
Jenseits des Augenblicks
Seelenmeer und Jazz. Foto: Petra Kurbjuhn
Ausstellung in Miesbach
Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung meldet sich Stephan Mundi im Landkreis Miesbach zurück. Im Kulturzentrum Waitzinger Keller zeigt er unter dem Titel „Jenseits des Augenblicks“ Bilder, die es in sich haben.
Sie fallen durch ihre kräftigen Farbflächen, oft umrandet von schwarzen Linien auf. Der Stil ist durch abstrakten Expressionismus mit surrealen und kubistischen Einflüssen zu umreißen. In ein Schema aber lässt sich der Künstler nicht pressen. Er fand seine eigene markante, facettenreiche Handschrift.
Er wurde 1971 in Tegernsee in eine ungarisch-bayerische Künstlerfamilie geboren. Großvater Adalbert „Béla“ Mundi, ein bekannter Musiker und Landschaftsmaler, führte ihn in Kunst und Musik ein. Mit fünf Jahren schon spielte er Geige, später kamen Klavier und Gesang hinzu. Aber der Großvater lehrte ihn auch mit Farbe, Pinsel und Spachtel umzugehen und entdeckte bereits bei dem Zwölfjährigen das Talent für abstrakte Malerei.
Aber zunächst war er 25 Jahre als Musiker und Komponist mit eigenen Bands auf Tournee, bis 2011. Dann zwangen ihn gesundheitliche Probleme, die Musik aufzugeben, und er wandte sich wieder der Malerei zu. Mit seinen Bildern fand er nationale und internationale Anerkennung, hatte Ausstellungen in der Schweiz und Italien, sogar bis New York.

Stephan Mundi und Miesbachs Bürgermeister Dr. Thomas Acher. Foto: Petra Kurbjuhn
Im Landkreis Miesbach, so berichtete Laudatorin Monika Ziegler von KulturVision bei der Vernissage, sei er sogar von der Politik entdeckt worden. Der damalige Landrat Wolfgang Rzehak hatte in seinem Büro ein Bild von ihm hängen. Miesbachs Bürgermeister Thomas Acher, der von der Stadtratssitzung noch herbeieilte, zeigte sich auch beeindruckt von den Werken.
Stephan Mundi aber habe sich nicht nur als Künstler einen Namen gemacht, sondern sich auch in die regionale Kunstszene eingebracht. So sei er an der Ausstellung „Hibatzld“ in Gut Kaltenbrunn beteiligt gewesen und habe die Webseite für die Offenen Ateliertage im Landkreis Miesbach kreiert.
So sei es für den Landkreis ein herber Verlust gewesen, als der Künstler 2021 mit seine Frau nach Bad Kissingen zog. Auch dort engagiert sich Stephan Mundi in der Kunstszene und ist 2. Vorstand der dortigen Künstlervereinigung: ART97688 Bildende Kunst Bad Kissingen e.V.

Lurking Fear und Tonalli.exe. Foto: Petra Kurbjuhn
Mit seinen Einzelausstellungen „Durch den Spiegel“ und „Wanderer zwischen den Welten“ erntete er große Anerkennung. Die Titel dieser Ausstellungen, so die Laudatorin, erinnern an „Alice im Wunderland“. Sie sagte: „Stephan Mundi geht mit Alice durch den Spiegel und betritt eine Zwischenwelt. Das bedeute, dass er die äußere mit seiner inneren Welt verbinde. Die Entstehung der Kompositionen aus farbigen Bildflächen gehe auf die Gefühls- und Wahrnehmungswelt des Künstlers zurück. „Er lässt uns teilhaben an diesem Prozess und schafft Räume für eigene Wahrnehmungen und Emotionen des Betrachters.“
Viele Bilder haben dunkle Linien zur Trennung der Farbflächen oder als zusätzliches bildnerisches Element. Diese Technik geht zurück auf Glasmalerei mit Bleiruten an Kirchenfenstern oder japanische Farbholzschnitte. Sie wurde wieder entdeckt in der gegenständlichen Malerei des Cloisonismus in Frankreich. Später findet sie sich in der abstrakten Malerei von Fernand Legér, Keith Haring oder auch Kandinsky.

Monika Ziegler hielt die Laudatio. Foto: Isabella Krobisch
Diese Linien weckten Assoziationen zu Figürlichem. „Ich sehe breitschultrige Männer mit kleinen Köpfen, ich sehe ein Gesicht, eine eilige oder fliehende Person, Umarmungen und frage mich, woher diese Wahrnehmungen kommen.“ Monika Ziegler betonte, dass man sich in diese Bilder lange vertiefen solle, um im eigenen Inneren nachzuspüren, was sie wachküssen, was an die Oberfläche gespült werde, zugedeckt vom Alltag.

Eine Besucherin probiert Augmented Reality aus. Foto: Petra Kurbjuhn
Stephan Mundi hat aber noch eine Überraschung parat. Diese ist im Titel „Jenseits des Augenblicks“ verborgen. Er selbst erklärte seine Technik des Augmented Reality. Mit dieser eröffne er eine zusätzliche Wahrnehmungsebene. Mit einem QR-Code lassen sich ausgewählte, mit AR gekennzeichnete Bilder per Handy oder Tablet zum Laufen bringen. Er lud die Besuchenden ein, dies selbst auszuprobieren.
Der Künstler dankte Isabella Krobisch vom Kulturzentrum für die engagierte Zusammenarbeit, es bedeute ihm sehr viel, dass er hier in Miesbach ausstellen könne. Er danke auch seinen Künstlerkollegen aus Bad Kissingen und insbesondere seiner Frau Ute für die liebevolle Begleitung.
Am Ende ihrer Laudatio zitierte Monika Ziegler die KI. Diese sagt über Stephan Mundi: „Seine Malerei ist eine hochemotionale und dynamische Fusion von abstraktem Expressionismus und surrealen Einflüssen. Sie stammt aus einem intuitiven kathartischen Schaffensprozess, wie Tagebücher.“
Zudem habe die KI die Verbindung von Malerei und Musik in den Bildern von Stephan Mundi entdeckt: „Linienführung und kraftvolle Pinselgesten besitzen eine musikalische Taktung und Dynamik, die Formen scheinen zu fließen.“
Die Verbindung von Malerei und Musik findet sich in den Bildern wieder. Mit dem QR-Code kann das Publikum nicht nur Bewegung und Veränderung der Formen- und Farbenwelt erzeugen, sondern auch Musik erklingen lassen.
Stephan Mundi sagte einmal: „Ein Bild muss schwingen und vibrieren wie ein Bass in der Musik.“

Steffi Polifka. Foto: Petra Kurbjuhn
Musik steuerte zur Umrahmung der Vernissage die Harfenistin Steffi Polifka bei.