Georg Stahl

Wasser, Licht und urbane Stille

Urbane Landschaften in Agatharied. Foto: Georg Stahl

Ausstellung in Agatharied

In der Ausstellung im Krankenhaus Agatharied zeigt der Architekt und Künstler Georg Stahl fein komponierte Aquarelle, die sich zwischen präziser Raumordnung und freier Interpretation bewegen. Seine Bilder verbinden architektonisches Denken mit atmosphärischer Leichtigkeit, in der Alltägliches zu poetischen Landschaften wird.

Als Architekt verfügt Georg Stahl über ein geschultes Verständnis für Räume, Proportionen und die Wirkung von Licht. Während seines Studiums gehörten Skizzieren, Zeichnen und auch die Malerei selbstverständlich zu seinem Alltag. Mit den Jahren jedoch trat die Malerei zunehmend in den Hintergrund. Erst der erzwungene Stillstand während der Corona-Zeit führte ihn zurück zur künstlerischen Arbeit. „Zum Glück wurde die erste Skizze gut“, erinnert er sich – ein Moment, der eine neue Richtung vorgab.

Aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei kristallisierten sich zwei Motive heraus, die ihn bis heute prägen: der ruhige Blick auf urbane Landschaften und die Beschäftigung mit dem Element Wasser.

Georg Stahl
Ruderboot vor Bergen. Foto: Georg Stahl

Im Erdgeschoss des Krankenhaus Agatharied dominieren die „Wasserlandschaften“. Ein Augenblick am See: Links ein Holzsteg, davor ein kleines Boot, drei rote Bojen – leuchtend wie kandierte Kirschen. Licht und Schatten spiegeln sich im Himmel und im Wasser. Es ist vor allem die dichte, ruhige Stimmung, die das Bild trägt und den Blick des Betrachters fesselt.

Wie diese Wirkung entsteht, erläutert Georg Stahl im Gespräch. Die Bojen etwa sind bewusst gesetzt. Auf der fotografischen Vorlage, die als Ausgangspunkt diente, befanden sie sich vermutlich an anderer Stelle – vielleicht waren es auch weniger oder sie hatten eine andere Farbe. Doch für die Komposition sind genau diese drei Bojen entscheidend: Sie verankern das Boot im Bildraum, lenken den Blick und schaffen ein ausgewogenes Ganzes.

Stadtlandschaften im Licht

Diese durchdachte Gestaltung prägt auch die Stadtansichten im ersten Stock des Krankenhauses. Zwar orientiert sich Georg Stahl präzise an Größenverhältnissen, Perspektiven und Bildaufbau, doch im Detail erlaubt er sich künstlerische Freiheit. Ganz im Sinne von Pippi Langstrumpf – „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – lässt er die Sonne auch einmal im Norden aufgehen, wenn es der Bildwirkung dient. Elemente der Realität werden weggelassen, andere hinzugefügt.


Ruhige Straßenszene in den USA. Foto: Georg Stahl

Die Entstehung eines Bildes erfordert große Präzision und Zeit – rund zehn Stunden arbeitet Stahl an einem Aquarell. Kaum etwas bleibt dem Zufall überlassen. Und doch erlaubt sich ein Element eine eigene Dynamik: die Farbe. Aquarell verläuft, schafft unerwartete Strukturen und bringt eine Lebendigkeit ins Bild, die sich im Zusammenspiel mit der Bildkomposition vollständig entfaltet.


Urbane Landschaften in Agatharied. Foto: Karin Sommer

Die Faszination für seine beiden Hauptthemen ist bei Georg Stahl ungebrochen. Wasser zeigt sich in unendlichen Variationen – von der stillen Pfütze auf Asphalt bis zur brechenden Welle. In urbanen Räumen, geprägt von Bewegung und Lärm, eröffnen sich immer wieder Momente der Ruhe und überraschende Stimmungen und werden somit weitere Bilder entstehen lassen.

Noch bis zum 25. Juni bietet sich im Krankenhaus Agatharied die Gelegenheit, in diese Wasser- und Stadtwelten einzutauchen – und vielleicht den Blick für solche Augenblicke im eigenen Alltag zu schärfen.

Zum Weiterlesen: KlinkClowns in Agatharied

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