Wo man still wird: Granit im Waldviertel

Granit im Waldviertel

Granit im Waldviertel: Steine am Platz des Skorpions. Foto: Archiv Petra Kurbjuhn

Das Obere Waldviertel in Niederösterreich nahe der Grenze zu Tschechien ist bekannt für seine Kraftplätze. Von alters her werden den großen Granitsteinen besondere Energie zugeschrieben. Ein besonderer Ort ist der Platz des Skorpions.

Als ich meinen Zweitwohnsitz im Waldviertel bezog, wurde ich bald von einer Bekannten auf die Alm bei Kautzen im Bezirk Waidhofen an der Thaya geführt. Aus Bayern kommend, ist der Begriff „Alm“ für das hügelige Gelände etwas hoch gegriffen, aber immerhin, es ist der höchste Ort der Region. Sie zeigte mir im Wald einen Platz mit einer Reihe großer Granitsteine und sagte mir, dass ich sofort die Energie spüren würde, wenn ich mich an einen der Steine anlehne. Ich spürte nichts.

Energie- und Opferstein

Dann befasste ich mich näher mit diesem Ort, der Platz des Skorpions genannt wird, und zu dem immer wieder eine Vielzahl von Menschen pilgern. Man sieht deren Hinterlassenschaften in dem Waldgebiet. Manchmal sind es nur Steinkreise oder Steinspiralen, aber manchmal sind es auch Feuerstellen. Nicht nur, dass das kreuzgefährlich bei der üblicherweise großen Trockenheit im Sommer ist, ich habe auch Federn und andere Reste von Tieren entdeckt. Opfergaben? Auch Dessous fand ich.

Die Steine indes begannen ihre Wirkung auf mich zu entfalten. Da war also der Energiestein, auf den man hinaufklettern konnte und sich einbilden konnte, Energie aufzutanken. Da war der Opferstein, den manche auch als Gebärstein bezeichnen, weil in den Stein eine liegende menschliche Figur hineininterpretiert werden kann.

Granit im Waldviertel
Wasserschale im Hergottstein. Foto: Archiv Petra Kurbjuhn

Interessant ist der Herrgottstein, der oben eine Schale hat, die immer mit Wasser gefüllt ist. Ebenso der Warzenstein. Dem Wasser wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Das muss der Hund meiner Freundin gespürt haben, denn er sprang immer mit einem großen Satz in den Warzenstein hinein und räkelte sich.

Granit im Waldviertel
Öffnungen im Energiestein. Foto: Archiv Petra Kurbjuhn

Im Energiestein sind regelmäßige Löcher zu sehen. Das regte zu allen möglichen Mutmaßungen an, bis sich herausstellte, dass Steinmetze 1938 versucht hatten, den Stein abzubrechen. In den siebziger Jahren bemühten sich der Radiästhet Hans-Guido Kuch und der Architekt Manfred Stein mit Familien und Freunden, die Ansammlung der Steine näher zu erklären.

Sie postulierten, dass sie in Form des Sternzeichens des Skorpions angeordnet sind. Später erweiterte Radiästhet Peter Handl diese Interpretation. Für mich ist es unwichtig, ich will wissen, ob es eine wissenschaftliche Erklärung für die Wirkung der Steine auf den menschlichen Organismus gibt. Und so leihe ich mir einen Geigerzähler.

Granit im Waldviertel hat erhöhte Strahlung

Bekanntermaßen enthält Granit die radioaktiven Elemente Uran und Thorium. Uran zerfällt unter Aussendung von Alphastrahlung mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahre in Thorium und später in Radium. Dieses zerfällt ebenso unter Aussendung von Alphastrahlung in das radioaktive Gas Radon. Mein Geigerzähler zeigt mir in der Tat eine um ein Mehrfaches höhere Radioaktivität an den Steinen an als auf einer Wiese. Aber generell ist die natürliche Radioaktivität im Oberen Waldviertel höher als im europäischen Durchschnitt, da der Untergrund aus granithaltigem Gestein besteht.

Aktivierung der Selbstheilungskräfte

Ist die Wirkung der Steine also ein physikalischer Effekt? Immerhin gibt es Radonkuren in Gastein und anderswo, Ziel der Anwendung ist die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Menschen. Dazu passt das Ergebnis einer Studie kanadischer Wissenschaftler. Sie stellten fest, dass radioaktive Strahlung geringer Dosis sogar eine krebshemmende Wirkung hat.

Ich gehe regelmäßig auf die Alm und lege mich für einige Minuten auf den Energiestein. Spüren tu ich nach wie vor nichts. Aber mir wird nachgesagt, dass ich viel Energie habe. Vielleicht hole sich sie mir von den Steinen.

Granit im Waldviertel
Platz des Skorpions bei Kautzen. Foto: Archiv Petra Kurbjuhn

Was mir aber ebenso wichtig ist: Der Platz des Skorpions hat eine Wirkung auf die Psyche. Wie es eine 90-jährige Verwandte, die in keiner Weise esoterisch veranlagt ist, kürzlich am Energiestein sagte: „Hier wird man still.“

Das war interessant? Hier geht es zu einem Artikel über ein Seminar von KulturVision im Waldviertel.

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