In mir klingt ein Lied…

Freddy Kempf

Der Flügel steht bereit. Foto: Verena Huber

Konzert in Holzkirchen

…ein kleines Lied – oder auch viele kleine Lieder. Denn am Sonntag war wieder einmal Weltklasse-Pianist Freddy Kempf im Holzkirchner KULTUR im Oberbräu zu hören. Solistisch gab er zahlreiche Konzert-Etüden von romantischen und modernen Komponisten zu Gehör und erntete dafür wahre Begeisterungsstürme.

Freddy Kempf bleibt seiner Wahlheimat Holzkirchen treu. Jedes Jahr gibt er ein Konzert unter der reich verzierten Stuckdecke im Oberbräu-Saal. Das ist die Gelegenheit für alle Oberlandler einmal das besondere Flair eines Klassik-Konzertes zu schnuppern, wo die gebannte Stille während einer Darbietung einem den Atem raubt. Im KULTUR im Oberbräu können die Zuhörer einen international renommierten Pianisten hautnah erleben.

Etüden-Konzert

In diesem Jahr hatte Freddy Kempf ein besonders spannendes und anspruchsvolles Programm zusammengestellt: Konzert-Etüden von Kapustin, Chopin und Rachmaninow. Die musikalische Gattung Etüde hatte ursprünglich die Intention beim Üben verschiedene Spieltechniken zu verinnerlichen. Der Romantiker Frédéric Chopin jedoch war der Erste, der Etüden auch für Konzerte schrieb. Als Begründer eines neuartigen Klavierstils, in dem eine hohe Virtuosität völlig im Dienst des poetischen Ausdrucks stand, erlangte er besonderen Ruhm als Pianist und Komponist.

Freddy Kempf
Freddy Kempf gibt jährlich ein Konzert in Holzkirchen. Foto: Verena Huber

Nikolai Kapustins Konzert-Etüden Op. 40, Nr. 1, 7 und 8 bildeten den beschwingten Anfang eines atemberaubenden Konzertes in Holzkirchen. Mit drei der insgesamt acht kurzen Stücke zeigte Freddy Kempf vielfältige musikalische Spielweisen aus dem Bereich des Jazz und Blues. Denn Kapustin erkundete und verwendete stets Jazzelemente in formalen klassischen Strukturen. Mit Ragtime- und Boogie-Woogie-Rhythmen verwandelte sich Kempf so kurzzeitig zum Barpianisten in einem 50er-Jahre-Club.

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Völlig andere Musik folgte mit den Etüden für Klavier solo, Op. 10, Nr. 1 – 12 von Frédéric Chopin. Das Werk ist für den Pianisten derart anspruchsvoll, dass Freddy Kempf nach dem ersten Satz eine kurze Pause einlegte. In seiner sympathischen Art erklärte er dem Publikum, dass nach den vielen Arpeggios über die halbe Tastatur, bei denen er seine rechte Hand maximal weit strecken musste und dann natürlich auch noch die richtigen Töne treffen sollte, seine Arme eine kurze Erholung brauchten. So erfuhr das Publikum beispielsweise auch, dass bei der fünften Etüde die rechte Hand lediglich schwarze Tasten zu spielen hätte und dass der zwölfte Satz eine Übung für die linke Hand sei.

In mir klingt ein Lied

Jede der zwölf Etüden von Chopin trainieren eine andere Spieltechnik, dadurch klingen sie auch sehr unterschiedlich. Wo die Erste noch dramatische Akkorde bringt, wechselt die Zweite zu einer typischen Polka-Begleitung. Wo die Fünfte spielerisch und die Siebte sehr rhythmisch gestaltet ist, erzählt die neunte Etüde in ihrer Melodie eine wunderbare Geschichte. Der zehnte, elfte und zwölfte Satz steigerten sich von Mal zu Mal von emsigem Treiben zu höchster Dramatik im „Allegro con fuoco“. Wohl den meisten Zuhörern bekannt war der dritte Satz. Mit unendlich viel Gefühl interpretierte Freddy Kempf das Stück „In mir klingt ein Lied“.

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Nach der Pause dann standen die Etüden Op. 39 des russischen Komponisten Sergei Rachmaninow auf dem Programm. Kempfs Finger flogen nur so über die Tasten des schimmernden schwarzen Flügels. Mit seiner Inbrunst erfüllte er den kompletten Saal mit Musik. Romantische Chromatik und emotional aufgeladene Melodien malten für das Publikum zahlreiche Bilder, beispielsweise die Geschichte von Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Zum Schluss bot Freddy Kempf noch einmal ein furioses Ende, das von den Zuhörern mit einem Sturm der Begeisterung belohnt wurde. Mit der Zugabe kehrte der Pianist noch einmal in die abendliche romantische Gefühlswelt zurück. Chopins Nocturne in Des-Dur verabschiedete die Gäste stimmungsvoll in die Nacht.

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