
Leinwandflimmern: 88 Mal Berge
Der Film “Six Days to the Edge” über eine Highline auf 800 Meter Höhe über den Angel Falls von Valentin Rapp eröffnet das Festival. Foto: Valentin Rapp.
Filmfestival am Tegernsee
Beim 23. Internationalen Bergfilm-Festival Tegernsee vom 14. bis 18. Oktober sind an fünf Tagen 88 Produktionen an fünf Spielorten zu sehen. Im Fokus stehen außergewöhnliche Bergerlebnisse und wagemutige Abenteurer. Auch feinfühlige Beobachtungen zu Natur, Kultur und Menschen der Bergregionen kommen nicht zu kurz.
Zur Eröffnungsfeier machen Filme zweier Lokalmatadore den Auftakt: „Six Days to the Edge“ von Regisseur Valentin Rapp aus Rosenheim sowie der Kurzfilm „Forever Young“ des Schlierseers Moritz Attenberger. Tom Dauer lädt das Publikum damit gleich zu Beginn dazu ein, die Welt mit den Augen zweier junger Filmemacher aus der Region zu sehen. „Beide stehen prototypisch für das, was in meinen Augen Motivation ist, Bergfilme zu machen“, so der Festivalleiter. „Zwei Filmemacher brechen auf, um sich eine Welt voller Abenteuer zu erschließen.“
Aus der Region in die Weite und zurück
Während Valentin Rapp eine Crew begleitet, die eine Highline über den 800 Meter hohen Wasserfall Salto Ángel spannt, dokumentiert Moritz Attenberger den Roadtrip vierer Freunde durch das bolivianische Altiplano. Beide Filmemacher lösten dabei nicht nur kreative und logistische Herausforderungen, sondern setzten sich auch mit politischen Gegebenheiten auseinander – auch das Aufgaben des Bergfilms, so Tom Dauer. Beim Eröffnungsabend werden neben den beiden erfolgreichen Jungfilmern weitere prominente Gäste erwartet.
Auf weitere große Namen der Bergfilmszene darf man sich an den folgenden Tagen freuen: Für den beliebten Nepal-Abend am Freitag, 16. Oktober, hat Basanta Thapa, langjähriger Leiter des Kathmandu International Mountain Film Festivals, sein Kommen angekündigt. Der vielfach ausgezeichnete Naturfilmer Jürgen Eichinger wird ebenfalls am Freitag auf der Bühne stehen – wenn der Filmabend in der Sporthalle unter dem Motto „Analog“ steht.

Festivalpremiere feiert “Nanga Parbat – Echoes of the Sisyphus” von Tom Dauer
Ein weiterer Höhepunkt ist der Bergauf-Bergab-Nachmittag am Samstag, 17. Oktober, wenn Profi-Bergsteiger Robert Jasper und Bergfilm-Legende Gerhard Baur auf dem Podium sitzen. Festivalleiter und Regisseur Tom Dauer stellt sich gemeinsam mit David Göttler, einem der besten Höhenbergsteiger der Welt, am Sonntag, 18. Oktober, den Publikumsfragen, wenn sein Film „Nanga Parbat – Echoes of Sisyphus“ Festivalpremiere feiert, gemeinsam mit „Vier Steirer am Nanga Parbat“ von Robert Schauer.
Frauen, die ihr Ding machen
Bei der Otto-Guggenbichler-Retrospektive am Donnerstag, 15. Oktober, die traditionell dem mittlerweile verstorbenen Festivalgründer gewidmet ist, geht die filmische Reise ins Karwendel und auf das Dach der Alpen, den Mont Blanc. Der Bayern-2-Abend wirft ebenfalls am Donnerstag mit dem Thema „Frauen, die ihr Ding machen“ einen weiblichen Blick in die Berge. Eingeladen sind die Bergsteigerin Noemi Kreuz und die Berchtesgadener Alpinistin Ines Papert.

“The Queen Swing“ von Thibaut Marot begleitet eine Frauenseilschaft am Tripple Crown. Foto: Thibaut Marot
Der DAV-Abend am Freitag, 16. Oktober, wiederum proklamiert „Skitouren sind lebensgefährlich“ und beschäftigt sich mit Lawinen und Risiken. Dabei diskutieren Experten, was bei Planung und Umsetzung einer Tourenidee wichtig ist.
Von Action bis „ausgefallen“
Insgesamt laufen in diesem Jahr 88 Filme im Wettbewerb. Während sich im medius-Fitness der Schwerpunkt „Action“ etabliert hat, darf man im Schalthaus mit Filmen zu ausgefallenen Bergthemen rechnen. In der Sporthalle stehen große Namen auf dem Programm. Und im Barocksaal des Gymnasiums darf man sich täglich auf unterschiedliche Programmschwerpunkte freuen – sei es im Rahmen der offiziellen Eröffnung am Mittwoch, dem 14. Oktober oder an den Themenabenden.

„Kongo im Rausch der Hoffnung“ von Jean-Gabriel Leynaud beleuchtet das Leben der Menschen, die unter extremen Bedingungen Coltan abbauen. Foto: Jean-Gabriel Leynaud
Wer die Ergebnisse der fünfköpfigen Jury mitfeiern möchte, hat am Samstagabend bei der Preisverleihung im Barocksaal die Gelegenheit dazu: Dort treffen Festivalgäste auf die ausgezeichneten Filmschaffenden – persönlich oder per Videobotschaft zugeschaltet – und sehen Ausschnitte aller prämierten Filme. Am Sonntag, 18. Oktober, gibt es im Kinozelt im Kurgarten und bei großer Nachfrage zusätzlich im medius Gelegenheit, die besten Filme im Rahmen der Matinee in voller Länge anzusehen.
Vielfältiges Rahmenprogramm: von RUN bis Ratschen
In der Mountain Lounge im medius-Fitness im Kurgarten trifft sich „die Szene“. Der DAV ist mit einem Infostand dabei, und das medius wird so zum Treffpunkt für Bergmenschen, die sich informieren, austauschen oder einfach nur ratschen möchten. Gemeinsam mit dem Schirmherrn des Festivals, Michael Pause, und dem Tegernseer Heimatführer Toni Wackersberger geht es am Freitag mit geschnürten Wanderschuhen auf den Riederstein und die Baumgartenschneid.
Am Samstag, dem 17. Oktober gibt es im Rahmen des Bergfilm-Festivals den LOWA Community Run Tegernsee auf zwei Strecken über acht und 15 Kilometer. Neu in diesem Jahr: Für alle Liebhaber alpiner Literatur gibt es einen Bücherstand des Allgäuer Bibliothekars Axel Straßer am Freitag und Samstag im Festivalbüro im Rathaus Tegernsee.