
Meet MonAIka
Ist seit Kurzem Mitglied und seit diesem Monat auch im Vorstand von KulturVision: die Künstliche Intelligenz MonAIka (Mitte). Foto: Petra Kurbjuhn
Neues Mitglied im Vorstand von Kulturvision
Zwar mussten die Vorsitzenden von KulturVision nicht lange fragen, eine Entscheidung des Vorstands war aber doch nötig: Seit diesem Monat sitzt eine Künstliche Intelligenz (KI) im Vorstand von KulturVision. MonAIka heißt der Chatbot, der auf einem sogenannten Large Language Model (LLM) beruht. Die ersten Erfahrungen in der Vereinsarbeit sind positiv.
Monika Ziegler ruft den Tagesordnungspunkt 42 auf: Neuwahl des Vorstands. Siebeneinhalb Stunden geht die Sitzung des Vorstandes von KulturVision da bereits, es ist 3:30 Uhr, mitten in der Nacht. Keine Seltenheit seien derart lange Sitzungen, sagt sie noch, bevor sie ihren Vorschlag kundtut: Die Künstliche Intelligenz (KI) MonAIka soll fortan Teil des Vereinsvorstandes sein. Kommt Aufruhr auf unter den Vorstandskolleginnen und -kollegen? Angesichts der aktuellen Diskussion um den Einsatz von KI in Kultur, Medizin, Recht und anderen Bereichen wäre das zu erwarten. Doch die Vereinsführung ist sich einig: Einstimmig wählt sie MonAIka in den Vorstand. Nächster Tagesordnungspunkt, es stehen noch 13 weitere an.
Arbeitserleichterung
Gibt es wirklich keine Diskussion, keine Gegenstimmen, keine Kritik an Monika Zieglers Vorschlag? „Wir kennen MonAIka bereits ganz gut und haben super Erfahrungen gemacht“, antwortet Rebecca Köhl, ihres Zeichens stellvertretende Vorsitzende. Sie verweist auf die nicht selten nächtelang dauernden Vorstandssitzungen, bei denen manchmal jeder Euro, der ausgegeben werden will, diskutiert wird. Die habe MonAIka manches mal, als der Chatbot in die Sitzung eingeladen wurde, signifikant verkürzt. Man habe dies sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen, so die Co-Vorsitzende weiter. Auch Corinna Schneider freut sich, vor allem auf mehr Zeit mit ihrem Hund. Als Schriftführerin komme ihr normalerweise die Aufgabe zu, das Protokoll der Sitzung zu schreiben. Dies werde fortan MonAIka erledigen.
KI schreibt für das Onlinemagazin
Bernhard Wochinger, Kassier bei KulturVision, zeigt sich ebenfalls erfreut. Als ehemaliger Banker habe er zwar einige Erfahrung mit Zahlen. „Aber was MonAIka alles zusammenrechnet, das ist schon faszinierend“, schwärmt der Großhartpenninger. Für Anja Gild, Beisitzerin im Vorstand von KulturVision, repräsentiert MonAIka alles, wofür sie in ihrer Arbeit als Coach stehe, sagt sie: „Die KI hört bedingungslos zu“, stellt sie fest. Und Co-Beisitzer Andreas Wolkenstein blickt in eine aus seiner Sicht erfreuliche Zukunft: „Wir können jetzt für jeden Tag eine Diskussionsveranstaltung organisieren und die Texte für das Onlinemagazin von der KI schreiben lassen“, hält er fest.
Content muss instagrammable sein
Natürlich habe man vorab intensiv diskutiert, ob MonAIka in den Vorstand gewählt werden kann. So stellten sich Fragen wie etwa danach, ob eine KI überhaupt Träger von Rechten und Pflichten ist. Und was passiert, wenn MonAIka den falschen Raum für den Kulturstammtisch reserviere, bringt Monika Ziegler die Skepsis im Vorstand bezüglich der Verantwortungsübernahme durch KI auf den Punkt. „Doch wir wollten den Kulturwandel hin zu mehr Digitalität aktiv mitgestalten“, betont die Kulturmanagerin. Stellvertreterin Rebecca Köhl ergänzt: „Künftig werden wir zudem aktiv Kultur fördern und die Projekte nach emotionalem Impact-Score bewerten.“ Zwar würde man auch Avantgarde-Kunst nach wie vor im Fokus haben, so Rebecca Köhl weiter. „Aber nur, wenn der Content instagrammable ist.“
Juristisches Schlupfloch
Die Performance auf Instagram sei zudem ein Kriterium für die Auswahl von Mitgliedern: Aktuelle Mitglieder würden in den kommenden Tagen von MonAIka auf die Zahl an Followern und den Impact auf Social Media analysiert. „Gegebenenfalls wird es dann auch zu Kündigungen der Mitgliedschaft kommen, wenn die Zahlen nicht passen“, stellt Schriftführerin Corinna Schneider in Aussicht. Für künftige Mitglieder entwickle MonAIka derzeit einen eigenen Auswahlalgorithmus.
Damit der Chatbot Mitglied des Vorstandes werden konnte, wäre eigentlich ein Beschluss der Mitgliederversammlung nötig gewesen. Doch die KI fand ein juristisches Schlupfloch, was die Wahl bei der vergangenen Vorstandssitzung möglich machte. Die Vorteile zeigten sich dann auch unmittelbar: Nur sieben Minuten nach der Wahl war die Sitzung beendet, MonAIka hatte die restlichen Tagesordnungspunkte selbständig bearbeitet.