Grausam heult der Wind ums Haus

Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun (vorne) und das Art Ensemble of Passau. Foto: Veronika Bittenbinder

Kunst- und Kulturtage in Rottach-Egern

Der Förderverein Kunst & Kultur Rottach-Egern hat auch in diesem Jahr ein tolles Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Gabriele Schultes-Jaskolla, Vorsitzende des Vereins, führte am gestrigen Abend im Seeforum in die 21. Kunst- & Kulturtage ein. Diese starteten mit einem wahren Paukenschlag: Schauspielerin Johanna Bittenbinder, bekannt aus den Rosenmüller-Filmen und Niederbayern-Krimis, und Heinz-Josef Braun, Kabarettist, Musiker und Schauspieler u.a. im Tatort, lasen höchst eigenwillig und authentisch Szenen aus dem Krimi „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel.

Gruselig, dramatisch und zugleich ziemlich schräg

Das Buch, 2006 als Debütroman verlegt, sorgte bei seinem Erscheinen sogleich für Furore und erntete zahlreiche Preise. Guter Stoff also, der mit entsprechend hochkarätiger Besetzung für Gänsehaut sorgt und Gruselschauer garantiert. Genau das ist dem Duo Bittenbinder und Braun aufs Intensivste gelungen. Kaum zu glauben, dass ein Krimi, der auf der Bühne gelesen wird, derart unter die Haut gehen kann. Dass die Zuhörer in Atemlosigkeit verharrend, auf das unausweichliche Ende hin mitfiebern, auf das sich der Krimi zubewegt.

Tannöd ist die fesselnde Geschichte eines authentischen, unaufgeklärten 6-fach-Mordes auf einem bayerischen Einödhof in den 50er Jahren. Anhand aneinandergereihter Zeugenaussagen diverser skurriler Dorfbewohner verschiedener Berufs- und Altersgruppen hat die Autorin eine enorme Spannung aufgebaut. Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun gelingt es mühelos, ganz authentisch in die verschiedensten Rollen zu springen. Und genau diese schauspielerische Intensität zieht die Zuschauer und Zuhörer ganz tief ins Geschehen, tiefer vielleicht, als ihnen lieb ist. In dieser Geschichte um Neid, Geiz und Tratsch, Brutalität, Lieblosigkeit, Inzest und grausamen Mehrfachmord ist es gerade das Wegschauen der Dorfbewohner, die ja doch alles gewusst, zumindest geahnt und kommen gesehen haben, das die Zuschauer nun so hilflos bannt.

Gewaltige atmosphärische Dichte sorgt für Herzklopfen

Musikalisch unterstützt werden die beiden Schauspieler vom ART ENSEMBLE OF PASSAU. In der Besetzung von Leo Gmelch (Tuba/Posaune), Peter Tuscher (Trompete), Florian Burgmayr (Akkordeon/Tenorhorn) und Anno Kersting (Schlagwerk/Geräusche) erzeugt das Ensemble mit den Instrumenten in die Stille hinein dramatische Schockmomente, aber auch spielerische Begleitstimmen, denen es an Humor nicht mangelt. Sonst wäre das Ganze auch zu düster. Insbesondere die ländlichen Stallgeräusche, die Anno Kersting seinem Sortiment diverser Klangutensilien entlockt, zeugen von großem Einfallsreichtum und lockern die beklemmende Atmosphäre auf.

Denn bei aller Grausamkeit, es soll kein schockierender Tatsachenbericht sein, sondern eben doch ein Bayern-Krimi, in dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Dafür garantieren dann auch wieder Bittenbinder und Braun mit ihrer herrlichen Mimik und dem außergewöhnlichen Vermögen, die vielen, unterschiedlichsten Rollen zu verkörpern. Die atmosphärische Dichte, die sie dabei erzeugen, ist gewaltig. Und so kommt das Ende, das kein Happy End ist, für die Zuschauer dann doch unvermittelt. Alles bleibt offen. Auch das gebannte Herzklopfen im Saal bleibt für einen Augenblick stehen, worauf nach Sekunden ein Beifallssturm folgt. Für den Förderverein Kunst & Kultur war es eine gelungene Auftaktveranstaltung. Am heutigen Abend geht es weiter im Seeforum mit „Oide Hasen- junge Hasn“ – einem Konzert mit den Kinihasn und Trovasur. Am Freitag Nachmittag folgt ein Familienkonzert mit „Sternschnuppe“, ebenfalls im Seeforum.

Die Kunst- und Kulturtage Rottach-Egern finden noch bis zum 14.5.2016 statt. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite des Fördervereins: www.kunst-und-kulturverein.de

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