„Miesbacher Wunderkammer“ – im Rathaus, digital und in der ganzen Stadt

Maria Krüger-Basener (vorne) stimmte bei der Eröffnung im Rathausfoyer auf die Ausstellung ein, zusammen mit (v. l.) Bürgermeister Thomas Acher, Alexander Langheiter und (r.) Andreas Kempf (beide AG Ausstellungen Museumsverein) sowie dem Museumsvereinsvorsitzenden Johannes Schlichting. Foto: Martina Fischer

Ausstellung in Miesbach

Die Arbeitsgruppe Ausstellungen des Miesbacher Museumsverein ist mit ihren Exponatschauen im Rathaus bereits zum fünften Mal aktiv. Heuer präsentiert sie die „Miesbacher Wunderkammer – Kurioses aus dem Museum“ – eine anregende Mischung aus Ausstellungsstücken im Rathausfoyer, via digitale Medien, mit Exponaten in Geschäften der Stadt und interessanten flankierenden Events.

Miesbacher Wunderkammer
Liebevoll verwandelt: das Rathausfoyer erhält mit Exponaten und passend gestaltetem Hintergrund die Anmutung einer alten Wunderkammer.Foto: Martina Fischer

Von 1906 über die 70er in die digitale Moderne und in die Geschäfte

Seit 1400 gebe es eigentlich schon Wunderkammern, erklärte Maria Krüger-Basener (AG Ausstellungen Museumsverein). Sie umfassten „Sachen zum Wundern, Kurioses, aber auch Sachen, die zu neuen Erkenntnissen führen“. Eine solche Wunderkammer habe man im Rathaus mit drei Stationen nachempfunden. Zum einen finden sich in einem alten Bauernschrank Gegenstände, die schon im Miesbacher Heimatmuseum von 1906 Platz fanden, dargeboten wie damals in großer Fülle ohne Nummerierung oder Beschriftung. Die zweite Station widmet sich den 70er- und 80er-Jahren, hier schon mit Beschreibungen. So wird die Welt vor 60 Jahren zur Wunderkammer für die digital natives – mit alter Videokamera, Erinnerungen an Olympia 1972 in München und Wählscheiben-Telefon. Mit der dritten Komponente wird der Brückenschlag ins Jetzt erbracht. Die digitalen Elemente plus „augmented reality“ halten bei den Ausstellungen der Arbeitsgruppe immer mehr Einzug. So wird „Mobsl“, der skurril gewachsene Stier, der auch als Werbeträger der Ausstellung fungiert, per App in Bewegung versetzt und muht den Zuhörer an. Ein Glanzstück der Ausstellung – die berühmte Gotzinger Trommel – kann man nicht nur sehen, sondern dieses Mal auch hören.

Miesbacher Wunderkammer
Berühmtes Glanzstück der Ausstellung: die Gotzinger Trommel kann man per augmented reality sogar hören. Foto: Martina Fischer

Ein Touchscreen mit einem Quiz und ein weiterer mit virtueller Stadtführung stehen bereit. Letztere leitet die Interessierten zu 22 Geschäften in der Altstadt, die ganz real „Wunderkammer“-Exponate in ihren Schaufenstern zeigen – passend zu den jeweiligen Läden. So finden sich bei einem Sportgeschäft alte Schlittschuhkufen, bei einer Schneiderin eine alte, per Fuß betriebene Nähmaschine, für die kein Strom nötig war, oder bei einem Friseur ein massives, historisches Dauerwellengerät.

