22. gmundart

Kunstszene in Gmund

„Nachwuchs“ von Helga Kordecki im Jagerhaus Gmund. Foto: MZ

Ausstellung in Gmund

Die 22. gmundart unter neuer Führung überraschte mit einem neuen Konzept. Ein ganzer Raum im Jagerhaus wurde dem Nachwuchs zur Verfügung gestellt. Aber auch die etablierten Künstler haben eine Menge zu bieten.

Die Sonderausstellung „Jugend kreativ“ unter dem Motto „Tegernseer Tal“ in Kooperation mit dem Leistungskurs Kunst am Gymnasium Tegernsee unter Leitung von Michael Petters ist sehenswert. Das Publikum ist aufgefordert, ein Lieblingswerk auszuwählen, der Publikumspreis wird bei der Finissage am 3. Mai um 17 Uhr vergeben.

Lesetipp:Die Jugend ist am Start

Beim Rundgang durch die anderen Räume wird deutlich, dass die 23 „alten Hasen“ der Kunstszene in Gmund mit sehr unterschiedlichen Ausdrucksweisen ihren wesentlichen Beitrag zur Ausstellung leisten.

Das Bindeglied zwischen den Generationen ist das Ölbild „Nachwuchs“ von Lucia Kordecki. Sie hat in ihrer feinen detailgetreuen Technik eine Grünlilie gemalt. Die an langen Stängeln hängenden Ableger können als Symbol dafür dienen, wie der Nachwuchs, noch an der Mutter hängend, sich selbständig macht.


„Seegang“ von Kerstin Brandes. Foto: MZ

Auch die arrivierten Künstler widmen sich dem Tegernsee, so Hans Weidinger in seinen stillen Acrylbildern, die er von den beiden Plätzen Kaltenbrunn und Seeglas gemalt hat. Kerstin Brandes fotografierte den See mit Schilf, druckte auf Büttenpapier und erzielt die Wirkung einer feinen kleinen Malerei.

Gmund
„Rosenhaus“ von Rita Höhlein. Foto: MZ

Ob das „Rosenhaus“ von Rita Höhlein am Tegernsee beheimatet ist, sei dahingestellt, in jedem Fall vermittelt es Heimatgefühle.

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„Dirnd’n“ von Hilo Fuchs. Foto: MZ

Ebenso die drei Dirndl’n von Hilo Fuchs in Steinzeug, stolz in der Tracht, mit in den Hüften aufgestemmten Händen stehen sie. Worauf sie wohl warten?
Auf den Leonhardizug, den Ekaterina Zacharova wieder einmal meisterhaft ins Bild gesetzt hat, vielleicht.

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„Kleine Nachtmusik“ von Kurt Gmeineder. Foto: MZ

Eine stimmungsvolle „Kleine Nachtmusik“ am Tegernsee hat Kurt Gmeineder gemalt.

Auch Pia von Miller widmet sich in ihren Aquarellen heimischen Motiven und hat gemeinsam mit Anna Obermüller Pflastersteine umhäkelt. Was bunt und spielerisch wirkt, hat einen bedeutsamen Hintergrund, wenn man an die Stolpersteine denkt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen.

Gmund
„Anonym“(r.) von Hans Schneider. Foto: MZ

Dazu passen dir Acrylcollagen von Hans Schneider. Mit seiner konzeptionellen Kunst vermittelt er Bedeutung, etwa in dem Blid „Anonym“, angeregt durch eine TV-Sendung mit einem ukrainischen Soldaten, dessen Gesichtszüge nicht erkennbar waren. Im Bild erscheint durch einen Spiegel der Betrachter und symbolisiert damit die Austauschbarkeit des Einzelnen in der Masse. Die rot-weißen Absperrbänder demonstrieren einen krisenhaften Raum.


„Schrei“ von Priska Büttel. Foto: MZ

Bedeutung vermittelt auch Priska Büttels “Schrei“, eine Filzinstallation, die an das berühmte Bild Edvard Munchs anknüpft.

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„Europa 2025“ von Uwe Goebel. Foto: MZ

Uwe Goebel ist bekannt für seine inhaltsreichen und provokanten Fotocollagen und Plakate. So fragt er unter der Europafahne „cooperation or catastrophe?“

22. gmundart
„abwegige Wesen“ von Helene Andres. Foto: MZ

Kunst darf aber auch erfreuen und so in Krisenzeiten Resilienz stärken. „abwegige Wesen“ nennt Helene Andres ihre heitere Skulptur. Wohltuend ist die Berührung mit den Marmorarbeiten von Wolfram Maria Felder, während der Mittelfinger von Linus Felder Symbolcharakter hat.


„Groß und klein“ von Wolfram Maria Felder. Foto: MZ

„In Balance“ befinden sich die Kristallarbeiten von Ursula Maren Fitz und die „Frühlingsboten“ von Rosemarie Freiberger erfreuen das Herz.


Kristallskulpturen von Ursula Maren Fitz. Foto: MZ

Die abstrahierten Gouache Kompositionen von Peter Keck haben wieder einmal eine starke Ausstrahlung.


„Sommer“ von Peter Keck. Foto: MZ

Werner Gruß entführt mit seiner Acryl Collage nach New York, Sopi von Soproyi hat ebenso in der Ferne fotografiert, während Eva Knevels heimischen Erdbeeren beim Flüstern zuhörte und Maria Prenzel eine stimmungsvolle Perspektive fotografierte.


Selbstbildnis von Hilge Dennewitz. Foto: MZ

In Memoriam Hilge Dennewitz sind drei Bilder der kürzlich verstorbenen Gmunder Künstlerin zu sehen. Ihr Mann Nobert Herbert ist mit Digitalart auf Alubond Druck vertreten.

Die Ausstellung im Jagerhaus Gmund ist bis zum 3. Mai täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Im Rahmenprogramm gibt es am 30. April um 19.30 Uhr eine Lesung mit Ludwig Brandl mit musikalischer Begleitung. Anmeldung unter gmundart@web.de. Am 3. Mai um 17 Uhr findet bei der Finissage die Verleihung des Publikumspreises an den Nachwuchs statt.

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