
Zwischen Brandmauer und Dialog
Andreas Wolkenstein moderierte den Abend. Foto: MZ
Veranstaltung in Holzkirchen
Der dritte Holzkirchner Salon, organisiert vom Wir-Quartier der evangelischen Kirche, KulturVision e.V. und Holzkirchen ist Bunt e.V., widmete sich einem Thema, das viele Menschen bewegt: Wie gehen wir mit populistischen Meinungen um?
Im Thomassaal der evangelischen Kirche hatten sich viele Interessierte versammelt. Schon die beiden ersten Salons zum Thema „Armut“ und „Einsamkeit“ waren auf großes Publikumsinteresse gestoßen. Dieses Mal aber stand ein politisches Thema auf dem Programm: Wie kann die Demokratie bewahrt werden? Deshalb hatten die Veranstalter als Partner den Verein „Holzkirchen ist bunt“, das Bündnis für Demokratie und Vielfalt, eingeladen.

Drei Fragen. Foto: MZ
Deren Vorsitzender Andreas Wolkenstein nahm von Anfang an das Publikum mit und forderte schon eingangs eine Positionierung. Zu drei Fragen sollten die Anwesenden ihre Meinung festhalten.
„Wie ausgeprägt ist die gesellschaftliche Spaltung in der Realität?“ Von 0 bis 10 machte ein jeder sein Kreuz. Ergebnis: Diffus. Bei der zweiten Frage „Wie notwendig ist die Brandmauer?“ zeigten sich unterschiedliche Positionen, allerdings mehr in Richtung 100 verschoben. Bei der dritten Frage indes „Wie notwendig sind Verständnis und Dialog?“ war das Ergebnis eindeutig.

Ergebnis zu Frage 1. Foto: MZ
Andreas Wolkenstein fasste die Umfrage so zusammen: „Es gibt keine gesellschaftliche Spaltung – es gibt verschiedene Meinungen, aber das ist noch keine Spaltung zwischen zwei Fronten.“
Zur Notwendigkeit der Brandmauer konstatierte er: „Die Brandmauer ist nötiger denn je, sie ist die Aufforderung, mit undemokratischen Parteien nicht zusammenzuarbeiten.“ Sie diene als Instrument der wehrhaften Demokratie.
Seine dritte These formulierte er so: „Der Dialog ist nötiger als je zuvor, er hilft gegen unorganisiertes Abrutschen.“ Der Dialog erfordere Zuhören, denn viele Menschen wählten extremistische Parteien, weil sie darin ein Sprachrohr für ihre Unzufriedenheit sehen.

Das Publikum diskutiert in kleinen Gruppen. Foto: Ulrike Henking
Nach diesem einführenden Impuls lud er das Publikum ein, diese drei Fragen und Thesen an den Tischen zu diskutieren, und es setzte ein lebhafter Austausch ein. Ob auch AfD-Mitglieder im Saal waren, ließ sich nicht herausfinden, denn in der anschließenden Plenumsdiskussion waren keine rechtspopulistischen Wortmeldungen dabei.
Die evangelische Pfarrerin und Hausherrin Ulrike Lorentz meldete sich als erstes zu Wort: „Die Brandmauer finde ich schwierig, lieber sollten wir von innerem Kompass sprechen und zwischen Mensch und Meinung unterscheiden.“ Sie plädierte dafür, im Kontakt und im Dialog zu bleiben.

Die evangelische Pfarrerin Ulrike Lorentz. Foto: MZ
Bärbel Sokat von „Omas gegen rechts“ indes forderte, die Brandmauer zu betonieren, denn „die AfD zerstört die Demokratie“ und dies müsse man nach außen auch zeigen.
Zwischen diesen beiden Positionen bewegten sich die anderen Beiträge. So wurde betont, dass alle Menschen dieselben Emotionen und Bedürfnisse haben, an dieser Stelle könne man sich verbinden. Und trotzdem, auf der anderen Seite lodere der Hass. Falsch sei es auch, dass manche demokratische Politiker jetzt AfD-Politik machten.
„Menschen haben resigniert“
In der Kommunalpolitik gebe es keine gemeinsame Basis mit den Kollegen der AfD, denn jeder werfe dem anderen Fake News vor. Andererseits aber gebe es gemeinsame Themen, etwa die gestiegenen Lebenshaltungskosten, denen das Geld für die Rüstung entgegenstehe.
„Die Menschen haben resigniert und fühlen sich nicht verstanden. Sie würden zurückstecken, wenn Gerechtigkeit herrschen würde“, brachte es SPD-Kreisrätin Elisabeth Dasch auf den Punkt.
Nicht von Hass anstecken lassen
Was also konkret müsse man tun? Zunächst unterscheiden zwischen AfD-Funktionären und AfD-Wählern, konstatierte Klaus Haas, 2. Vorstand von „Holzkirchen ist Bunt e.V.“
In Richtung seiner evangelischen Kollegin plädierte Diakon Klaus Mroszok vom katholischen Pfarrverband Holzkirchen-Warngau: „Wir müssen freundlich, weich und lebendig bleiben und dürfen uns nicht vom Hass anstecken lassen.“
Für Werte einstehen
Der Dialog sei kein Stuhlkreis, sondern man müsse auch den Mut haben, etwas Kontroverses zu sagen, jeder Versuch sei es wert, hieß es.
Ulrike Lorentz betonte noch einmal: „Wir müssen für unsere Werte einstehen und das auch öffentlich zeigen.“ Dazu brauche es Räume für die Gemeinschaft, die etwa das Wir-Quartier anbiete, wo auch AfD-Sympathisanten willkommen seien. „Menschen sehnen sich nach Orientierung und nicht nach Wut.“

Ulrike Henking und Andreas Wolkenstein. Foto: MZ
Gemeinsam mit Ulrike Henking, der Quartiersmanagerin vom Wir-Quartier in Holzkirchen, fasste Moderator Andreas Wolkenstein zusammen: „Brandmauer und Dialog sind keine Gegensätze.“ und „Wir brauchen Räume zum Zuhören und für den Dialog.“ Im Wir-Quartier könne man das Wir-Gefühl erleben und pflegen, ergänzte Ulrike Henking.