Konflikt und Versöhnung

Jeder, der sich bewegt, kann etwas bewegen

Reithamer Gespräche in Oberwarngau

„Vision und Realität“ war das Thema der 7. Reithamer Gespräche des Vereins Kulturvision. Fast 100 Zuhörer waren in den Altwirtsaal Oberwarngau gekommen, um den Visionen der sechs Podiumsgäste zu lauschen und ihre Meinung zu äußern.

Horst Teltschik machte deutlich, dass nach dem zweiten Weltkrieg bereits zahlreiche Visionen weltweit zur Realität wurden. Der ehemalige Vizekanzleramtschef und Honorarprofessor nannte als Beispiele die Wiedervereinigung, das vereinte Europa und dass mit Obama ein Farbiger US-Präsident werden konnte. Die derzeitige Politikrealität indes sah er eher kritisch: „Ich weiß nicht wohin der Weg führen soll.“

Einen visionären Weg beschrieb Rudolf Kuntze aus Otterfing. Er plädierte für das Bedingungslose Grundeinkommen, auf das jeder Mensch unabhängig von einer Bedürftigkeitsüberprüfung einen Rechtsanspruch hat und das er ohne Gegenleistung erhält und womit er frei sei, einer sinnvollen Arbeit nachzugehen. Damit könne jeder Bürger in Würde leben.

Für Menschenwürde und Eigenständigkeit

Für die Überwindung des chronischen Hungers und der Armut in der Welt macht sich Leni Rieppel stark. Die Landesdirektorin des Hunger-Projektes beschrieb die Vision ihrer Organisation in Afrika, Menschen von Empfängern von Spendengeldern zu Menschenwürde und Eigenständigkeit zu verhelfen, indem sie selbst zur Lösung ihrer Probleme beitragen.

Dass der Einzelne mit Visionen eine Menge bewirken kann, diese zur Realität werden zu lassen, erklärte Bertram Verhaag. Der Regisseur von denk-mal-Film aus München traf auf der ganzen Welt Menschen, die in ihrem Bereich Veränderungen bewirkten, sei es zum Thema Rassismus, Gentechnik oder nachhaltige Landwirtschaft. Diesen Menschen setzt er mit seinen Filmen ein Denkmal.

Für Chancengleichheit und Förderung von Stärken

Alexandra Weissenbach ist Lehrerin an der Staatlichen Berufsoberschule Bad Tölz. Sie hat die Vision, dass Deutschlands Schüler in der Pisastudie ganz vorn stehen, aber „die Bedingungen sind hier nicht optimal“. Sie wünscht sich individuelle Betreuung und Förderung sowie Chancengleichheit für alle Kinder. Stärken fördern und nicht auf Schwächen herumreiten, das ist ihre Vision für die Schule der Zukunft.

„Meine Vision ist es, das Kleinklein der Konfessionen hinter uns zu lassen“, sagte Matthias Striebeck. Der evangelische Pfarrer, der als Notfallseelsorger auch beim Tod eines Hindu oder Katholiken zur Stelle ist und die richtigen Worte findet, plädiert für einen „religiösen Fachmann“ pro Ort und einem Gebetsraum. Und den derzeitigen Mann in Rom könne wohl jeder als höchsten Repräsentanten würdigen. Ich selbst als Moderatorin steuerte die Vision des Weltethos von Hans Küng bei, die Idee, dass sich alle Menschen auf einen Grundkonsens an Werten einigen, die in allen Religionen angelegt sind.

Das Fazit der intensiven Diskussion: Die Vision liegt in der Veränderung des einzelnen Menschen. Hier ist eine geistig-moralische Wende dringend angesagt. Dazu muss auch die Schule beitragen. „Jeder, der sich bewegt, kann etwas bewegen.“ Und so bewegte am Ende der Zither-Manä, der wie immer den Abend musikalisch begleitete, die Gäste mit einem Blues auf der Mundharmonika.

Einen ausführlichen Bericht über die 7. Reithamer Gespräche veröffentlichen wir in der 21. Ausgabe der Kulturbegegnungen, die im Frühjahr erscheint. Die 8. Reithamer Gespräche finden am 19. November 2014 um 19.30 Uhr im Altwirtsaal Oberwarngau statt.

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