
Kreativität für alle: Neue Graffiti-Wand in Holzkirchen
Was würde Bürgermeister Christoph Schmid wohl sprayen? Foto Linus Suchowerskyj
Jugendprojekt in Holzkirchen
Seit Donnerstag gibt es auf der Jugendfreizeitmeile Holzkirchen eine öffentliche Sprayer-Wand für alle Künstler und die, die es einmal werden wollen. Initiator Sandro „ANTIK“ Thomas hat mit Unterstützung von Bürgermeister Christoph Schmid eine freie Fläche für alle geschaffen, die sich im Graffiti entfalten wollen… mit ein paar Regeln!
Eine Wand, die gesehen wird
Wer künftig mit dem Zug durch Holzkirchen fährt, sollte einen Blick aus dem Fenster werfen. Auf der Jugendfreizeitmeile Am Ladehof (dem Skaterpark und Basketballplatz) steht jetzt eine Wand, an der Sprühen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist. Die ersten Motive geben dem Ort schon jetzt neues Leben und es werden noch viele weitere kommen.
Die Lage ist kein Zufall. Wer hier sprüht, wird gesehen und Pendler können jeden Tag aufs Neue eine ganz andere Wand bewundern. Aus einer grauen Fläche wird so eine kleine Galerie im Vorbeifahren, die sich ständig verändert.

Die Wand schreit nach Kreativität. Foto Linus Suchowerskyj
Junge Talente und bekannte Gesichter
Sandro „ANTIK“ Thomas ist in der Kunstszene kein Unbekannter. Der Künstler hat unter anderem im KULTUR im Oberbräu bereits seine eigene Ausstellung gehabt und mehrere Projekte für junge Menschen angestoßen, darunter auch einen Graffiti-Wettbewerb vom Markt Holzkirchen und dem Glasfaserunternehmen Avacomm. Der 15-jährige Matteo Reichenberger hat genau diesen Wettbewerb letzten Sommer gewonnen und ist jetzt als talentierter Künstler wieder mit am Sprayen.
Unterstützung kommt auch aus dem Rathaus. Bürgermeister Christoph Schmid war bei der Eröffnung dabei und damit wird deutlich, dass die Wand nicht im Verborgenen entstanden ist, sondern als Projekt, das die Gemeinde mitträgt.

Sandro „ANTIK“ Thomas, Matteo Reichenberger und Bürgermeister Christoph Schmid posieren vor den Sprayerregeln. Foto: Linus Suchowerskyj
Alle Beteiligten verfolgen ein Ziel: Jugendlichen einen Ort zu geben, an dem sie sich künstlerisch ausprobieren können, und zwar legal, sichtbar, mit Mühe und Anspruch.
Denn um schnelle Kritzeleien geht es Sandro Thomas ausdrücklich nicht. Gefördert werden sollen vor allem die Jugendlichen, die sich wirklich Zeit nehmen wollen. Wer an diese Wand kommt, soll kleine und große Kunstwerke schaffen, Motive entwickeln, an Technik und Ausdruck feilen und von Erfahrenen lernen. Die Wand ist Übungsfläche und Bühne zugleich.
„Abschalten und Austoben“
Freie Wand heißt aber nicht regelfreie Wand. Kreativität mit Regeln, Sprayen in Gemeinschaft, so lässt sich das Konzept zusammenfassen. Wer sprüht, soll das mit Respekt vor der Umgebung machen, man soll keine Beleidigungen oder Werbung sprayen oder unfertige Skizzen übermalen.

Die Regeln der Sprayerwand. Foto: Linus Suchowerskyj
Innerhalb dieses Rahmens ist als Künstler alles möglich. „Die Wand soll ein Ort sein, an dem man abschalten und sich austoben kann“, meint Sandro Thomas „fernab von Schule, Ausbildung und Alltag“. Ein Ort, an dem es nur um Farbe, Form und die eigene Idee geht. Und ein Ort, der verbindet: „Wer hier sprüht, trifft andere, kommt ins Gespräch, tauscht Tipps aus und lernt voneinander.“ Genau daraus, so die Hoffnung der Initiatoren, können neue Talente entstehen und junge Menschen zu diesem fantasievollen Hobby herangeführt werden. Für junge Sprayerinnen und Sprayer ist das eine Chance: Sie können erfahrenen Künstlern über die Schulter schauen und erleben, wie aus Ideen eine Skizze wird und aus einer Skizze ein großformatiges Werk.
Kunst ist vergänglich… und das ist etwas Gutes!
„Kunst ist vergänglich“, sagt Sandro Thomas, und an dieser Wand ist das wörtlich zu nehmen. Was heute entsteht, kann morgen schon übersprüht sein. Für den Ideengeber ist das kein Verlust, sondern der eigentliche Antrieb: immer wieder etwas Neues schaffen, nichts festhalten, weitermachen. Jedes Bild ist eine Momentaufnahme und zugleich die Einladung an den Nächsten, sie zu überschreiben.
Wer neugierig geworden ist, muss nicht warten. Die Wand auf der Jugendfreizeitmeile ist offen und natürlich auch nicht nur für Jugendliche. Die Bahn fährt regelmäßig vorbei. Wer weiß, was sie beim nächsten Mal zu sehen bekommt.
Zum Weiterlesen: Von Street Art zur Kunst