Big Band Burghausen

Ein Abend unter Volldampf

Claus Reichstaller, Manfred Ranak, Wolfgang Pietsch (v.l.n.r.). Foto: Thomas Herrmann

Konzert in Holzkirchen

Die Big Band Burghausen zündete ein musikalisches Feuerwerk bei den 15. Holzkirchner Blues- und Jazztagen, die erstmals unter dem Projektträger KulturVision e.V. stattfanden.

Viele Musiker sind in verschiedenen Formationen aktiv. Dabei entstehen oft Freundschaften, die weit über die gemeinsame Musik hinausgehen. Eine solche verbindet Rudi Zettl, Saxofonist und Flötist der Big Band Burghausen, und Manfred Ranak, Saxofonist, Klarinettist und seit 2022 Leiter der Holzkirchner Blues- und Jazztage . Aus zahlreichen gemeinsamen Projekten kennen sie sich seit vielen Jahren. So lag es nahe, die Big Band Burghausen nach Holzkirchen einzuladen. Die Musiker sagten gerne zu. Als besonderer Gast konnte zudem der Trompeter und Flügelhornist Claus Reichstaller gewonnen werden.

Big Band Burghausen

Die Big Band Burghausen wurde vor mehr als 50 Jahren gegründet. Das kulturelle Leben der Jazzstadt Burghausen wird durch dieses Ensemble entscheidend geprägt. Die semiprofessionellen Musiker und Hobbymusiker begeistern ihr Publikum im In- und Ausland mit ihren klangvollen und ausdrucksstarken Konzerten. Die Big Band war bei der 50. Internationalen Jazzwoche Burghausen im Jahr 2019 vertreten.

Big Band Burghausen
Big Band Burghausen mit ihrem musikalischen Leiter Wolfgang Pietsch. Foto: Thomas Herrmann

Claus Reichstaller

Claus Reichstaller ist seit 2009 Professor für Jazz an der Hochschule für Musik und Theater in München. Ab dem neunten Lebensjahr lernte er Trompete. In München studierte er klassische Trompete am Richard-Strauss-Konservatorium. Er spielte u.a. in den Big Bands von Al Porcino, Harald Rüschenbaum und Peter Herbolzheimer und arbeitete weiterhin mit John Handy, Klaus Doldinger, Wolfgang Schmid, Max Greger, Paul Kuhn, der WDR Big Band Köln und der hr-Bigband. Seit 1997 war er Mitglied der SWR Big Band.


Trompeter Claus Reichstaller. Foto: Thomas Herrmann

Das Konzert

Als „warmen Empfang“ bezeichnete Wolfgang Pietsch, der musikalische Leiter, das erste temporeiche Stück „A Warm Breeze“ von Sammy Nestico. Innerhalb der Bläsergruppe mit vier Posaunen, vier Trompeten und fünf Saxofonen gab es diverse Soli. Mit Swing und dem Titel „Flight of the Foo Birds“ von Neal Hefri ging es mit einem Gitarrensolo und mehreren Bläsersoli weiter.

In den beiden folgenden Stücken „Everything“ von Michael Bublé und „Crazy Little Thing Called Love“ von Freddy Mercury wirkte erstmals die Sängerin Johanna Hammerl als Solistin mit. Im langen schwarzen Kleid und – für ein Jazzkonzert ungewöhnlich – barfuß bekam sie reichlich Beifall vom Publikum.

Im Stück „Belly Roll“ von Quincy Jones kam erstmals Claus Reichstaller zum Einsatz. Auf humorige Weise begrüßte er das Publikum mit den Worten: „In Burghausen habe ich den ersten Jazzkurs gemacht und schon bin ich Professor.“ Er fügte aber sofort hinzu: „So leicht geht es aber doch nicht.“ Im nächsten Stück „For Lena and Lenny“, ebenfalls von Quincy Jones, brillierte er erneut als Solist. Bei „Moanin`“ von Bob Timmons hatte Claus Reichstaller wiederum das Publikum auf seiner Seite. Mit den beiden Stücken „Unisamaba“ von Rob Pronk und „Flootie“ von Benjamin Herman im Latinsound wurde das erste Set beendet.


Sängerin Johanna Hammerl. Foto: Thomas Herrmann

Nach der Pause erlebten die Konzertbesucher wiederum eine abwechslungsreiche Mischung aus Latin, Balladen und Swing. Für den Titel „Ya Gotta Try“ von Sammy Nestico versprach Wolfgang Pietsch in seiner witzigen Art eine Battle zweier Saxofone: „Aber anschließend haben sie sich immer wieder vertragen und Blut ist auch noch nie geflossen.“ In „Commencar de novo“ von Ivan Lins, „Walk, Don’t Run“ von Johnny Smith, „A Change of Pace“ von Quincy Jones und „After You’ve Gone“ von Turner Layton durften die Zuschauer erneut Claus Reichstaller an Trompete und Flügelhorn erleben.

Die Sängerin Johanna Hammerl hatte zwei weitere Soloparts in „Feeling Good“ von Lesley Bricusse und Anthony Newley sowie „A Foggy Day (In London Town)“ von George Gershwin. Das Lied entwickelte sich später zu einem der bekanntesten Jazzstandards und wurde unter anderem von Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Tony Bennett und Michael Bublé aufgenommen.


Teil der Bläsergruppe mit Andrea Gstattenbauer-Kueffner am Baritonsaxofon. Foto: Thomas Herrmann

„Halleluja I love Her So“ von Ray Charles mit den Solisten Johanna Hammerl und Claus Reichstaller setze den Schlussakkord des Konzerts. Mit „You Are the Sunshine of My Life““ und den Solisten Johanna Hammerl und Claus Reichstaller präsentierte die Band als Zugabe einen Welthit von Stevie Wonder, der mit seinem warmen Groove begeisterte.

Ein Konzertabend, bei dem alles stimmte: kraftvoller Big-Band-Sound, brillante Soli, eine abwechslungsreiche Titelauswahl und ein Publikum, das seine Begeisterung mit lang anhaltendem Applaus im ausverkauften FoolsTheater zum Ausdruck brachte.

Die 15. Holzkirchner Blues- und Jazztage waren ein großer Erfolg. Manfred Ranak, musikalischer Leiter äußert sich sehr zufrieden: Die meisten Veranstaltungen waren ausverkauft. Vom Auftakt mit Boogie Woogie Duo Michael Alf bis zum Abschluss, Matinee mit Ranak-Brunton-Gabler, sei die Stimmung sehr gut gewesen.

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