Die perfekte Frau kann schreiben, tut es aber nicht

Die Schwestern Brontë, Emily (Lydia Starkulla), Charlotte (Antje Hobucher), Anne (Kristina Günther-Vieweg), v.l. Foto: Monika Ziegler

Theater in Holzkirchen

Nach ihrer gelungenen Präsentation des Goetheabends „So freundlich er ist, so kalt ist er“ entführte jetzt das dreiköpfige Schauspielerteam um Lydia Starkulla die Zuschauer des Foolstheaters nach England ins 19. Jahrhundert. Da sitzen die drei Frauen in helle Kleider gehüllt inmitten von wallenden Stoffen und Spitzen. Eine liest, eine sinniert, eine lümmelt am Boden.

Über die Liebe reden sie, denn Anne hat offensichtlich ein Buch über das Küssen und den vollendeten Liebhaber entdeckt, während Emily sich eher über Totengräber und Friedhof auslässt und Charlotte über ihr nutzloses Leben am Rande des Moors, das sie ältlich werden lässt, räsonniert.

Tristes Dasein

Susanne Schneider hat das kurze Leben der drei Brontë-Schwestern, die mutterlos aufwuchsen, eine Ausbildung zur Lehrerin durchliefen, dann aber im Hause des Vaters, eines Dorfpfarrers ihr Leben fristeten und sich in die Welt des Schreibens flüchteten, zu einem gelungenen Stück verarbeitet. Gespickt mit historischen Fotos, romantischer Musik, erleben die Zuschauer wie ereignislos und trist das Dasein der drei so unterschiedlichen Schwestern verlaufen sein muss.

Lydia Starkulla spielt die Gedichte schreibende Emily voller Kraft und tiefem Ausdruck. Dass sie das Moor liebt, Freude am Leben hat und „Freiheit ihr Atem war“, dass sie Disziplin nicht ertragen konnte und statt brav am Tisch zu sitzen, lieber am Boden liegt, wird deutlich. Eine Schlüsselszene für den Charakter Emilys ist, als die drei Schwestern ein großes Tafeltuch nähen müssen und sie nebenbei in einem Buch liest und dabei viel zu große Stiche macht. Von ihr stammt der Roman „Sturmhöhe“.

Unerfüllte Sehnsüchte

Charlotte, gespielt von Antje Hobucher, ist die ehrgeizige von den drei Schwestern,sie drängt, ihre literarischen Werke zu publizieren. Sie ist es, die unerfüllte Sehnsüchte in sich trägt, sie sagt, dass es eine Sünde sei, Talente nicht zu nutzen. Sie verfasste „Jane Eyre“. Und sie wünscht sich sogar Katastrophen herbei, damit endlich einmal etwas passiere. So treibt sie die erste Publikation von Gedichten voran. Auch wenn zu dieser Zeit Poesie noch gern gelesen wird, die Publikation im, Selbstverlag, wird ein Flop. Da ein Verleger die Meinung vertritt „Die perfekte Frau kann schreiben, tut es aber nicht“, wählen die drei Schwestern ein männliches Pseudonym.

Anne ist die geduldigste der drei Pfarrerstöchter. Kristina Günther-Vieweg spielt die Autorin des Romans „Agnes Grey“ zurückhaltend und mit Überzeugung. Bewegend ihre Lesung aus dem Roman, in dem sie der Gouvernante ein Denkmal setzt. Sie hielt es am längsten in diesem Beruf aus, in dem in der damaligen Zeit das Vergnügen des Kindes höher eingeschätzt wurde als das Leiden des von ihm gequälten Tieres.

Kraftvolle Frauenbilder

Immer wieder hält die Handlung an, dann, wenn Schritte und eine knarrennde Tür die Anwesenheit des Bruders andeutet, eine geschickte Regieidee, die ebenso wie Emilys Nachdenken über Leichenteile in ihrem Brunnenwasser, denn sie wohnen ja direkt neben dem Friedhof, die Morbidität des Lebens andeutet.

Heute sind die Romane der Schwestern Weltliteratur. In ihnen zeichnen die drei Autorinnen kraftvolle Frauenbilder wider alle Konventionen, solche Frauen, wie sie wohl selber gern gewesen wären, wenn es denn die Umstände nicht verhindert hätten. Dem Zuschauer werden an diesem Theaterabend die Umstände und Charaktere der drei Schwestern in vollendeter Weise nahe gebracht, das ist Bildung auf künstlerischem Wege, Bildung, die eingeht.

Weitere Vorstellungen von „Die Nächte der Schwestern Brontë“ am 27. 10. um 19.30 Uhr und am 29. 10. um 20 Uhr im Kultur im Oberbräu Holzkirchen, www.kultur-im-oberbraeu.de

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