Abgesehen von der Darstellung des Kuriosen und der Wissensvermittlung, sah Miesbachs Bürgermeister Thomas Acher auch noch einen anderen Aspekt der Wunderkammern. Sie seien „scho immer aa a bissl a Angeberei“ gewesen. Drum freute sich der Hausherr: „Jetzt kann ich als Bürgermeister im Rathaus damit angeben.“

Miesbacher Wunderkammer
Die Miesbacher Geschäfte zeigen Exponate mit Informationen in ihren Schaufenstern, etwa das alte Bügeleisen bei der Meisterschneiderei Müller. Foto: Martina Fischer

Das eigentliche Kuriosum – das Museum, das da ist und doch weg

Wunderkammern hätten direkt zu Museen geführt, zeigte Museumsvereinsvorsitzender Johannes Schlichting auf. So seien sie gebaut, damit die breite Öffentlichkeit an interessanten Sammlungen teilhaben könne. „Und es gibt überall Museen, nur leider in Miesbach nicht. Das ist doch peinlich“, fand Schlichting angesichts des Umstandes, dass schließlich bereits „seit 120 Jahren gesammelt“ würde.

Hier sah Stadthistoriker Alexander Langheiter (AG Ausstellungen Museumsverein) das wirklich Wundersame: „Es gibt ein Museum, es gibt auch eine Sammlung, aber es gibt doch keins – das ist das Kuriosum.“ Derweil gab es ja ein Museum, das in verschiedenen Miesbacher Häusern seine Heimat fand. 1906 im sogenannten Berghofer Haus (Tölzer Straße 1), ab 1911 bis in die 60er im alten Schulhaus in der Kirchgasse und schließlich ab 1973 im Feuerwehrhaus.


Das Interesse der Miesbacher ist groß, wie der Eröffnungsabend zeigte. Foto: Martina Fischer

Seit längerer Zeit haben die Besucher keine festen ganzjährigen Anlaufpunkt, dürfen sich aber über die schöne, neue Exponatschau im Rathaus freuen. Die wurde wieder sehr engagiert von der Arbeitsgruppe Ausstellungen des Museumsvereins Miesbach erstellt: von Barbara Bogenrieder, Eva Egginger, Andi Kempf, Maria Krüger-Basener, Alexander Langheiter, Susanne Nortmeier und dem Mitte des Jahres verstorbene Hermann Kraus, dessen bei der Ausstellungseröffnung dankend gedacht wurde.

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Zu sehen ist die „Miesbacher Wunderkammer – Kurioses im Museum“ zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses: Montag und Dienstag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Freitag von 9 bis 12 Uhr und zusätzlich Samstag von 9 bis 11 Uhr. Führungen, auch für Schulklassen, sind nach Absprache möglich.

Begleitende Events der Ausstellung:

„Sammeln – Lust und Leidenschaft“, Mittwoch, 14. Oktober (19 Uhr), Buntes Haus der evangelischen Kirche – Miesbacher Sammler erzählen, Moderation: Maria Krüger-Basener und Alexander Langheiter, Technik: Andi Kempf.
„Fachgesimpel um Kunst und manchen Krempel“, Mittwoch, 28. Oktober (19 Uhr), Buntes Haus der evangelischen Kirche – spannende Geschichten eines Restaurators mit Sebastian Westermeier, Moderation: Alexander Langheiter und Maria Krüger-Basener, Technik: Andi Kempf.
„Karl-Valentin-Musäumsabend“, Mittwoch, 11. November (19:11 Uhr), Haindlkeller – mit dem Miesbacher Kabarettisten Klaus Ruml
Stadtführungen, Samstag 10. / 17. und 24. Oktober (11 Uhr), Startpunkt im Miesbacher Rathaus – Alexander Langheiter zeigt Miesbacher Kuriositäten im Stadtbild, eine Trilogie voller Überraschungen. Zuvor besteht die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen (9 bis 11 Uhr).

Der Eintritt zur Ausstellung und den Events ist frei. Spenden sind willkommen. Informationen finden sich auch unter www.museumsverein-miesbach.de, wo auch die Apps für den virtuellen Stadtrundgang, das Quiz und die verschiedenen Gebäude, in denen früher das Miesbacher Museum untergebracht war, abrufbar sind.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf