Homeschooling: Lernen im Lockdown

Homeschooling

Am heimischen Laptop. Foto: Fiona Eder

Reportage einer Schülerin

Der Distanzunterricht geht in die zweite Runde, seit 11. Januar lernen alle Schüler von zuhause aus. Die meisten Schulen haben technisch aufgerüstet und neue Systeme wurden eingeführt. Doch wie läuft das Homeschooling wirklich?

Montag 7:54 Uhr, erster Tag nach den Weihnachtsferien. Sophie drückt mit einem Finger die ON-Taste auf ihrem Laptop, während sie mit der anderen Hand schnell ihre Nachrichten noch auf dem Handy checkt. Einen Blick auf die Uhr, „Mist, schon so spät“, seufzt sie, „warum muss genau jetzt mein Internet so langsam sein?“ Langsam lädt der Computer Mebis, das Schülerportal ihres Gymnasiums, und alfaview, eine neue Plattform über die die Videokonferenzen im zweiten Lockdown laufen sollen.

Statt Präsenz Homeschooling

Wie Sophie sitzen heute mehr als 300.000 Gymnasiasten in Bayern vor ihren Rechnern und haben nach den Ferien wieder Unterricht – zu Hause. Vorerst bleiben bis zum 14. Februar die Schulen weitgehend geschlossen und es gibt keinen Präsenzunterricht, außer für die Abschlussklassen, die schon ab 1. Februar in Wechselunterricht gehen.

Erste Stunde Französisch, nach dem „Morgenappell“ und der Überprüfung der Anwesenheit geht es über zum Lesen eines Textes im Schulbuch. „Sophie, est-ce que tu veux être la narratrice?“ fragt Madame Schlag, Französischlehrerin am Staatlichen Gymnasium Holzkirchen. Sophie nickt, schaltet ihr Mikro an und beginnt zu lesen. Doch nach den ersten drei Zeilen wird sie unterbrochen. „Wir können dich leider nicht hören“, sagt Frau Schlag. Noch mal das Mikro checken, aber es ist angeschaltet und eigentlich sollte alles funktionieren. Von vorne anfangen, doch wieder klappt es nicht. Es wird ein anderer Klassenkamerad aufgerufen und dann steht „Verbindung zum Audiokanal aufbauen“ auf dem Bildschirm.

Homeschooling
Verbindung aufbauen. Foto: Fiona Eder

Technische Schwierigkeiten gab es in ganz Bayern, seien es die verschiedenen Plattformen, über die die Meetings ablaufen, oder das Schülerportal, über das beispielsweise die Arbeitsaufträge übermittelt werden, als Alternative für Mebis. Mebis ist die bayernweite Plattform, über die eigentlich die Aufträge vermittelt werden sollten. Probleme mit der Lernplattform gab es schon im erstem Lockdown, wenn sich zu viele anmeldeten und dann das ganze System für Stunden zusammenbrach. Jetzt dürfen sich die Schüler nur noch gestaffelt anmelden, damit es nicht wieder zu einer solchen Überlastung kommt.

Statt Pausenhof heimische Küche

Dann endlich, die erste Pause, schnell drückt Sophie auf das Tassensymbol und loggt sich aus dem Meeting aus. In einer Viertelstunde geht es weiter, dann hat sie Englisch. Eigentlich stünde sie jetzt auf dem Pausenhof und würde sich mit ihren Freunden unterhalten. Stattdessen geht sie nur ein Stockwerk runter in die Küche, holt sich einen kleinen Snack und setzt sich dann wieder an ihren Schreibtisch vor ihren Laptop. Sie gähnt und reibt sich die Augen, steckt sich wieder die Kopfhörer in die schon schmerzenden Ohren und beendet ihre „Kaffeepause“, indem sie wieder auf das Tassensymbol klickt.

Lesetipp: Coronavirus ist die Polizei

Nicht nur für Sophie ist es schwieriger geworden, sich zu motivieren und alle Arbeitsaufträge gründlich zu bearbeiten. Und ihr fehlen die sozialen Kontakte. Natürlich können sich die Schüler noch über ihren Bildschirm in den Videokonferenzen sehen, aber es ist trotzdem nicht dasselbe, als wenn man mit seinen Freunden noch schnell auf dem Gang ratscht. Auch die Frage, wie es nach dem Distanzunterricht mit dem verpassten Stoff und insbesondere den Noten weitergeht und ob alles nachgeholt werden muss, ist für die Schüler ein Problem.

Homschooling
Französische Vokabeln ganz analog. Foto: Fiona Eder

Doch es gibt nicht nur Nachteile beim Homeschooling: Die Schüler können sich zuhause ihren Tag selbst einteilen und planen und lernen so, selbstständiger zu werden. Auch das ständige Lüften im Winter gibt es zu Hause zum Glück nicht mehr. Schließlich schützt der Distanzunterricht die Gesundheit der Schüler, aber auch der Lehrer und der Familien, weshalb die Beschlüsse ja erst gefasst worden waren. Da der Sicherheitsabstand allein in den Klassenzimmern oft nicht einzuhalten war, gab es immer eine Ansteckungsgefahr.

Wieder bei Sophie, Montag, 15:15 Uhr. Die letzte Stunde Physik ist auch endlich vorbei. Sophie drückt mit dem einem Finger auf „aus dem Meeting ausloggen“, während sie mit der anderen Hand schon die OFF-Taste auf ihrem Laptop drückt.

(Alle Namen wurden in diesem Artikel abgeändert.)

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