Ghana

Die weiße Königin in Ghana

Christine Refaei alias Nana Abena Odosso II. Foto: Hannes Reisinger

Thementag in Fratres/Niederösterreich

Dem afrikanischen Kontinent im Allgemeinen und der „weißen Königin“ im Besonderen war der zweite diesjährige Thementag der Kulturbrücke Fratres gewidmet, in dessen Zentrum der Film „Obroni“ von Helmut Schwarz stand. Der Dokumentarfilmer begleitete Christine Refaei alias Nana Abena Odosso II. über 28 Jahre lang bei ihrem Wirken in Ghana.

Nachdem sich der erste von KulturVision gestaltete Thementag mit Literatur und Kurorten in Bayern, Österreich und Böhmen befasste, sollte die zweite Veranstaltung „dem Zuschauer Einblicke in eine Welt vermitteln, die fremder zu dem uns Gewohnten nicht sein kann und dennoch ein integrierter Teil unseres globalen Daseins ist“, wie Helmut Schwarz sagte.

Ghana
Die Königin lud zum Essen ein. Foto: MZ

Diese fremde Welt empfing das zahlreiche Publikum auf vielfältige Weise. Im Heckengarten trommelte die afrikanische Gruppe „BAAKOYE CULTURE Group“, in einem Basar gab es original ghanaische Stoffe, Schmuck und Kulturgegenstände zu kaufen, der Erlös geht an die Charity-Organisation „Help4Ghana“. In der Pause wurde das ghanaische Traditionsgericht Red-Red aus Bohnenpaste und Kochbananen, von der Königin selbst zubereitet, verkostet.

Ghana
„BAAKOYE CULTURE Group“: Master Drummer: Randy, Basic Drummer: Gershon, Basic Drummer: Abass, Talking Drummer: Devotion, Bell and Dance: Kofi Selkyere. Foto: MZ

Zunächst aber gab der Kurator des Tages Helmut Schwarz, in ein ghanaisches Traditionskleidungsstück gewandet, eine allgemeine Einführung. Das Publikum lernte, dass Afrika der zweitgrößte Kontinent ist, in dem es viele Unterschiedliche Kulturen gibt. Ghana möge stellvertretend für die Kultur der Chiefs oder Könige stehen, die im Zusammenspiel mit den demokratischen Regierungsstrukturen das Leben prägen.


Kurator und Filmemacher Herbert Schwarz. Foto: Hannes Reisinger

Ghana, seit 1956 unabhängig, die ehemalige Goldküste liegt in Westafrika. Im östlichen Teil, etwa so groß wie Niederösterreich liegt die Region Akuapem. In diese ethnisch-sprachliche Bevölkerungsgruppe, wo nach wie vor traditionell Chiefs tätig sind, entführte Helmut Schwarz die Zuhörenden mit seinen Bildern des Alltagslebens in die Buschdörfer, fast unpassierbare Straßen, mit Ackerbau für Eigenversorgung, mit Lehmbauten, aber auch mit dem „Saturday Night Fever“, Tanzen zu Trommelklängen bis zur Trance oder den Begräbnisritualen.


Alexis Neuberg, Gründer und Betreiber des Kultursenders Radio Afrika TV. Foto: Hannes Reisinger

Über die Bedeutung der Königreiche in Afrika informierte Alexis Neuberg, der Gründer und Betreiber des Kultursenders Radio Afrika TV. „Die Königreiche sind keine staatlichen Behörden, aber sie haben Einfluss auf lokale Entscheidungsprozesse“, sagt er. Die Könige würden bei Konflikten vermitteln, Kultur und Tradition bewahren, ihre Gemeinschaften vertreten und bei Fragen des Gewohnheitsrechtes und der Landesverwaltung mitwirken.

Diese parallelen Machtstrukturen würden die Politik beeinflussen, aber „der Einfluss ist nicht sichtbar, aber spürbar“. Die Macht der Königsfamilien beruhe auf der Geschichte, der Tradition und der Religion.


Kofi Selkyere lädt zum Tanzen ein. Foto: MZ

Zur Einstimmung in den zweiten Teil musizierte die afrikanische Trommlergruppe und ihr Tänzer Kofi Selkyere widmete seinen Tanz der Königin in der ersten Reihe. Mit seinen Bewegungen symbolisierte er, dass er die Sterne vom Himmel holte und forderte Nana Abena Odosso II. zum Tanz auf, was sie aber ablehnte.

Mit seinem Film „Obroni“ zeichnete Helmut Schwarz ein Porträt dieser Frau in den vergangenen 28 Jahren. Als Untertitel hatte er ein ghanaisches Sprichwort gewählt: Abwesenheit lässt ein Kind nicht gedeihen. Die Österreicherin Christine Refaei kam 1998 über ihr Anthropologiestudium nach Akropong im Osten Ghanas. Sie fand Zugang zu der dortigen Königsfamilie und in einem strengen Auswahlverfahren wurde sie zur Queenmother of Development gekürt.


Screenshot aus dem Film „Obroni“. Foto: MZ

Die offizielle Einführung sei durchaus herausfordernd gewesen, denn man schlachtete über ihren nackten Beinen ein Schaf und das Blut ergoss sich über ihre Füße. „Es ist eine unglaublich große Ehre“, betonte Nana Abena Odosso II. und sie habe überlegt, was sie für diese Gemeinschaft beisteuern könne. Dabei habe sie feststellen müssen, dass viele Eltern das Schulgeld nicht zahlen können. Sie gründete den Verein „Help4Ghana“, der in den vergangenen 25 Jahren die Schulkosten von 6.000 Kindern über Patenschaften übernahm. Sie habe Dankbarkeit gespürt, dass sie sich in die Gemeinschaft einbringen durfte.


Helmut Schwarz, Christine Refaei alias Nana Abena Odosso II. und Alexis Neuberg (v.l.). Foto: Hannes Reisinger

Im anschließenden Gespräch betonte die Queenmother of Development: „Unsere Kinder müssen nicht übers Mittelmeer nach Europa kommen“, viele würden weiterführende Schulen besuchen und ihr Leben meistern.

Auf die Frage von Helmut Schwarz, ob generell caritative Projekte sinnvoll seien, entgegnete Alexis Neuberg, dass man zwei Worte ersetzen müsse, Hilfe und Entwicklung. Stattdessen müsse es immer um Partnerschaft gehen. Generell würden in Afrika derzeit die Karten neu gemischt: „China kommt mit Wirtschaft, Putin kommt mit Militär.“ Man brauche ein neues soziales Unternehmertum. Und dafür, bekräftigte Nana Abena Odosso II. befähige ihre Privatinitiative „Help4Ghana“, die Menschen. Für 40 Euro im Jahr könne man die Patenschaft für ein Kind übernehmen.

Auch der dritte Thementag befasst sich mit exotischer Kultur. Am 25.7. ab 14 Uhr geht es um „Die Südsee – Klischee und Wirklichkeit“.

In Bayern gibt es ebenfalls eine „weiße Königin“. Manuela Samlan wurde im Gegensatz zu Christine Refaei durch die Heirat mit dem togolesischen Stammessohn Jules Samlan zur Stammeskönigin Sika. Die Geschichte der Glonnerin ist Gegenstand ihres Buches „Sika die weiße Königin“.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf