Coronavirus ist die Polizei

Coronavirus

Allein an der Mangfall. Foto: privat

Gedanken von Heranwachsenden

Wie geht es Kindern und Jugendlichen, nachdem sie jetzt in der fünften Woche zu Hause sind und in der vierten Woche Kontaktsperre zu Freunden haben. Wie fühlen sie sich, wie haben sie Ostern erlebt und was erhoffen sie sich. Drei Brüder haben es aufgeschrieben.

„Es war Freitag und wir hatten in der zweiten Stunde Kunst. Ich kam völlig unwissend in die Schule und machte mir gar keine Gedanken über Schulfrei wegen des Corona Virus. Als mich dann doch ein Freund von mir darauf ansprach und meinte, dass wir vielleicht bis Ostern bekommen würden konnte ich es erst nicht glauben und dachte, dass das nur so daher gesagt sei, doch ich hatte Hoffnung.

Keine Mathe-Schulaufgabe am Geburtstag

In der ersten Stunde hatten wir Vertretung und alle aus der Klasse unterhielten sich über das Thema. Als wir dann in der zweiten Stunde dem Herrn Söder Live bei seiner Ansprache zuhörten, da konnten wir es alle nicht glauben: Schulfrei bis Ostern! Als erstes kam mir in den Sinn das ich an meinem Geburtstag jetzt doch keine Mathe Schulaufgabe schreiben würde, sondern frei hatte. Danach rief ich meinen Vater an und erzählte ihm voller Freude, was gesagt wurde, der hatte es auch gehört, war aber alles andere als erfreut und meinte nur, dass er schauen müsste, wie wir das hin bekommen würden mit der Kinderbetreuung und so weiter.

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Allein bei den Schularbeiten. Foto: privat

So jetzt sitze ich schon 4 Wochen Zuhause und in unserer Familie hat sich alles geändert. In der ersten Woche war es noch echt cool, ich traf meine Freunde, erledigte meine Arbeitsaufträge und unsere liebe Tante Kristel passte auf uns auf. Als ich dann doch mitbekam, dass Geschäfte außer Lebensmittelläden geschlossen würden, dachte ich mir, dass da ein viel zu großes Theater deswegen gemacht werde.

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Aber als ich dann die darauffolgenden Tage im Radio hörte, wie schnell sich das Virus verbreite, wusste ich nicht mehr genau was ich denken sollte. Als danach noch die Ausgangssperre eintrat und Kristel und meine Eltern wirklich ausdrücklich sagten, dass dieses Thema ernst zu nehmen sei, ließ ich mich nach und nach auf das Thema ein.

Keine Freunde zum Geburtstag

Mein Geburtstag war langweilig, weil keiner meiner Freunde da war, wir haben nur ein Videotreffen mit der ganzen Familie gemacht und alle haben für mich gesungen.

Bei uns ist es jetzt so, dass alle nur Computerspielen wollen und dann wird gestritten und es ist immer dicke Luft und das nervt mich. Ich bin außerdem sehr viel länger am Handy, telefoniere mit meinen Freunden und gehe raus in den Garten oder zum Fahrradfahren.

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Ostern haben wir eigentlich immer auf dem Hof meiner Oma im Waldviertel gefeiert, alle zusammen und das war cool. Das ging dieses Jahr nicht, aber wir haben schon früh Ostereier im Garten gesucht und dann Osterfrühstück mit Osterzopf gemacht. Am Nachmittag war die Familie mit dem Radl an der Mangfall und dort haben wir Brotzeit gemacht, das war ganz schön.

Ich wünsche mir, dass die Ausgangssperre aufgehoben wird und ich mich wieder mit meinen Freunden, auch meinem Freund Jo in München treffen kann. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir wieder in die Schule gehen können.“ (Emil, 15 Jahre)

Coronavirus nervt

„Also dieses Coronavirus nervt mich mittlerweile, weil ich keine Freunde mehr besuchen kann. Zuerst war alles gut, man hat das Thema nur mal in Deutsch nach den Faschingsferien angesprochen und dann war alles wieder beim Alten und der Unterricht ging normal weiter, bis irgendwann das Privatgymnasium geschlossen wurde. Dann wurde das Gerücht immer lauter, dass auch unser Gymnasium und alle anderen Schulen in Holzkirchen geschlossen werden sollen.

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Allein im Garten. Foto: privat

Dann kam ich am Freitag ganz normal in die Schule in Französisch, dachte mir nichts und ratschte mit meinen Freunden, setzte mich hin und alles war gut bis dann Frau R. am Ende der Stunde sagte: Wenn gegebenenfalls schulfrei sein sollte, dann schickt mir Seite 54 bitte. Ich dachte, was redet die da und stand in der Pause bloß doof rum. Alle redeten über das Coronavirus und dann kam der Waschtel die Haupttreppe runter und schrie: Fünf Wochen koa Schui.

Ich glaubte das einfach nicht und rannte rüber in die FOS, da bei uns WLAN und Netz gesperrt sind, schaltete mein Handy ein und suchte auf Safari Schulfrei Bayern. Der oberste Artikel der Süddeutschen Zeitung reichte mir, dort stand: Söder lässt aufgrund des Coronavirus alle Schulen in Bayern schließen.

Wenn ich groß bin, wähle ich Söder

Ich schrie über den ganzen Pausenhof: Jaaaa, fünf Wochen keine Schule. Ich dachte mir, wenn ich groß bin, wähle ich Söder. Die erste Ferienwoche verlief ganz normal wie eine Ferienwoche, nur dass ich am Abend ein paar Arbeitsaufträge machte.

Ich spielte Fußball mit meinen Freunden, ging an die Mangfall und im Lager trank ich Spezi bis zum geht nicht mehr. Dann war am Freitag der Hannes bei mir und wir zockten und dann öffnete er YouTube und ganz oben bei den empfohlenen Sachen war ein Livestream über Ausgangssperre in Bayern.

Langweilige Tagesroutine wegen Coronavirus

Haben wir jetzt Zustände wie in Italien, dachte ich mir und am nächsten Tag war es soweit. Ausgangssperre. Es lief immer doofer und wir hatten eine richtig langweilige Tagesroutine. Die verläuft so: Ich stehe um 10 Uhr auf, mache meine Schulsachen bis 14 Uhr, dann gehe ich mit meiner Familie spazieren und mache danach irgendwas Langweiliges mit meinem Smartphone, das mir selber nicht mal Spaß macht, außer manchmal, bei einem Videoanruf mit meinen Freunden.

Fühle mich wie ein Inhaftierter

Aber ich fühle mich in letzter Zeit irgendwie verloren als wäre ich in einem einzelnen Raum wie ein Inhaftierter und muss warten, warten bis ich entlassen werden kann und das Coronavirus ist die Polizei Es fühlt sich an als würde ich wegen einer falschen Aussage gefangen sein und es fühlt sich schrecklich an und es hilft nur abwarten.“ (Rufus, 12 Jahre)

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Zu Ostern. Foto: privat

„Es ist komisch, jetzt, ungewohnt, angenehm und auch unangenehm. Mit den Schulsachen geht es relativ gut, aber ich wünsche mir, dass die Schule wieder losgeht, damit ich meine Freunde wiedersehen kann.

Zu Ostern war es ganz schön, weil wir im Garten Eier gesucht haben, aber eigentlich war es blöd, dass wir nicht im Waldviertel sein konnten. Dort ist es viel besser, wir haben ein viel größeres Gebiet zum Suchen und die ganze Familie ist zusammen.

Fußball dürfen wir nicht spielen

Ich war mit dem Papa an der Mangfall, das war schön, wir waren auch im Wasser, es war kalt, aber man hat sich dran gewöhnt.

Sonst schaue ich fern oder mache es mir in meinem Zimmer gemütlich, höre Hörspiele oder ich mache mit dem Rufus Degenspiele im Garten. Fußball dürfen wir nicht im Garten spielen, weil die Mama Beete angelegt hat.

Ich wünsche mir so sehr, dass es keine Ausgangssperre mehr gibt.“ (Arthur, 10 Jahre)

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