Abenteuerfilme in Tegernsee

Tom Dauer (links), Leiter des Internationalen Bergfilm-Festivals Tegernsee, im Gespräch mit Valentin Rapp, Antonia Rüede-Passul, Karl Schrader und Jens Decke (v.l.n.r.). Valentin Rapp begleitete die Protagonisten seines Films „Six Days to the Edge“ bei einem Abenteuer in Venezuela. Foto: Andreas Wolkenstein

Bergfilm-Festival Tegernsee eröffnet

Abenteuer und Gemeinschaft standen im Zentrum der Eröffnung des Bergfilm-Festivals im Barocksaal des Tegernseer Gymnasiums. Jedes Jahr im Oktober trifft sich hier die Berg-Community aus Filmern, Bergsteigern, Kletterern, Sportbegeisterten und Naturfreunden. Zu sehen bekamen die Anwesenden heuer zwei ganz unterschiedliche Abenteuer.

Abenteuerfilme hat das Internationale Bergfilm-Festival Tegernsee nicht eigens im Programm gelistet. Eigentlich. Dass das Abenteuer aber doch ganz wesentlich zum Bergfilm gehört, machte Festivalleiter Tom Dauer bei seiner Begrüßung im Barocksaal des Gymnasiums Tegernsee deutlich. Mit Bezug auf die beiden bei der Eröffnung des Festivals gezeigten Streifen sagte er: „Ich freu mich ganz besonders, weil die beiden Filme exemplarisch zeigen, was den Bergfilm ausmacht: Zwei Filmemacher brechen auf, um sich eine Welt voller Abenteuer zu erschließen.“ Bergmenschen als moderne Abenteurer, so lässt sich der Abend auf einen Punkt bringen.

Slackline über dem Abgrund

Was ein Abenteuer alles ausmacht, wird in „Six Days to the Edge“ besonders deutlich. In dem Film begleitet der Rosenheimer Filmemacher Valentin „Vale“ Rapp eine Gruppe professionaler Slackliner um Lukas Irmler auf ihrem Weg zum weltweit höchsten Wasserfall der Welt, dem Salto Ángel in der venezuelanischen Hochebene Gran Sabana. Gut 800 Meter rauscht das Wasser in den Abgrund, darüber über dem Boden spannen Lukas Irmler und seine Freunde eine knapp 150 Meter lange Slackline. Mit dabei ist auch Lukas Irmlers Partnerin Antonia Rüede-Passul, die von 2020 bis 2025 als Klimaschutzmanagerin am Landratsamt Miesbach tätig war.

Erinnerungen für immer

Es sind atemberaubende Bilder, die Regisseur Valentin Rapp geschaffen hat. Fast eindrücklicher ist jedoch seine Dokumentation der Abenteuerreise: Durch knietiefen Schlamm muss sich die Gruppe durchkämpfen bei ihrem sechstägigen Fußmarsch zum Wasserfall und sie hat mit triefendem Regen, ansteigenden Flüssen und Termitenattacken einige Herausforderungen zu meistern, um nur einige davon zu nennen. Bei der physisch und mental anstrengenden Reise wachsen die Slackliner zusammen und bilden eine enge Gemeinschaft – sie schaffen als solche Erinnerungen, die für immer bleiben werden, wie einer der Protagonisten im Film sagt.

Naturbilder und Schamanen

Eine besondere Gemeinschaft bilden die Alpinisten und Extremsportler Stefan Glowacz und Christian Schlesener mit den beiden Hans-Brüdern Moritz und Philipp, beide international erfolgreiche Sportkletterer. Der Schlierseer Bergfilmer Moritz Attenberger reiste mit dem Vierergespann nach Bolivien, um dort im noch weitgehend unerschlossenen Valle de las Rocas zu klettern. Der Film „Forever Young“ lebt von den Gegensätzen, die die Gruppe prägen: Alt und jung oder digital und analog. Doch bei allen Gegensätzen, die auf dem Papier existieren (und in so manchen Einstellungen, etwa Social Media gegenüber, wie Moritz Attenberger auf humorvolle Weise thematisiert), wird doch schnell deutlich: Auf sportlicher und menschlicher Ebene harmonieren die Vier. Und selbstverständlich kommen auch hier Abenteuerfans auf ihre Kosten: Spektakuläre Naturbilder und Schamamenprophezeiungen sind nur einige der Elemente des Abenteuers, die Moritz Attenberger auf trockene Weise aus dem Off kommentiert.


Das Publikum lauscht gespannt, wenn Tom Dauer (ganz links) mit Regisseur Moritz Attenberger (2. v.l.) sowie Stefan Glowacz und Christian Nußbickel, die beide Teil des Films „Forever Young“ sind, spricht. Foto: Andreas Wolkenstein

Abenteuerreise Festival

Bis zum Samstag Abend zeigt das Internationale Bergfilm-Festival insgesamt 88 Filme. Ein Programm, das auch Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn begeistert. Er habe sich die Nachmittage blockiert, um möglichst viele Filme sehen zu können, verriet er im Gespräch. Und den Besuchern der Eröffnungsfeier rief er zu: „Gehen Sie ins Kino. Es ist der Hammer, was für Filme wir haben.“ Festivalleiter Tom Dauer verglich die vier Tage Bergfilmfestival mit einer Reise, die man gemeinsam antrete. Bei dem vielfältigen Programm, das er heuer zusammengestellt hat, darf man getrost davon ausgehen, dass auch das gewiss eine Abenteuerreise im besten Sinne des Wortes wird.

Das Internationale Bergfilm-Festival Tegernsee findet bis Sonntag, den 18. Oktober 2026 statt. Am Sonntagabend wird Tom Dauers neuer Film „Naga Parbat. Echoes of Sisyphus“ gezeigt. Tickets für das Festival gibt es online, bei München-Ticket und an den Vorführtagen auch an der Tourist-Information Tegernsee (geöffnet von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr). Es gibt keine Kassen an den Vorführräumen. Das ausführliche Programm findet sich auf der Webseite.

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