erzählt sie etwa von ihrem ersten Bild, das verschiedene Chilischoten zeigt. Und dann malte sie sich einmal quer durch das Sortiment des Gemüsehändlers im Ort. „Ich habe mir sogar einmal zu Weihnachten ganz besonders schöne Tomaten verschiedenster Sorten schenken lassen von meiner Mutter. Das hätte ich selbst nicht geglaubt, dass man sich so darüber freuen kann“, lacht sie.

Mit einer unfassbaren Präzision und Schönheit entstanden so die ersten Bilder, die in ihrer Perfektion den Anschein von Illustrationen erwecken. In einem kleinen Skizzenbuch probiert sie Farbmischungen aus, schreibt sich kritische Notizen zu kleinen Probezeichnungen auf. „Für mich ist keines meiner Bilder perfekt“, sagt sie. Weshalb zunächst alle Werke nur im Schrank landeten, bis Freunde sie ermutigten, die Kunstwerke doch zumindest auf Instagram zu zeigen.

Anne Spahmann 3Die kräftigen Farben von Obst und Gemüse faszinierten die Waakirchnerin sofort. So entstand eine ganze Reihe von Illustrationen mit Chili, Kürbis und Co. Foto: Selina Benda

Pure Emotionen ersetzen Perfektion

Doch schon bald sollte die Perfektion ersetzt werden – durch pure Emotionen, Menschen und Begegnungen. Denn wie sie sich selbst entwickelte, veränderte sich auch die Art und Weise von Spahmanns Kunst. Die feinen Linien und bedachten Pinselstriche wichen mehr und mehr dem puren Ausdruck ihrer Gefühle. Heraus kamen dabei die ersten Werke, die einen beim Betrachten die volle Wucht der Emotion spüren lassen. Eine Umarmung zweier Menschen – so innig, dass man sie förmlich am eigenen Leib spüren kann – in der Umgebung einer durch Aquarelltupfen erschaffenen Traumwelt.

Gefällt ihr ein Motiv, malt sie dieses auf verschiedenste Art und Weisen auch mehrmals. Über die Zeit probierte sie sich auch mit Pastellkreide aus und ist nun bei Acrylfarben gelandet. „Ich wollte gröbere Striche zeigen, Strukturen besser rausarbeiten und das geht mit Acryl so viel besser“, erklärt sie. Und so entstehen derzeit kraftvolle, knallige Bilder, die je nach Gemütszustand definiert und gegenständlich oder eben wild und fiktiv sind.

Anne Spahmann 5Derzeit malt Anne Spahmann vorwiegend mit Acrylfarben und die definierten Pinselstriche sind kraftvollen Strukturen gewichen. Foto: Selina Benda

Realistische Kunst, die sich entwickelt

Die Pinsel sind Spachteln gewichen und die Gedanken an Perfektion dem Verarbeiten von Emotionen. „Wenn ich ein Motiv oder Gefühl in mir habe, dann muss das auch sofort raus“, erzählt die Waakirchnerin. Nicht selten kommt es dann vor, dass sie mitten in der Nacht vor ihrer Staffelei steht und wie wild auf der Leinwand arbeitet. „Meistens bin ich im Nachhinein dann länger mit putzen beschäftigt, als mit dem Malen selbst“, gibt sie lachend zu. Doch wer jetzt denkt, die zurückhaltende Blondine hört sich dabei klassische Musik an, der irrt gewaltig. Metal und Rock schallt dann durch die Wohnung unterm Dach. „Es muss richtig energetisch sein, sonst kommen die Emotionen nicht richtig raus“, erklärt Anne.

So werden die Gemälde nun größer, flächiger und emotionaler, weniger definiert als bisher. Ihr jüngstes Werk zeigt in moderner Art und Weise die zwei Seiten des Lebens auf – dunkel und hell, negativ und positiv, Wut und Freude zugleich. „Kunst muss nicht schön, harmonisch oder realistisch sein“, sagt die 26-Jährige. Über Kunst soll sich auch gestritten werden, sie soll Kontraste aufzeigen, sich entwickeln. Und genau das tut sie auch bei Anne Spahmann, die sich nun in ihrer Kunst wiederfindet und diese auch mit der Öffentlichkeit teilt – und dafür können wir uns nur bedanken.

Die Malerin findet sich und ihre Emotionen jetzt in ihren Werken wieder – und zeigt dies nun auch. Foto: Selina Benda

Lesetipp: „Die jungen Wilden“ – Übersicht   

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