Ziviler Ungehorsam: Wir schaffen das!

Gerhard Haderer

Gerhard Haderer in Weitra. Foto: MZ

Internationale Sommergespräche in Weitra

Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für zivilen Ungehorsam beendete Karikaturist Gerhard Haderer seinen Eröffnungsvortrag bei den 35. Internationalen Sommergesprächen der Waldviertler Akademie auf Schloss Weitra und schloss sich den Worten der deutschen Bundeskanzlerin an.

Als Dame seines Herzens bezeichnete der bekannte Satitiker Angela Merkel und allen Widerständen zu diesem berühmten Satz zum Trotz bekannte er: „Haderer steht an ihrer Seite.“

Ziviler Ungehorsam Angela Merkel
Gerhard Haderer: Angela. Foto: MZ

„Gehorsamkeit hat Grenzen. Für die Gestaltung unserer demokratischen Gesellschaft braucht es die Bereitschaft mündiger Bürger, sich einzumischen“ lautete der Titel des Vortrages zur Eröffnung einer Veranstaltungsreihe, die zu einer Erfolgsstory wurde.

Fragen des Menschseins

Lesetipp: Körper, Geist und vor allem die Seele

Seit 35 Jahren werden bei den Sommergesprächen grundsätzliche Fragen des Menschseins behandelt, wie der Vorsitzende der Waldviertler Akademie Erich Wurz betonte. In Kooperation mit der Donauuniversität Krems und neuerdings auch mit der Kultur.Region Niederösterreich wird hier der offene Dialog zwischen Experten und Publikum geführt.

Bühnenbild
Von Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Weitra geschaffenes Bühnenbild. Foto: MZ

In diesem Jahr heißt das Thema „Grenzen. Erkennen. Verbinden. Überwinden.“, das an drei Tagen mit verschiedenen Schwerpunkten behandelt wird. Ein wesentliches Instrument dabei ist die Kultur. So werden die Vorträge durch Film und Literatur unter dem Titel „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ begleitet.

Bücher Gerhard Haderer
Büchertisch. Foto: MZ

Diese Forderung aus Schillers „Don Carlos“ unterschreibt auch Gerhard Haderer, geht aber einen Schritt weiter, denn er denkt nicht nur, sondern drückt seine Gedanken in Zeichnungen aus, die im deutschsprachigen Raum Furore machen.

Grenzüberschreitung

Ob Satire alles dürfe, fragte der Künstler eingangs. Ja, antwortete er, aber sie mache nicht alles. Satire habe die Aufgabe, den Herrschenden, wie vormals der Hofnarr, die Sichtweise des gemeinen Volkes nahe zu bringen. Dabei sei Grenzüberschreitung ihr Metier.

Frisuren Contest 016
Gerhard Haderer: Frisuren-Contest Sommer 2016. Foto: MZ

Haderer würzte seinen Vortrag mit zahlreichen Cartoons, die das Publikum erheiterten, aber nicht nur. Denn seine Zeichnungen stoßen die Menschen mit Vehemenz auf Missstände. Ob es Plastikmüll im Meer ist, ob es diese Regierenden sind, die zum Beispiel sagen: „This wall is beautiful“ oder ob es einfach nur der Selfiewahn ist.

Selfiewahn
Gerhard Haderer: Das letzte Urlaubsfoto. Foto: MZ

Damit sich die Menschen Gedanken machen, müsse man an die Grenzen gehen und deshalb fordere er auch die ersatzlose Streichung des Blasphemie-Paragraphen, sagte Gerhard Haderer.

Neue Zivilisation

Die Zeichnung sei für ihn ein Ventil, den Druck abzulassen, der sich in seinem Kopf entwickle. Dieser Druck aber habe auch andere Menschen zur Aktion gebracht. Greta Thunberg habe mit ihrer Sprengkraft sehr viele Jugendliche elektrisiert und Peter Sellars habe mit seinem Vortrag zur Eröffnung der Salzburger Festspiele gefordert, eine neue Zivilisation zu gründen, die ein ökologisches Bewusstsein als Basis hat. Ziviler Ungehorsam sei das Gebot der Stunde.

Ziviler Ungehorsam
Gerhard Haderer: Festung Europa. Foto: MZ

„Je mehr wir konsumieren umso besser geht es uns.“ Mit diesem Satz sei er groß geworden, aber er sei falsch. Nur ein radikaler Kurswechsel könne und vor Massenmigration und Kriegen schützen. „Ohne soziale Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben“, sagte der Karikaturist, der immer wieder von Beifall unterbrochen wurde.

Soziale Gerechtigkeit
Gerhard Haderer: Wenn sie kein Wasser haben, warum trinken sie keine Cola?. Foto: MZ

Er rufe dazu auf, lustvollen Widerstand zu leisten und habe dazu die Schule des Ungehorsams in Linz gegründet. Durch einen Diskurs von Politik und Kunst wolle er die Menschen dazu bringen, sich in die Gestaltung der Gesellschaft einzumischen. „Nicht mainstream und nicht Neo-Biederrmeier, wir müssen auf die Straße gehen“, forderte der Künstler.

Ziviler Ungehorsam

Ziviler Ungehorsam sei wichtig und so ruft er Bildung, Wissenschaft, Kultur und Philosophie auf, in einem Projekt beratend zur Seite zu stehen. Gerhard Haderer knüpfte an das Buch „Hoffnung Mensch“ von Michael Schmidt-Salomon an: „Wir haben alle Werkzeuge in der Hand, um die Probleme der Menschheit zu lösen – Wir schaffen das.“

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